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Gesellschaft

Männliche Mutter? Standesbeamte tagen zum Thema Transsexualität

Nehmen wir einen Mann, der früher eine Frau war und die ein Kind zur Welt brachte: Ist er jetzt Vater, Mutter oder irgendwie beides? Mit derartigen Fragen beschäftigen sich die Europäischen Standesbeamten auf ihrer Tagung in der kommenden Woche in Kassel.

Kassel. Die Transsexualität, ein Schwerpunkt des Kongresses, stellt die Standesämter vor Probleme. Bei der Behörde muss das Geschlecht eindeutig eingetragen werden. Doch das kann schwierig sein. Eigentlich ist eine Gebärende immer die Mutter, andererseits ist das eingetragene Geschlecht aber "männlich". Das würde bedeuten, der Vater hat das Kind zur Welt gebracht.

Weitere Themen sind Flüchtlinge und Scheidungen. Steigende Flüchtlings- und Migrantenzahlen führten zu einer zunehmenden Belastung, sagte der Präsident des Bundesverbandes der Standesbeamten (BDS), Jürgen Rast. "Die Menschen wollen registriert werden." Eine Eintragung in Register sei aber oft kompliziert, wenn Menschen ohne Papiere einreisten. Er vernehme vor allem in Großstädten einen "absolut vermehrten Aufwand", der die Standesbeamten an die Belastungsgrenze führe. Die Beamten müssen unter anderem Geburten, Eheschließungen, Lebenspartnerschaften und Todesfälle beurkunden - zivile, religiöse und andere Rechte fremder Staaten sind dabei zu beachten.

Zudem kann sich Rast vorstellen, dass Ehen künftig wie bereits in vielen anderen europäischen Staaten im Standesamt geschieden werden können. "Der Bundesverband steht der Sache positiv gegenüber", sagte Rast. Dies könne Gerichte entlasten und Scheidungen günstiger machen. Allerdings: "Das kann nur bei einvernehmlichen Scheidungen gehen." Themen wie Unterhalt oder Erbangelegenheiten müssten vorab beim Rechtsanwalt geklärt sein. Nach Schätzungen des BDS könnten die Standesbeamten damit rund 50 000 Ehen pro Jahr offiziell beenden.

Zum 15. Internationalen Kongress des Verbands der Europäischen Standesbeamten (EVS) werden am 11. und 12. Mai rund 150 Teilnehmer in Kassel erwartet. Der BDS vertritt rund 30 000 Standesbeamte.

dpa


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