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Ulrich Tukur wird „Tatort“-Kommissar

Fernsehen Ulrich Tukur wird „Tatort“-Kommissar

Murot ist der neue „Tatort“-Kommissar beim Hessischen Rundfunk. Dargestellt wird er vom vielfach ausgezeichneten Charakterdarsteller Ulrich Tukur („John Rabe“, „Das Leben der Anderen“). Der HR bestätigte am Montag das Engagement des 52-Jährigen.

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Charakterdarsteller Ulrich Tukur wird „Tatort“-Kommissar.

Quelle: Philipp Guelland/ddp (Archiv)

Bei einem Abendessen vor gut einem Jahr ist die Idee zu diesem neuen, außergewöhnlichen TV-Ermittler entstanden: Felix Murot arbeitet für das LKA Wiesbaden, er ist ein genussfreudiger Einzelgänger und leidet - was keiner der Kollegen ahnt - an einem Tumor im Kopf, den er „Lili“ getauft hat. Schon in sechs Wochen sollen die ersten Dreharbeiten beginnen.

HR-Fernsehspielchefin Liane Jessen würdigte Tukur in der „Bild“-Zeitung als einen der größten deutschen Schauspieler:
„Attraktiv, witzig und hochgebildet. Deshalb wird er unseren neuen Kommissar ideal verkörpern.“ Die Figur wurde ihm auf den Leib geschneidert: Murot ist stets gut angezogen und liebt die Musik der 20er Jahre. Auch Tukur ist leidenschaftlicher Musiker, spielt Akkordeon und Klavier und gründete 1995 die Kapelle Ulrich Tukur und die Rhythmus Boys.

Große Erfolge auf der Leinwand feierte er zuletzt mit dem historischen Drama „John Rabe“ von Oscar-Preisträger Florian Gallenberger. In dem Film über das Massaker von Nanking in China 1937 war er in der Titelrolle des deutschen Kaufmanns John Rabe zu sehen, der zum Retter Tausender Chinesen vor der japanischen Armee wurde. Tukur erhielt unter anderem den Deutschen und den Bayerischen Filmpreis als bester Hauptdarsteller. Seine Dankesreden hielt er mal auf Chinesisch, mal konzentrierte er sich auf Ausführungen zu einem Kuttelgericht im Wok. Preisverleihungen nimmt Tukur eben nicht ganz so bierernst, wie manch anderer.

Der Schauspieler, der als Ulrich Scheurlen in Viernheim als ältestes von vier Kindern zur Welt kam, wurde nach Abitur, Studium und Schauspielausbildung 1982 von Michael Verhoeven für die Rolle des Willi Graf im Film „Die weiße Rose“ entdeckt. Parallel startete er eine steile Karriere an deutschen Theaterbühnen. 1984 etwa feierten ihn die Kritiker für seine Interpretation des SS-Sturmbandführers Kittel in Peter Zadeks „Ghetto“-Inszenierung an der Freien Volksbühne Berlin. Tukur war unter anderem am Zürcher Schauspielhaus, am Stuttgarter Staatstheater und am Hamburger Schauspielhaus zu sehen, bevor er im Juli 1995 für acht Jahre die Intendanz der Hamburger Kammerspiele übernahm.

Seine Theaterzeit sei inzwischen für ihn so gut wie vorbei. „Das macht man eine Weile, und dann ist gut“, sagte Tukur im vergangenen November im ddp-Interview. Bis auf wenige Ausnahmen wolle er sich auch künftig verstärkt auf Film und Fernsehen konzentrieren und widersprüchliche Figuren spielen.

Bundesweit bekannt geworden war Tukur mit der Rolle des Terroristen Andreas Baader in Reinhard Hauffs Film „Stammheim“ (1986). Der Sprung ins internationale Filmgeschäft gelang ihm 2002 als SS-Offizier Kurt Gerstein in Constantin Costa-Gavras „Der Stellvertreter“. Mit einem Oscar als bester ausländischer Film wurde das Drama „Das Leben der Anderen“ gekrönt, in dem er einen Stasi-Offizier spielte. In den vergangenen Jahren war er unter anderem auch in der Beziehungskomödie „Ein fliehendes Pferd“ nach der gleichnamigen Novelle von Martin Walser und im Bergsteigerdrama „Nordwand“ zu sehen. Als Hochstapler stand er vor wenigen Monaten für den ARD-Zweiteiler „Mit Glanz und Gloria“ von Regisseur Dieter Wedel vor der Kamera, der vermutlich Anfang 2010 ausgestrahlt werden soll.

Seine zahlreichen Rollen begründete Tukur damit, dass er nie gelernt habe, nein zu sagen. Zudem habe er einige Verpflichtungen. So müsse er sich um die Erziehung seiner Töchter aus erster Ehe, Marlene und Lilli, kümmern, die in den USA leben. Ferner wolle er seine „Herzensangelegenheit“, die Tanzkapelle Rhythmus Boys, aufrechterhalten. „Das ist eine Knochenarbeit, aber es macht mir Spaß.“

Seit 1999 lebt der Schauspieler mit seiner Frau, der Fotografin Katharina John, in Venedig - dem nach seinen Worten „schönsten Ort der Welt“. Als „Tatort“-Kommissar ist Tukur nicht als Nachfolger des scheidenden HR-Duos Andrea Sawatzki und Jörg Schüttauf vorgesehen. Vielmehr soll es künftig zwei „Tatorte“ vom Hessischen Rundfunk geben.

Sein erster Fall mit dem Arbeitstitel „Wie einst Lili“ führt Kommissar Murot an den verlassenen Edersee, wo ein Toter am Anlegesteg gefunden wurde. Bei den Ermittlungen stößt er auf alte politische Seilschaften aus der RAF-Zeit.

ddp

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