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Prozesse

Prozess um tödlichen Racheakt: Mann wird Doppelmord vorgeworfen

Knapp elf Monate nach einem Doppelmord am Frankfurter Gerichtsgebäude hat der Prozess gegen einen 48 Jahre alten Angeklagten begonnen. Der Mann soll in einer Art Racheakt zwei Männer, die wegen der Tötung seines Bruders vor Gericht standen, mit Schüssen und Messerstichen umgebracht haben.
Der Angeklagte im Gerichtssaal.

Der Angeklagte im Gerichtssaal.

© Arne Dedert/Archiv

Frankfurt/Main. "Der Angeklagte wollte mit der Tat seine Vorstellung von Recht und Gerechtigkeit auf dem Weg der Selbstjustiz durchsetzen", sagte der Staatsanwalt am Dienstag vor dem Landgericht Frankfurt. Der mutmaßliche Täter und die Opfer sind Afghanen und waren als Autohändler tätig.

Der Angeklagte soll den beiden Männern am Morgen des 24. Januar vor dem Gerichtsgebäude aufgelauert haben. Er war mit einer Pistole und einem Jagdmesser bewaffnet. Laut Anklage schoss er zuerst aus wenigen Metern Entfernung mehrfach auf den 45-Jährigen und stach dann auf den am Boden Liegenden ein. Der Mann starb noch vor dem Gerichtsgebäude. Seine Leiche wies 15 Schuss- und 11 Stichverletzungen auf.

Ein 50-Jähriger flüchtete ins Gebäude, dabei schoss der Täter mehrfach auf ihn und verletzte ihn mit 17 Stichen in den Oberkörper und drei Schüssen so schwer, dass er später starb. Der Angreifer wurde nach kurzer Flucht in der Frankfurter Innenstadt überwältigt und sitzt seither in Untersuchungshaft.

Hintergrund der Bluttat war der Freispruch der beiden Männer in einem ersten Prozess um den gewaltsamen Tod des Bruders des Angeklagten im Jahr 2008. Das Landgericht hatte Notwehr nicht ausgeschlossen und die Männer frei gesprochen. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil 2009 jedoch auf und verwies es zurück an das Landgericht. Im Januar standen die beiden Männer deshalb erneut vor Gericht. Der spätere Angreifer hatte bei dieser Neuauflage bereits als Zeuge ausgesagt.

Zum Auftakt des Doppelmordprozesses stellte der Verteidiger des 48-Jährigen einen Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter. Er habe an dem "rechtsfehlerhaften" Freispruch 2008 ebenfalls als Gerichtsvorsitzender mitgewirkt und sei deshalb nicht unvoreingenommen. Über den Antrag soll in den nächsten Tagen entschieden werden. Der Prozess wird am Donnerstag (11.12.) fortgesetzt.

dpa


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