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Unfälle

Vorsicht, Wildunfälle! - "Es gibt kein Patentrezept dagegen"

Die Sommerzeit ist vorbei, die Uhren sind zurückgestellt. Der Landesjagdverband und der ADAC warnen deshalb vor Wildunfällen. Die Zeitumstellung hat aber auch noch andere Auswirkungen, etwa für Milchkühe.
Ein Überblick über die genaue Zahl der Wildunfälle ist schwierig.

Ein Überblick über die genaue Zahl der Wildunfälle ist schwierig.

© Arno Burgi/Archiv

Darmstadt. Plötzlich steht ein Reh auf der Straße. "Bremsen, Lenkrad festhalten und drauffahren" - eine bessere Idee hat Rolf-Walter Becker vom Landesjagdverband Hessen in Bad Nauheim auch nicht. Die aktivste Zeit des Wildes in der Dämmerung fällt nach der Zeitumstellung in die Hauptverkehrszeit. "Nicht ausweichen. Das endet meist mit Schleudern", sagt der 58-Jährige.

Jetzt, da die Sommerzeit vorbei und die Uhr um eine Stunde zurückgedreht sei, müsse eine Zeit lang mit mehr Wildunfällen gerechnet werden. Diese gehen im allgemeinen für den Menschen glimpflich aus. "Aber zwölf Prozent aller Verkehrsunfälle in Hessen sind Wildunfälle", sagt Becker.

Die Gefahr sieht auch der ADAC, vor allem im Feierabendverkehr. "Das Wild ist wie gewohnt in der Dämmerung unterwegs", sagte Sprecher Jochen Oesterle. "Mit der Zeitumstellung fahren aber mehr Menschen in der Dämmerung, besonders die, die frühen Feierabend machen." Auch der Automobil-Club rät, lieber mit dem Tier zusammenzustoßen statt womöglich in den Gegenverkehr zu geraten oder gegen einen Baum zu krachen.

Ein Überblick über die genaue Zahl der Wildunfälle ist schwierig. Zusammenstöße vor allem mit kleineren Tieren wie Hasen oder Mardern fallen Autofahrern oft nicht auf und wenn, werden sie meist nicht der Polizei gemeldet. "Die Unfälle mit den drei großen Tierarten Rehe, Wildschweine und Hirsche bleiben schon über Jahre gleich, so um die 16 000", sagt Becker.

Schon lange sei versucht worden, der Gefahr zu Leibe zu rücken. Früher hätten schwarz-weiße Reflektoren das Wild von der Straße abhalten sollen, dann rote, schließlich blaue. Die Farbe Rot sei ein Schlag ins Wasser gewesen. "Das Wild sieht kein Rot", begründet der Sprecher des Landesjagdverbandes, Klaus Röther. "Blau ist die Warnfarbe schlechthin."

Nun werde eine Kombination aus einem vom Autolicht ausgelösten hohen Ton und der Farbe blau an verschiedenen Stellen in Deutschland ausprobiert, sagt Becker. Auch wenn es eine Besserung geben sollte, lange anhalten dürfte die nach seiner Einschätzung aber nicht. "Die Erfahrungen waren immer eine gewisse Zeit gute, dann geht die Kurve aber wieder nach oben", sagt er. "Auch bei der Farbe blau."

Die Zeitumstellung auf eine Stunde länger schlafen spüren nicht nur Menschen, sondern auf eine andere Art auch die Kühe. "Die warten darauf, dass sie gemolken werden", sagte der Sprecher des hessischen Bauernverbandes, Bernd Weber. "Dramatisch ist das aber nicht." Die Bauern würden unterschiedlich damit umgehen. "Einige stellen ihre Melk-Zeit gleich um, andere Schritt für Schritt."

Auch beim Landeselternbeirat von Hessen ist die Zeitumstellung Thema. "Dies wird kontrovers diskutiert", sagt der Vorsitzende Reiner Pilz. Diesmal sind bei der Umstellung Herbstferien. "Ich denke auch: Die Stunde wegnehmen ist das dramatischere, nicht die Stunde länger schlafen."

dpa


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