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Prozesse

Weißer Ring: "Getränke nie aus den Augen lassen"

K.o.-Tropfen können gefährlicher sein, als man denkt. In Darmstadt wartet ein Mann auf ein Urteil - in einem Prozess wegen versuchten Mordes. Experten raten Frauen: Getränke am besten selber holen.
Utensilien, die Teil einer Kampagne gegen K.O.-Tropfen sind.

Utensilien, die Teil einer Kampagne gegen K.O.-Tropfen sind.

© Achim Scheidemann/Archiv

Darmstadt. K.o.-Tropfen, sexuelle Übergriffe, bewusstlose Frauen: In Darmstadt soll heute vor dem Landgericht das Urteil gegen einen wegen versuchten Mordes angeklagten Mann gesprochen werden. Er soll Frauen in Bensheim ebensolche Tropfen verabreicht und sie dann geküsst, eine auch halb ausgezogen haben. Beide Frauen waren bewusstlos geworden.

Der Vorsitzende der Hilfsorganisation Weißer Ring in Hessen, Horst Cerny, rät Frauen, bei Feiern, in Kneipen und Diskotheken ein Getränk nie aus den Augen zu lassen. Am besten sei es, selber an die Theke gehen, damit niemand etwas ins Glas kippen könne. "Die Dunkelziffer solcher Fälle ist sicherlich ziemlich hoch", sagte der 68-Jährige. Opfer würden sich schämen.

Laut der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes in Stuttgart gab es vor einigen Jahren einen sprunghaften Anstieg solcher Fälle. Es seien auch schon Opfer zu Tode gekommen. "Offene Getränke von Unbekannten sollte man ablehnen", betonte Kriminaloberrat Harald Schmidt. Auch Männer könnten Opfer werden. "Sie werden in der Regel ausgeraubt oder gewalttätig angegangen."

Der in Darmstadt angeklagte 46-Jährige hat zugegeben, im Mai 2015 den zwei Frauen die geschmacklose Droge Liquid Ecstasy ins Glas gekippt zu haben. Die Anklage spricht von Heimtücke. Der Mann habe die hilflosen Frauen zudem allein zurück gelassen, ein Tod der Opfer sei ihm egal gewesen. Sie fordert neun Jahre Haft. Die Verteidigung sieht keine Heimtücke und bittet um eine milde Strafe.

Laut Cerny vom Weißen Ring ist der Täter meist ein Unbekannter. "Er macht dem Opfer Komplimente, das Feld wird vorbereitet." Der klassische Fall sei: "Der Mann sagt "Ich gebe einen aus" und holt die Getränke von der Theke. Das Opfer soll warten." Das biete Gelegenheit, zu K.o.-Tropfen zu greifen.

Wenn einer Frau plötzlich übel werde, solle sie auf keinen Fall ein Lokal alleine verlassen. "Denn dort wartet der Täter", sagte Cerny. Opfer sollten sich an einen guten Freund wenden oder an das Personal. Außerdem müsse sofort ein Rettungswagen alarmiert werden, noch vor der Polizei. "Man weiß nie, wie viele Tropfen der Täter benutzt hat."

dpa


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