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Kriminalität

Hinweise auf Reemtsma-Lösegeld führen in Frankfurter Rockerszene

Für die Freilassung von Jan Philipp Reemtsma kassierten seine Entführer im Jahr 1996 D-Mark und Franken in zweistelliger Millionenhöhe. Nun gibt es nach monatelangen Ermittlungen eine neue Spur zu möglichen Geldwäschern.
Reemtsma wurde 1996 viereinhalb Wochen gefangen gehalten.

Reemtsma wurde 1996 viereinhalb Wochen gefangen gehalten.

© A. Warmuth/Archiv

Aachen/Madrid/Frankfurt. Am vergangenen Mittwoch seien auf Mallorca und in Aachen ein Mann und seine Schwester festgenommen worden, sagte ein Sprecher der Aachener Staatsanwaltschaft am Sonntag.

Der auf der Balearen-Insel festgesetzte Hauptverdächtige, ein 62 Jahre alter Mann, soll demnach Mitglieder aus dem Frankfurter Rotlichtmilieu erpresst haben, die Summen "in Millionenhöhe" aus Teilen des Reemtsma-Lösegelds "gewaschen" hätten. Die mutmaßlichen Geldwäscher seien Mitglieder der Rockergruppe Hells Angels, und zwar des "Charters Westend" in Frankfurt. Die Hells Angels sind in lokale Charter untergliedert, und das Charter Westend war im September 2011 verboten worden.

Dem 62-Jährigen werde gewerbsmäßige Erpressung vorgeworfen, sagte der Justizsprecher. Der Verdacht laute, dass der Mann durch sein Wissen "seinen Lebensunterhalt mit den Erpressungen verdient" habe. Er sei aber kein Mitglied der Hells Angels. Er soll demnächst aus Mallorca nach Deutschland überstellt werden.

Zur Rolle seiner in Aachen festgenommenen Schwester gab es keine näheren Angaben. In Aachen war Ende 2008 ein Komplize der Reemtsma-Entführer wegen Geldwäsche von Lösegeld-Millionen zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Er soll der Kopf einer Geldwäscher-Bande gewesen sein. Damals ging es unter anderem um eine Summe von sechs Millionen Schweizer Franken, deren Spur sich in einer komplizierten Geldübergabe-Aktion über mehrere Länder aber verlor.

Das verdächtige Geschwisterpaar wurde nach Angaben der spanischen Polizei bei Ermittlungen gegen Mitglieder der Hells Angels festgenommen. Die spanische Polizei verwies in einer Mitteilung darauf, dass die Ermittlungen zusammen mit dem Bundeskriminalamt geführt worden seien. Die "Bild"-Zeitung hatte berichtet, die großangelegte Operation sei in Spanien unter dem Decknamen "Big Man" und in Deutschland unter "Black Mail" gelaufen.

Der Drahtzieher der Reemtsma-Entführer war im Oktober vergangenen Jahres nach langjähriger Haft aus dem Gefängnis entlassen worden. Zusammen mit Komplizen hatte er im Frühjahr 1996 den damals 43 Jahre alten Millionen-Erben Reemtsma vor dessen Haus in Hamburg überwältigt. Viereinhalb Wochen lang hielten sie Reemtsma angekettet in einem Verlies bei Bremen fest. Gegen ein Rekordlösegeld von damals 15 Millionen Mark und 12,5 Millionen Schweizer Franken kam Reemtsma schließlich frei. Umgerechnet wären das heute mehr als 15 Millionen Euro.

Von der Beute tauchte bisher nur ein Bruchteil auf. Das meiste Geld sei verbraucht oder durch Fehlinvestitionen verloren gegangen, behaupteten Komplizen. Dagegen vermuteten Ermittler schon vor Jahren, ein großer Teil des Geldes werde im Ausland gewaschen und fließe dann zurück.

dpa


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