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USA schicken Schülerin zurück

Einreise scheitert an Facebook-Nachrichten

US-Behörden haben einer deutschen Schülerin die Einreise ins Land verweigert. Nachrichten der jungen Frau auf Facebook alarmierten die Heimatschützer. Sie schickten die Marburgerin deshalb direkt nach der Landung wieder nach Hause.
Foto: Das Porträt zeigt die Schülerin Aimee Valentina Schneider aus Marburg.

Aimee Valentina Schneider wollte in den USA ihre Familie besuchen. Die Behörden glaubten dagegen, sie wollte dort arbeiten – und schickten sie deshalb zurück.

© privat

Marburg. Aimee Valentina Schneider wollte einfach nur bei ihrer Familie in Cleveland Urlaub zu machen. Doch was die 19-Jährige stattdessen erlebte, war ein Horrorszenario. Sie soll von US-Polizisten am Flughafen wie eine Schwerverbrecherin behandelt worden sein. "Psycho-Terror, Prinzipien wie in der DDR", schimpft die Schülerin.

Nach der Zwischenlandung und der Passkontrolle bei den Einwanderungsbehörden wurde Schneider von Polizisten in ein Verhörzimmer gebracht, dort stundenlang nach ihrem Einreisegrund befragt. "Mir war sofort mulmig, aber ich hatte ja alle Papiere, dachte, das wird schon gut gehen. Bald merkte ich, dass hier etwas gewaltig schiefläuft", erzählt sie.

Die Beamten nahmen der jungen Frau nicht ab, vier Wochen ihre Verwandten besuchen zu wollen. Das gültige, im Frankfurter Konsulat ausgestellte Visum, wonach Schneider ein Jahr lang das Aufenthaltsrecht besaß, erkannten die Sicherheitsbehörden in Philadelphia nicht an. Auch das bereits gebuchte Rückflugticket war als Beweis nicht genug. Die Heimatschützer unterstellten der jungen Frau stattdessen, illegal im Land arbeiten zu wollen.

Die Polizisten nahmen der Schülerin das Handy ab, lasen alle Nachrichten und Chats im sozialen Netzwerk Facebook. "Heute ist es doch so, dass das Handy so mit das Persönlichste ist, was man besitzt. Ich war völlig hilflos, hatte keine Kontrolle, durfte niemanden kontaktieren." Im Kopf ging sie alle Chatverläufe durch, die sie mit ihren Verwandten vor der Abreise geführt hatte. "Da wusste ich, dass sie Dinge finden würden, die sie mir falsch auslegen könnten."

Genauso kam es: "Als sie merkten, dass meine Verwandten Kinder haben, ließen sie überhaupt nicht mehr los." Die Polizisten zitierten den exakten Wortlaut der Chats und konfrontierten sie mit dem Inhalt: "Haben Sie Nachrichten in Ihrem Handy, in denen steht, dass Ihre Cousine Ihnen angeboten hat, auf die Nachbarskinder aufzupassen, und dass Sie ihr erzählt haben, dass Sie einen gültigen Führerschein haben und somit die Kinder zur Schule fahren können?" Schneider bejahte. Tatsächlich hatte sie ihrer Großcousine vorgeschlagen, im Haushalt zu helfen.

Als die Befragung endete, fällten die Heimatschützer ihr Urteil: Die Marburgerin habe ihre geplante Aupair-Tätigkeit beim Visaantrag verschwiegen, daher sei dieses ungültig und sie müsse nach Deutschland zurück. Rechtsexperten sind nicht überrascht über das Verhalten der Behörden: "Die Beamten der amerikanischen Zoll- und Grenzschutzbehörde vor Ort sind diejenigen, die entscheiden, ob sie den Einreisewilligen für einreiseberechtigt befinden oder nicht", sagt Rechtsanwalt Raphael Fonk. Die Sicherheitsleute entscheiden auch, für wie lange sich der Einreisende in den USA aufhalten dürfe. Selbst mit einem gültigen Visum werde lediglich die Anreise zu einer Grenze der Vereinigten Staaten garantiert.

"Nach deutscher Gesetzeslage ist so etwas undenkbar, aber nach US-Recht geht das. Die dürfen auf Daten und auf Handys zugreifen. Wer Facebook nutzt, tut das auch dahingehend auf eigenes Risiko. Ich kann nur eindringlich davor warnen, irgendwelche Informationen über solche Kanäle zu geben", sagt Professor Michael Ronellenfitsch, Hessischer Datenschutzbeauftragter.

Selbst Banalitäten, Alltägliches wie im Fall von Schneider, reichten aus, um die Sicherheitsbehörden zu alarmieren. "Jede Informationen kann mit anderen verknüpft werden, ein Muster entstehen lassen. Schon mitzuteilen, dass man etwa von einer Stadt in die andere fahren wolle, reicht aus, um ein Bewegungsprofil zu erstellen. Wer in den USA bei der Einreise Opfer einer Stichprobe wird, der weiß nicht, welche Schlussfolgerungen die ziehen und welche Konsequenzen das hat", sagt Ronellenfitsch.

Schneider ist immer noch geschockt: "Niemals hätte ich gedacht, dass das so krasse Ausmaße annimmt", sagt die Schülerin. Die Demütigung, als sie von Polizisten zum Zwangsrückflug begleitet wurde, schmerzt. Nach Informationen der "Oberhessischen Presse" soll sich die Bundespolitik bereits in den Fall eingeschaltet. Die Familie überlegt, einen Rechtsanwalt zu beauftragen.

von Björn Wisker


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