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Gesundheit

Hessen bläst Trübsal: Depression ein landesweites Problem

Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Immer mehr Menschen leiden an Depressionen. Die Diagnose entwickelt sich zu einem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Problem - bundesweit und auch in Hessen.
Frauen lassen sich häufiger behandeln.

Frauen lassen sich häufiger behandeln.

© J. Stratenschulte/Archiv

Das ist das Ergebnis des jüngsten "Depressionsatlasses", der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde.

Von 2000 bis 2013 nahmen die Fehlzeiten in Unternehmen aufgrund von Depressionen um fast 70 Prozent zu. Vergleiche mit früheren Jahren gibt es zwar für die einzelnen Länder noch nicht. Aber nach dem "Atlas" der Techniker Krankenkasse (TK) war in Hessen im Jahr 2013 jeder dort versicherte Arbeitnehmer im Schnitt einen Tag lang wegen Depressionen krankgeschrieben. Es trifft demnach vor allem Frauen - und Menschen im Vogelsberg- und Lahn-Dill-Kreis.

Nach TK-Angaben leiden rund zwei Prozent aller Frauen an der Krankheit, bei den Männern ist es etwas über ein Prozent. "Eine mögliche Erklärung ist, dass Frauen sich eher trauen, mit ihren psychischen Beschwerden einen Arzt aufzusuchen", sagte die Leiterin der TK in Hessen, Barbara Voß. Außerdem würden Frauen deutlich häufiger Antidepressiva verschrieben als männlichen Erkrankten. Mit dem Alter nehmen die Fehlzeiten deutlich zu - erst mit 60 Jahren seien die Werte wieder rückläufig.

Mit seinem "Krankentag" wegen Depressionen liegt Hessen im bundesdeutschen Schnitt. Es gab aber deutliche Unterschiede in den Landkreisen: Menschen im Vogelsbergkreis und im Lahn-Dill-Kreis waren mit durchschnittlich 1,4 Fehltagen besonders häufig betroffen. Im Main-Taunus-Kreis wurden dagegen nur 0,6 Fehltage gezählt, gefolgt von Darmstadt (0,7), dem Landkreis Fulda (0,8) und Frankfurt (0,9). In Kassel und in Wiesbaden lagen die Fehlzeiten bei jeweils einem Tag. 

Im Verhältnis zu Erkältungen oder Rückenbeschwerden werden laut "Atlas" zwar bundesweit wesentlich weniger Menschen aufgrund von Depressionen krankgeschrieben. Die es treffe, fielen aber sehr lange aus - im Durchschnitt 64 Tage, erläuterte TK-Vorstandschef Jens Baas. Für ein Unternehmen mit 250 Mitarbeitern bedeute dies, dass vier Beschäftigte gut zwei Monate im Jahr fehlten.

Insgesamt summieren sich die Produktionsausfälle in Deutschland durch Fehltage laut Studie auf rund vier Milliarden Euro, hochgerechnet auf alle Arbeitnehmer für das Jahr 2013. Von einer "Volkskrankheit" könne man zwar nicht mit Blick auf die Zahl der Betroffenen sprechen - wohl aber, was die gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen angehe, sagte Baas.

Betroffen sind vor allem Berufe mit hohem Stresslevel und großer psychischer Belastung. So gebe es in Callcentern durchschnittlich 2,8 Fehltage, in der Altenpflege 2,5, in Erziehungs- 1,6 und in Sicherheitsberufen 1,4 Fehltage.

Als Depression im medizinischen Sinn gelten nicht die depressiven Verstimmungen, die etliche Menschen zeitweise haben. Zu den vielfältigen Symptomen der psychischen Erkrankung zählen eine anhaltend gedrückte Stimmung, eine Hemmung von Antrieb und Denken und ein Interessenverlust, hinzu kommen variierende körperliche Symptome.

dpa


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