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Prozesse

Tötung von dementer Mutter: Mann zu Haftstrafe verurteilt

Ein Sohn pflegte seine an Alzheimer erkrankte Mutter fast alleine. Er war überfordert, gestand sich dies jedoch nicht ein. Im vergangenen November erstickte er sie mit ihrer Bettdecke.
Ein Richterhammer aus Holz.

Ein Richterhammer aus Holz.

© Friso Gentsch/Archiv

Schmitten/Frankfurt. Weil er seine demente Mutter getötet hat, ist ein Mann am Donnerstag vom Frankfurter Landgericht zu einer Haftstrafe von siebeneinhalb Jahren verurteilt worden. Das Gericht wertete die Tat in Schmitten (Hochtaunuskreis) als Totschlag. Der 65-Jährige sei dabei alkoholbedingt vermindert schuldfähig gewesen, sagte die Vorsitzende Richterin.

Der Staatsanwalt hatte wegen heimtückischen Mordes im Zustand verminderter Schuldfähigkeit auf eine Haftstrafe von neun Jahren plädiert. Das Gericht hatte jedoch Zweifel an der Heimtücke. Dafür hätte der Angeklagte erkennen müssen, dass die Frau arg- und wehrlos gewesen sei, lautete die Begründung. Und dies könne angesichts seines Zustandes nicht sicher nachgewiesen werden. Der Verteidiger des Mannes hatte eine Strafe von maximal fünf Jahren​ wegen Totschlags oder fahrlässiger Tötung gefordert. 

Der Mann hatte seine an Alzheimer im fortgeschrittenen Stadium erkrankte Mutter im vergangenen November mit ihrer Bettdecke erstickt. Zuvor hatte er die 86-Jährige mehrere Monate lang fast alleine gepflegt. "Am schwierigsten zu klären war das Motiv", sagte die Richterin. Sie gehe von einer spontanen Tat aus, vermutlich verursacht durch nicht eingestandene Überlastung sowie Verzweiflung, irrationale Wut und alkoholbedingte Enthemmung.

Der sehr zurückhaltend wirkende Mann hatte schon lange ein Alkoholproblem. In den Wochen vor der Tat lebte er auf Anraten seines Arztes jedoch abstinent. Am 13. November gab er bei der Kontrolluntersuchung Blut ab, ging noch am selben Abend in die Kneipe und betrank sich. Am nächsten Morgen leerte er weitere Flaschen Bier.

Wenige Stunden später erstickte er seine Mutter, die er kurz zuvor auf dem Boden liegend gefunden und ins Bett getragen haben will, mit ihrer Bettdecke. Die 86-Jährige hatte dabei ihre Hände unter der Decke, so dass sie sich kaum wehren konnte. Laut Rechtsmedizin war die Tat "mit massiver Gewalteinwirkung" begangen worden und hatte mehrere Minuten lang gedauert. Bei der Polizei hatte der nicht vorbestrafte Mann zunächst ein Geständnis abgelegt, dieses hatte er aber zum Prozessauftakt widerrufen.

dpa


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