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Gesellschaft

Hessen lehnt Verstreuen von Totenasche auf privaten Grundstücken ab

Der Bremer Vorstoß zum Verstreuen von Totenasche auf privaten Grundstücken stößt in Hessen auf Skepsis. Das zuständige Innenministerium lehnt es vorerst ab, dem bislang bundesweit einmaligen Beispiel zu folgen.
Der Bremer Vorstoß stößt auf Skepsis.

Der Bremer Vorstoß stößt auf Skepsis.

© Fredrik von Erichsen/Archiv

Wiesbaden. "Eine solche Regelung ist in Hessen nicht geplant", sagte Sebastian Poser vom Ministerium auf Anfrage. Zudem müsse eine Änderung des Friedhofs- und Bestattungsgesetzes in dieser Form "in jedem Fall zuvor eingehend diskutiert werden" zum Beispiel in einer Anhörung, mit den Kommunen und den Kirchen. Ohne einen breiten Konsens sei es aus fachlicher Sicht nicht zu empfehlen, das Gesetz entsprechend zu ändern.

Neben Hessen haben sich auch bereits Rheinland-Pfalz und Bayern gegen den Bremer Vorstoß ausgesprochen. In der Hansestadt darf seit dem Jahreswechsel die Asche von Toten auf privaten Grundstücken verstreut werden. Bislang ist das in keinem weiteren Bundesland möglich. Voraussetzung ist, dass der Tote den Ort zuvor schriftlich festgehalten und eine Person für die Totenfürsorge bestimmt hat.

Eine derartige "Liberalisierung des Bestattungswesens" könne auch das Risiko erhöhen, dass mit der Asche Verstorbener in Einzelfällen unwürdig umgegangen werde, warnte Poser. So sei es dann nicht auszuschließen, dass Urnen in der Mülltonne oder die Asche in der Kanalisation entsorgt würden, weil ihr Verbleib nicht kontrolliert werde.

Bestatter hatten bereits kritisiert, nach dem Bremer Modell werde Angehörigen unter Umständen in späteren Jahren kein Ort des Trauerns und Gedenkens angeboten. Außerdem sei es möglich, dass der Ort der Totenasche nicht jederzeit - beispielsweise nach einem Umzug oder einem Verkauf des Grundstückes - zugänglich sei.

"Es sind viele Fragen offen zur praktischen Umsetzung", sagte Dominik Kracheletz, Vorsitzender des Bestatterverbands Hessen, am Montag in Kassel. Aber der Trend werde kommen: "Das vermute ich ganz stark." Eine Trauerfeier im privaten Rahmen könne so sicher individueller gestaltet werden als in einer klassischen Friedhofskapelle. Doch unter dem Bremer Modell würden in Hessen und andernorts besonders die Friedhöfe leiden, denen dringend benötigte Einnahmen zum Unterhalt entgingen. Auch ein Stück Bestattungskultur ginge verloren.

Das Bremer Landesparlament hatte die Lockerung des Friedhofszwangs im November verabschiedet. Über die Gesetzesänderung der rot-grünen Koalition hatten die Parteien in Bremen monatelang gestritten. Kritik kam vor allem von der CDU und der Kirche. Ursprünglich sollten Angehörige die Urne mit der Totenasche auch mit nach Hause nehmen dürfen. Wegen rechtlicher Bedenken verwarf Bremen diese Pläne aber.

dpa


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