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Sonnenuntergang der besonderen Art

New York bestaunt „Manhattanhenge“

Das Phänomen dauert nur wenige Minuten, aber elektrisiert New York: Viermal im Jahr ist „Manhattanhenge“ zu bestaunen - ein Sonnenuntergang genau in den Straßenschluchten. Auch Promis sind Fan.
Foto: Bringt den einen oder anderen zum Weinen: Manhattenhenge.

Bringt den einen oder anderen zum Weinen: Manhattenhenge.

© dpa

New York . Normalerweise haben Autos die Brücke vor dem New Yorker Bahnhof Grand Central meist ganz für sich alleine, aber viermal im Jahr drängeln sich hier oberhalb der 42. Straße abends plötzlich viele Menschen. „Was ist denn da los?“, fragt verwundert ein Mann aus einem vorbeifahrenden Taxi. „Manhattanhenge“, antworten Dutzende gleichzeitig. Das Großstadt-Phänomen ist der neue Lieblings-Programmpunkt vieler New Yorker: Viermal im Jahr, immer im Sommer, geht die Sonne exakt auf das Straßennetz Manhattans ausgerichtet unter. Wenige Minuten lang erscheint dann der Sonnenball genau in den Hochhausschluchten und erleuchtet die ganze Straße.

Eigentlich ist das Naturschauspiel natürlich nichts Neues, aber jahrhundertelang schien es niemand in New York so richtig zu bemerken. Einen Namen hatte es schon gar nicht - bis Neill deGrasse Tyson sich des Phänomens vor einigen Jahren annahm. Der in den USA sehr populäre Astrophysiker vom American Museum of Natural History in New York, der auch eine eigene Fernsehshow hat, nannte das Himmelsphänomen kurzerhand „Manhattanhenge“ in Anlehnung an den ähnlich mystischen Steinkreis „Stonehenge“ in Großbritannien und beschrieb es als „raren und wunderschönen Anblick“.

Für das Phänomen braucht eine Stadt nicht nur ein rechtwinkliges und ebenes Straßennetz, sondern auch einen freien Blick auf den Horizont, wie Manhattan ihn in Richtung Westen nach New Jersey hat. Wolkenkratzer zu beiden Straßenseiten machen das Ganze natürlich auch noch einmal deutlich spektakulärer. All das zusammen gebe es wohl nur in New York, sagt deGrasse Tyson. „"Manhattanhenge" scheint ein einzigartiges Phänomen in der Welt zu sein, wenn nicht im Universum.“

Zudem nennt er den New Yorkern auch gleich noch die Daten für die kommenden Jahre und versorgt sie mit den besten Tipps fürs gemeinsame „Manhattanhenge“-Schauen. Nur viermal im Jahr, jeweils zweimal der ganze Sonnenball und zweimal der halbe, ist das Phänomen aufgrund der Bewegung der Erde um die Sonne zu bestaunen. Die vorerst letzte Möglichkeit in diesem Jahr bietet sich am kommenden Wochenende - eine volle Sonne am Freitag (11. Juli) und eine halbe am Samstag (12. Juli). Idealerweise begibt man sich dafür auf eine der großen Durchgangsstraßen der Insel, wie die 14., die 23., die 34., die 42. oder die 57.. Das Empire State und das Chrysler Building sorgen jeweils als Rahmen dafür, dass die 34. und die 42. Straße die fotogensten Optionen sind.

Mit seinen Tipps und dem einprägsamen Namen sorgte deGrasse Tyson in New York für einen „Manhattanhenge“-Boom. Hunderte Menschen versammeln sich an den entsprechenden Tagen auf den großen Durchgangsstraßen der Stadt und veröffentlichen schier unendlich viele Fotos von ihrem Erlebnis im Internet. „Warum lieben die Menschen "Manhattanhenge" so sehr““, fragte jüngst auch „The Atlantic“ und kam zu dem Schluss, dass das Phänomen „etwas Magisches“ habe und eine geradezu „antike Verbindung zum Kosmos“ erlaube.

Dazu kommt die Seltenheit. „Manhattanhenge“ passiert nicht nur viermal im Jahr, was wenig genug ist, sondern ist oft auch gar nicht zu sehen, wenn es stark bewölkt ist etwa, oder regnet. Gleich das mit Spannung erwartete erste „Manhattanhenge“ dieses Jahres Ende Mai versteckte sich dann auch hinter dicken Wolken und enttäuschte Tausende Fans.

„Ich habe gerade einen weinenden Menschen gesehen“, schrieb die in New York lebende Schauspielerin Sarah Jessica Parker („Sex and the City“) beim Kurzmitteilungsdienst Twitter. „Ich konnte sehen, dass "Manhattenhenge" auch sein Herz gebrochen hat. Wir haben einen wissenden Blick ausgetauscht.“ Aber die Schauspielerin gibt nicht auf: An diesem Wochenende will sie wieder dabeisein.

dpa


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