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Einsichten ins historische Hannover

Buchvorstellung Einsichten ins historische Hannover

So dürften die wenigsten Hannoveraner ihre Stadt schon einmal gesehen haben: Ein neues Buch zeigt historische Landkarten und Stadtansichten von Hannover.

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„Hannover war lange zu unwichtig, um abgebildet zu werden“: Historikerin Alheidis von Rohr bei der Buchvorstellung im Historischen Museum.

Quelle: Michael Thomas

Hannover. Der Wahrheit die Ehre: Hannover war ziemlich spät dran. Erst im Jahr 1636 schuf der Holzschneider Elias Holwein eine halbwegs detaillierte Ansicht der Stadt. In seiner Darstellung sind Markt-, Kreuz- und Aegidienkirche, vom Lindener Berg aus betrachtet, gut zu erkennen. Von Städten wie Lüneburg oder Bremen gibt es weitaus ältere Abbildungen: „Hannover war jedoch vor 1636 keine Residenzstadt und schlicht zu unwichtig, um abgebildet zu werden“, sagt Alheidis von Rohr.

Die Historikerin gehört zu einem Team von mehr als 70 Autoren, die an dem reich illustrierten Prachtband „Historische Stadtansichten aus Niedersachsen und Bremen 1450-1850“ (Wallstein Verlag, 364 Seiten, 29,90 Euro) mitgearbeitet haben. Das Buch zeigt, ergänzt um Essays namhafter Geschichtswissenschaftler, 235 historische Stadtansichten, Pläne und Landkarten. Es geht freilich nicht nur um Hannover, sondern um Städte von Alfeld bis Zeven. „Einen Band, der diese wichtigen visuellen Quellen niedersachsenweit erschließt, hat es bislang nicht gegeben“, sagt die Stader Historikerin Beate-Christine Fiedler, die das Buch jetzt im Historischen Museum präsentierte.

Der einstige Museumsdirektor Helmut Plath hatte schon 1972 dafür geworben, Tausende von niedersächsischen Stadtansichten zusammenzutragen. Damals scheiterte das Projekt, erst 2005 wurde es wiederbelebt. Die Historische Kommission für Niedersachsen und Bremen will in den kommenden Wochen eine Onlinedatenbank mit rund 3500 Stadtansichten freischalten - darunter Bilder wie Holweins Holzschnitt von 1636.

Anfangs gönnten sich Grafiker und Zeichner bei der Darstellung von Städten große künstlerische Freiheiten: Die Grenzen zwischen pittoresker Fantasielandschaft und exakter Landkarte waren oft fließend. Und gelegentlich stand eine große Portion Lokalpatriotismus Pate an der Wiege der Darstellungen: Ein Kupferstich von Celle aus dem Jahr 1722 zeigt Türme, die buchstäblich überhöht oder gar frei erfunden sind. Die Stadt ist zwischen idyllische Hügel gebettet, die es dort gar nicht gibt. Der Stich war für einen Reiseführer gedacht - und er muss wohl als ein Stück Stadtmarketing verstanden werden.

Andere Pläne mussten sehr detailliert ausfallen: Das Historische Museum zeigt derzeit eine kleine Ausstellung von Dokumenten, die teils aus dem Landesarchiv stammen. Unter anderem sind Pläne zu sehen, die Pattensen vor und nach dem verheerenden Brand zeigen, der 1733 große Teile der Stadt zerstörte: „Beim Wiederaufbau wurde das Stadtbild völlig verändert“, sagt Fiedler. Die Straßen wurden verbreitert, statt enger Giebelhäuser baute man breitere Traufhäuser und ließ zum Brandschutz Lücken zwischen den Gebäuden. Da sage noch jemand, dass man aus der Geschichte nichts lernen könne.

Die kleine Ausstellung ist im Historischen Museum bis zum 4. Januar zu sehen.

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