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Prozesse

Mord an Polizisten: Angeklagter kündigt Erklärung an

Was zunächst nach einem Routineeinsatz am Bahnhof Herborn aussieht, endet an Heiligabend für einen 46-jährigen Beamten tödlich. Ein Schwarzfahrer sticht plötzlich mit einem Springmesser auf ihn und seinen Kollegen ein. Vor dem Landgericht Limburg beginnt nun der Mordprozess.
Bahnhof Herborn nach Messerattacke auf Polizisten.

Bahnhof Herborn nach Messerattacke auf Polizisten.

© Frank Rumpenhorst/Archiv

Limburg. Der mutmaßliche Polizistenmörder von Herborn hat zum Prozessbeginn vor dem Landgericht Limburg eine Erklärung zur Tat angekündigt. Sein Anwalt sagte am Mittwoch, er werde am Folgetag ein Statement seines Mandanten verlesen. Der 27-Jährige soll bei einem Messerangriff an Heiligabend 2015 am Bahnhof des mittelhessischen Herborn einen 46-jährigen Polizisten erstochen und dessen ein Jahr älteren Kollegen lebensgefährlich verletzt haben.

Der 27-Jährige muss sich unter anderem wegen Mordes verantworten. Ein Zugbegleiter hatte laut Anklage am Morgen des 24. Dezember die Polizei alarmiert, weil sich der betrunkene Mann in einem Regionalexpress nicht kontrollieren lassen wollte. Als die Beamten den Waggon betraten, habe der Angeklagte sie plötzlich attackiert, sagte der Staatsanwalt.

Allein in den ersten Sekunden habe er seinem 46-jährigen Opfer mit einer knapp neun Zentimeter langen Klinge fünf Mal in Hals und Nacken gestochen. Der Schwerverletzte schleppte sich aus dem Zug und "setzte mit letzter Kraft seine Dienstwaffe ein", sagte der Staatsanwalt. Er traf den Angreifer an Hüfte und Oberschenkel, der daraufhin von dem älteren Polizisten abgelassen habe. Kurz darauf sei der 46-jährige Beamte noch am Bahnsteig an einem Stich ins Herz gestorben.

Als der schwer verletzte ältere Polizist dem Angreifer zurief, sein Kollege sei Vater von vier Kindern, habe ihm der 27-Jährige geantwortet: "Selber schuld, Ihr Arschlöcher."

Der Angeklagte gab sich am Mittwoch vor Gericht nach außen hin ungerührt. Im schwarzen Polo-Shirt, darüber ein Sakko, betritt er humpelnd den Saal und versucht trotz der vielen Kameras nicht, sein Gesicht zu bedecken. An einer Hand ist die Tätowierung der Buchstaben ACAB zu erkennen - diese Parole steht für den Spruch "All Cops are Bastards" (Alle Polizisten sind Bastarde).

Der Prozess soll am Donnerstag (9. Juni) fortgesetzt werden. Nach der Erklärung des Anwalts sollen mehrere Zeugen gehört werden, darunter der überlebende Polizist und der Zugbegleiter, der den Hilferuf abgesetzt hatte.

Der Fall hatte über die Grenzen von Hessen hinweg für Aufsehen gesorgt und die Debatte über Gewalt an Polizisten neu entfacht. Anfang Januar nahmen mehr als 1000 Menschen in Herborn Abschied von dem erstochenen Polizisten.

In Zusammenhang mit der Bluttat wurde bereits ein Urteil gesprochen, allerdings in anderer Sache. Ein 33-Jähriger hatte im Internet den Toten mit hämischen Kommentaren verhöhnt. Das Amtsgericht in Dillenburg im Lahn-Dill-Kreis verurteilte den Mann im März zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten und 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit.

dpa


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