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Brauchtum

Häftlinge basteln und backen für den Weihnachtsmarkt

Optisch unterscheidet sich die Bude auf dem Weihnachtsmarkt in Kassel nicht von anderen Ständen. Verkauft werden dort allerdings Deko-Artikel und Selbstgebackenes von Häftlingen. Dahinter verbergen sich kleine Erfolgserlebnisse.
Justizministerin Eva Kühne-Hörmann bei einem Besuch der JVA Kassel I.

Justizministerin Eva Kühne-Hörmann bei einem Besuch der JVA Kassel I.

© Swen Pförtner/Archiv

Kassel. Holzspielzeug, Deko-Artikel oder Plätzchen - auf Weihnachtsmärkten wird auch Gebackenes und Selbstgebasteltes von Häftlingen angeboten. So etwa in Kassel: Hier verkaufen die nordhessischen Justizvollzugsanstalten weihnachtliche Artikel. "Die Strafe muss abgesessen werden, aber es ist wichtig, diese Zeit sinnvoll zu nutzen", sagte Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU), die am Donnerstagabend den Stand besuchte, über den Hintergrund der Aktion.

Der Erlös fließe zurück in die JVAs, und die Arbeit sporne an. "Viele Gefangenen haben zuvor nie Erfolgserlebnisse gehabt und können jetzt stolz auf ihre Arbeit sein", erklärte die Ministerin. Wichtig ist ihr, dass es nicht etwa um "Wohlfühlvollzug" gehe. "Wir reden hier von Opferschutz", sagte sie. "Die Gefahr für uns alle wäre größer, wenn es diese Angebote nicht geben würde." Und fügte hinzu: "Wer im Gefängnis etwas gelernt hat, wird später mit höherer Wahrscheinlichkeit nicht mehr straffällig."

Nicht alle Gefangenen kommen allerdings beispielsweise für Bastelarbeiten in Frage. "Die Inhaftierten müssen dazu tauglich sein, wollen und können", sagte der Kasseler JVA-Leiter Jörg-Uwe Meister. Sprunghaft oder unberechenbar dürften die Gefangenen nicht sein. Es wird schließlich mit Werkzeugen gearbeitet, die auch als Waffe eingesetzt werden können. "Der Verkaufsrenner auf dem Weihnachtsmarkt sind jedes Jahr die Nistkästen. Aber auch die Holz-Elche verkaufen sich dieses Jahr gut", sagte Meister.

In den hessischen Gefängnissen können nach Angaben des Justizministeriums über 100 Berufe erlernt werden, damit die Häftlinge nach der Entlassung nicht perspektivlos sind. "Es geht darum, dass das Gefängnis nicht zum Endpunkt wird, sondern zum Wendepunkt", sagte Ministeriumssprecher René Brosius. Grundsätzlich müssten Gefangene in Hessen arbeiten, um einen Teil der Haftkosten aufzubringen - etwa in Reinigung, Näherei und Bäckerei.

Oder sie stellen eben Deko-Artikel her, die dann verkauft werden können. "Bei dem Verkauf auf dem Weihnachtsmarkt in Kassel haben die Mitarbeiter der JVA einen Umsatz von etwa 450 Euro am Tag erreicht", sagte Ministerin Kühne-Hörmann.

dpa


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