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Kriminalität

Retter werden immer öfter attackiert: "Desillusionierend"

Bei den Blockupy-Krawallen in Frankfurt gab es eine bis dahin nicht gekannte Gewalt auch gegen Rettungskräfte. Die Attacken gegen Helfer nehmen aber schon seit Jahren zu. Die müssen sich nun darüber Gedanken machen, wie sie sich schützen können.
Im vergangenen Jahr wurden 58 Angriffe auf die Helfer angezeigt.

Im vergangenen Jahr wurden 58 Angriffe auf die Helfer angezeigt.

© Boris Roessler/Archiv

Wiesbaden. Schläge, Tritte und wüste Beleidigungen - immer öfter werden Rettungssanitäter und Feuerwehrleute in Hessen attackiert. Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben des Innenministeriums 58 Angriffe auf die Helfer angezeigt, neun mehr als im Jahr zuvor. Damit setzt sich ein jahrelanger Trend fort: 2010 wurden nur sechs Attacken gegen die Rettungskräfte gezählt.

"Das sind oft Menschen, die berauscht oder betrunken sind und deswegen Rettungssanitäter angreifen, weil sie einfach nicht mehr zurechnungsfähig sind", erklärte der Sprecher des Polizeipräsidiums Westhessen, Andreas Hemmes. Die hessische Landesfeuerwehrschule bietet deswegen auch seit einigen Jahren Seminare zum Thema Deeskalationstraining an.

Bei den Angriffen gegen die Helfer handelte es sich im Jahr 2015 in 31 Fällen um Körperverletzung. In weiteren zwölf Fällen ging es laut Innenministerium um schwere Körperverletzung und sechsmal um Bedrohungen.

Der hessische Landesfeuerwehrverband (LFV) hat nach eigenen Angaben bislang insgesamt wenige Angriffe verzeichnet. Allerdings würden Freiwillige Feuerwehren beizeiten am Einsatz gehindert, "nicht nur durch körperliche, auch durch verbale Übergriffe", sagte Sprecher Holger Schönfeld. Diese hätten ihren Grund oft in Sprachschwierigkeiten.

Vor allem für Migranten sei oft zunächst nicht klar, was passiere, wenn die Feuerwehr anrücke. In anderen Ländern hätten die Menschen die Feuerwehr anders erfahren, als Teil des staatlichen Machtmonopols. "Bei uns ist es eine Einrichtung der zivilen Bürgergesellschaft", betonte Schönfeld. Es gebe nun unter anderem mehrsprachige Flyer, die verteilt werden könnten.

Die Retter der Johanniter-Unfall-Hilfe erleben vor allem verbale Angriffe, von Patienten und insbesondere Angehörigen. "Der Respekt gegenüber dem Einsatzpersonal hat deutlich abgenommen", sagte der Regionalvorstand für Mittelhessen, Marco Schulte-Lünzum. "Die Situationen eskalieren zunehmend schneller." Dann komme es zu Beleidigungen und Bedrohungen, gerade an Wochenenden und nachts, wenn der Alkoholspiegel in den Städten steige. Körperliche Gewalt sei aber die Ausnahme.

Die Erlebnisse gehen Schulte-Lünzum zufolge nicht spurlos an den Mitarbeitern vorüber. "Sie wollen ja helfen und werden dann schon ein bisschen desillusioniert." Die Johanniter reagieren unter anderem mit Deeskalationskursen, wo die Helfer entsprechende Strategien lernen können - auch, wann es besser ist, den geordneten Rückzug anzutreten.

Die hessische Landesregierung hat bereits auf die zunehmende Aggression reagiert und eine Bundesratsinitiative gestartet, die einen neuen Paragrafen in das Strafgesetzbuch aufnehmen soll. Mit Hilfe des sogenannten "Schutzparagrafen 112" wollte Innenminister Peter Beuth (CDU) erreichen, dass tätliche Angriffe auf Polizisten sowie Helfer von Feuerwehr, Katastrophenschutz und Rettungsdiensten mit sechs Monaten bis fünf Jahren Haft geahndet werden können.

In besonders schweren Fällen sollte nach den Plänen des Innenministers auch eine Gefängnisstrafe von bis zu zehn Jahren verhängt werden können. Obwohl Hessen mit seinem Vorstoß in der Länderkammer scheiterte, setzt Beuth weiter auf eine Einführung des Schutzparagrafen.

dpa


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