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Gesellschaft

"Kinderbarometer": Lieber Freunde und Fußball als Zocken

Hessens Kinder sind eigentlich ganz zufrieden mit ihrem Leben. Ihre Eltern finden sie heute aufmerksamer als in früheren Befragungen. Aber das kann auch nerven. Und eine Antwort überraschte sogar den Sozialminister.
Kinder blicken in die Kamera.

Kinder blicken in die Kamera.

© Arne Dedert

Frankfurt/Main. Der Computer ist nicht die Lieblingsbeschäftigung hessischer Kinder - Freunde treffen und Fußballspielen ist den meisten wichtiger. Das geht aus dem "LBS-Kinderbarometer" für Hessen hervor, das am Dienstag in Frankfurt vorgestellt wurde. Die Studie wurde in dieser Form zum fünften Mal durchgeführt. Befragt wurden 648 hessische Kinder zwischen 9 und 14 Jahren. Sie gaben Auskunft zu rund 100 Aspekten ihres Lebens.

"Zocken" lag bei den beliebtesten Hobbys nur auf Platz drei, wenn man die Antworten von Mädchen und Jungs zusammenzählt. Allerdings gab es große Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Lesen etwa steht bei Mädchen auf Platz drei, bei Jungs erst auf Platz zehn. 

Das allgemeine Wohlbefinden lag beim Wert 5,3 ("eher gut") auf einer sieben-stufigen "Barometer"-Skala. Am wohlsten fühlen sich Kinder bei Freunden (6,4), zu Hause (6,2) und in der Familie (5,9). Am wenigsten wohl fühlen sie sich in der Schule (5,2). Verglichen mit den Vorjahren blieb das Gesamt-Wohlbefinden aber stabil, wie Judith Razakowski vom PROSOZ Institut für Sozialforschung sagte. 

Was sich laut Razakowski geändert hat: "Kinder nehmen ihre Eltern heute als deutlich achtsamer wahr." Das allerdings empfänden sie nicht immer als Gewinn: "Sie fühlen sich auch deutlich häufiger genervt von der Aufmerksamkeit und den Nachfragen der Eltern." Besonders wichtig scheinen den Eltern die Themen Schule und Essen.

Ganztagsschulen könnten das Wohlbefinden der Kinder weiter verbessern, sagte Verone Schöninger, Vorsitzende des Kinderschutzbundes Hessen. Die Antworten der Kinder zeigten, dass die meisten gern zur Schule gingen, dort aber unter Leistungsdruck litten und sich mehr Bewegung wünschten. Ganztagsschulen könnten für einen besseren Ausgleich zwischen Lernen und Bewegen sorgen.

Die Zukunft in Deutschland schätzen die Kinder nur "mittelmäßig" bis "gut" ein - ihre persönliche sehen sie deutlich optimistischer. Ein Viertel geht davon aus, dass das Leben als Erwachsener "sehr gut" sein wird, zwei Drittel erwarten, dass ihr Leben "gut" wird. Zwei Drittel wollen später selbst Kinder. Mädchen sind alternativen Familienmodellen gegenüber deutlich aufgeschlossener als Jungs. 

Hessens Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) findet das LBS-Kinderbarometer neben der Shell-Jugendstudie wichtig, "weil hier die Kinder selbst zu Wort kommen". In Wiesbaden würden die Ergebnisse aufmerksam gelesen. "Das muss auch Ziel unserer Familienpolitik in Hessen sein, die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen aufzugreifen."

Beispielhaft präsentierten vier Schüler der Sterntalerschule aus Dietzenbach (Kreis Offenbach) die Wünsche ihrer Mitschüler: mehr Sport, häufiger vorlesen, längere Pausen. Gut finden die Befragten unter anderem freie Spielzeit, Gleichgewichtsübungen und "dass die Lehrer uns Vertrauen schenken". Etwas aus dem Rahmen fiel die Antwort "Ferien sind zu lang". Das überraschte auch den Minister: "Also ich hab mir das nie gewünscht."

dpa


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