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Medizin

Kinderschutzambulanz kämpft gegen Misshandlung

Rund 8300 Verfahren wegen Kindeswohlgefährdung gab es 2014 in Hessen. Viele Kinderärzte erkennen Misshandlungen aber zu spät. Denn die Kinderschutzmedizin steht noch am Anfang. Die Uniklinik in Frankfurt sammelt seit fünf Jahren Erfahrungen.
Die Kinderschutzambulanz verzeichnet vier Misshandlungen pro Woche.

Die Kinderschutzambulanz verzeichnet vier Misshandlungen pro Woche.

© Patrick Pleul/Archiv

Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Vergewaltigung, Schläge und Unterernährung: Die Kinderschutzambulanz der Frankfurter Uniklinik hat in den gut fünf Jahren seit ihrer Gründung mehr als 950 Kinder behandelt, deren körperliches und psychisches Wohl in Gefahr war. Das sind im Durchschnitt vier Jungen und Mädchen pro Woche, wie Projektkoordinator Marco Baz Bartels am Mittwoch in Frankfurt berichtete. "Wir haben nicht geahnt, dass es so viele werden." Das Einzugsgebiet erstreckt sich von Frankfurt über Offenbach und Gelnhausen sowie den Taunus bis nach Südhessen, in Einzelfällen auch bis Berlin.

"Die Kinderschutzmedizin steckt noch in den Kinderschuhen", sagte Oberarzt Baz Bartels. Der Leiter der Schutzambulanz, Matthias Kieslich, ergänzte: Es werde sicherlich noch zehn Jahre dauern, bis das Querschnittsfach so verbreitet sei wie etwa die Palliativmedizin.

Allein rund 20 000 Fälle von sexuell und körperlich misshandelten Kindern seien 2015 in Deutschland bekannt geworden, sagte der Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Thomas Klingebiel. 153 von ihnen seien an den Folgen gestorben. "Diese Zahlen des Bundeskriminalamts sind aber nur die kleine Spitze vom Eisberg", ergänzte Kieslich. Die Jugendämter in der Bundesrepublik überprüfen immer häufiger, ob das Wohl eines Kindes gefährdet ist. Rund 124 000 solcher Verfahren wurden dem Statistischen Bundesamt zufolge 2014 abgeschlossen - 7,4 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Kinderschutzambulanz will Missbrauch und Misshandlung vorbeugen, identifizieren und jeden Fall gerichtsfest dokumentieren. Dafür ist ein fachspezifisch geschultes Team rund um die Uhr erreichbar. Fünf Experten gehören zu dem Team, sie werden von Medizinern anderer Fachrichtungen unterstützt.

Zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen hätten eine hohe bis mittlere Gefährdungsstufe, sagte Baz Bartels. Bei etwa jedem fünften Kind könne dagegen eine Gefährdung ausgeschlossen werden.

Die meisten (473) der begutachteten Kinder wurden ambulant versorgt. 225 wurden stationär behandelt, entweder wegen ihrer schweren Verletzungen, oder weil sich während ihres Klinikaufenthalts Anzeichen auf Kindeswohlgefährdung ergaben. In 252 Fällen wurden die Spezialisten der Ambulanz zurate gezogen - etwa von Jugendämtern oder niedergelassenen Medizinern.

Wie gehen die Mediziner vor? "Befunde sammeln", beschreibt Kieslich den ersten Schritt. Anschließend prüft eine Expertenrunde die Ergebnisse und gibt eine Einschätzung zur Gefährdung des Kindeswohls ab. Um Fehlermöglichkeiten zu minimieren, werden dazu auch Informationen aus dem sozialen Umfeld etwa vom Jugendamt eingeholt. Diese Vernetzung ist auch für die künftige Hilfe der Kinder wichtig.

Die Kinder und Jugendlichen - vom Baby bis zur fast 18-Jährigen - kommen den Medizinern zufolge aus allen sozialen Schichten. Sexueller Missbrauch ist der häufigste Grund. Daher seien es auch etwas mehr Mädchen als Jungen. "Ein Viertel waren allerdings Jungen, deutlich mehr als gedacht", sagte Baz Bartels. Diese Jungen seien häufig zwischen 5 und 6 Jahre alt, wenn sie vergewaltigt oder sexuell missbraucht würden, Mädchen meist zwischen 10 und 13 Jahren.

Bei Babys und Kleinkindern unter zwei Jahren sei das Schütteltrauma besonders häufig. Dazu kommen Brüche, Blutergüsse, Unterernährung, Verbrennungen und Verbrühungen. In mehr als 80 Prozent der Fälle ist das Jugendamt mit im Boot. Die Eltern, normalerweise bester Partner in der Behandlung, müssten misstrauisch geprüft werden.

Die Kinderhilfestiftung hat das Projekt mit rund 200 000 Euro vor fünf Jahren angeschoben. Weitere 100 000 Euro sollen die Schutzambulanz jetzt erstmal am Leben erhalten.

dpa


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