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Justiz

Studie: Jugendknast wirkt positiv: Prävention unerlässlich

Rund 70 Prozent der Straftäter aus den Jugendgefängnissen in Hessen werden rückfällig - wieder in Haft müssen aber nur knapp 30 Prozent. Die Rückfälligen begehen einer Studie zufolge zudem viel weniger und vor allem weniger schwere Straftaten.
Rund 70 Prozent der Straftäter im hessischen Jugendvollzug werden rückfällig.

Rund 70 Prozent der Straftäter im hessischen Jugendvollzug werden rückfällig.

© J. Woitas/Archiv

Frankfurt/Wiesbaden. "Das ist aus Opfersicht ein erheblicher Unterschied und ein Erfolg, obwohl die Zahlen hoch sind", sagte Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) am Dienstag in Frankfurt bei der Vorstellung der Untersuchung.

"Viele glauben, der Vollzug macht alles schlechter und ist die Schule des Verbrechens. Das ist widerlegt", sagte einer der Autoren der Studie, der Tübinger Kriminologe Hans-Jürgen Kerner. "Die jugendlichen Gefangenen haben sich während der Haft überwiegend positiv entwickelt", ergänzte Psychologe Jost Stellmacher von der Universität Marburg.

Die Tübinger Wissenschaftler haben unter dem Aspekt der Rückfälligkeit drei Jahre lang die 250 männlichen Jugendlichen und Heranwachsenden betrachtet, die 2009 aus dem Jugendvollzug entlassen wurden. Die Marburger Forscher befragten zudem 205 junge Männer am Anfang und Ende ihrer Haftzeit danach, wie hilfreich sie die Angebote im Gefängnis empfanden. Die Fachleute im Knast wurden auch um Einschätzungen gebeten. Auftraggeber der Studie ist das Justizministerium. Die im Jugendstrafvollzugsgesetz vorgesehene wissenschaftliche Untersuchung sei in Hessen deutschlandweit einzigartig, sagte Kühne-Hörmann.

Der Selbstwert der jungen Inhaftierten, ihre kritische Haltung zu den eigenen Taten und die Motivation zum Ausstieg seien während der Haft gestiegen, berichtete Stellmacher. Die meisten hätten verstanden, dass ihre Gewaltbereitschaft ein Problem darstelle und sie den Kontakt zu ihrem früheren Freundeskreis abbrechen müssten. Die Leistungsmotivation, die Bereitschaft zur Wiedereingliederung, die Einstellung zu Drogenkonsum und Schuldenproblemen - all dies habe sich im Durchschnitt verbessert. "Sie träumen von denselben Idealen wie andere Jugendliche: Familie, Kinder, Beruf und Haus", ergänzte Kerner.

Die Akzeptanz der Angebote im Gefängnis sei gut, sagte Stellmacher. Bei der Bewertung von 14 unterschiedlichen Maßnahmen mit Schulnoten vergaben die Gefangenen fast ausschließlich die Schulnoten Eins und Zwei. Am besten kamen die persönliche Betreuung von Ehrenamtlichen und die Computerkurse weg, am schlechtesten Suchttherapie und Schuldenberatung. Solche konfrontativen Angebote schnitten zwar schlechter ab, seien dennoch extrem sinnvoll, sagte Präventions-Fachmann Helmut Fünfsinn aus dem Justizministerium. Besonders positive Wirkungen hatte nach den Worten Stellmachers die Gewaltprävention. Ein Risikofaktor, rückfällig zu werden, sei dagegen das Gefühl, in der Gesellschaft stigmatisiert zu werden.

"Wir haben ein schwierigeres Klientel im Vollzug, als vor 15 Jahren", sagte Kühne-Hörmann. Denn ein großer Teil der Jugendlichen müsse dank vielfältiger Präventionsangebote gar nicht erst ins Gefängnis, sondern bekomme vorher die Kurve. "Kriminalprävention wirkt und rechnet sich", ergänzte Fünfsinn. Die Jugendkriminalität gehe insgesamt zurück, stärker als dies mit dem demografischen Wandel zu erklären sei.

Die Landesregierung werde bei den Angeboten im Jugendvollzug weiter ein besonders Augenmerk auf Schule, Ausbildung und Anti-Gewalt-Training legen. Die verschiedenen Maßnahmen für die Gefangenen müssten aber noch individueller zugeschnitten werden, dies gelte auch für religiös extremistisch motivierte Täter.

dpa


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