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Wissenschaft

Forscher wollen kranke Knochen stärken

Zahlreiche ältere Frauen bekommen früher oder später die Diagnose Osteoporose. Wenn dann ihre Knochen brechen, stehen Chirurgen vor Problemen. Gießener Forscher suchen nach Lösungen.
Osteoporose-Patienten nehmen an einer Funktionsgymnastik teil.

Osteoporose-Patienten nehmen an einer Funktionsgymnastik teil.

© Volker Hartmann/Archiv

Gießen. Mit neuen Materialien wollen Gießener Forscher kranke Knochen stärken. Die Wissenschaftler haben dabei insbesondere die Volkskrankheit Osteoporose, aber auch Knochenkrebs-Patienten im Blick. Es gebe immer mehr ältere Patienten mit Frakturen, weil ihre Knochen so weich seien, sagt der Gießener Mediziner Christian Heiß, der Sprecher des interdisziplinären Forschungsprojektes ist. "Als Operateure haben wir dann das Problem, dass unsere Schrauben und Platten nicht mehr im Knochen verankert werden können und halten." Helfen sollen künftig innovative Implantate sowie Ersatzstoffe, die Defekte auffüllen und den Knochen animieren, sich besser aufzubauen.

Gemeinsam mit Kollegen der Unis in Heidelberg und Dresden arbeiten die Gießener seit fünf Jahren an dem Projekt, gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). In dieser Zeit hat das Team nach eigenen Angaben Strategien entwickelt, die zumindest im Labor knochenbildende Zellen anregen können.

Bei einer Osteoporose verlieren die Knochen ihre Festigkeit und brechen leichter. Die Zahl der Patienten steigt auch deshalb, weil die Gesellschaft immer älter wird: "Wir gehen davon aus, dass fast jede dritte Frau und jeder achte Mann über 60 eine Osteoporose entwickelt", berichtet Christoph Eichhorn, Vorsitzender des Deutschen Orthopäden- und Unfallchirurgenverbandes. "Damit die Schrauben halten, müssen Chirurgen sie oftmals mit Zement ummanteln. Etwas Besseres haben wir nicht." Daher seien Forschungen zu neuen Implantaten und Knochenersatzmaterialien hilfreich.

Die Wissenschaftler mischten zum Beispiel ein Osteoporose-Medikament mit Kalziumphosphat-Zementen. "In unseren Zellkulturen haben wir dann gesehen, dass die knochenbildenden Zellen tatsächlich durch diese neu generierten Zemente angeregt werden, Knochensubstanz zu bilden", erklärt die Veterinärmedizinerin Sabine Wenisch, die zum Gießener Team gehört. "Das war ein wichtiger Durchbruch für uns." Nun habe man die Aussicht, dass das später auch beim Patienten funktioniere. Bei den Krebsforschungen setzen die Forscher etwa darauf, ein Medikament mit Knochenersatzmaterial zu mischen, damit es lokal wirken kann.

Noch läuft die Laborphase des Projektes. In einer weiteren Förderperiode der DFG sollen die Erkenntnisse "zumindest in Form von präklinischen Studien an Patienten" angewendet werden, wie Medizinprofessor Heiß weiter berichtet.

Wichtig sei immer auch die Osteoporose-Prävention, ergänzt Orthopäde Eichhorn. "Patienten sollten sich sehr früh testen lassen, ob sie gefährdet sind." Zur Vorbeugung gehöre auch Bewegung und eine ausreichende Vitamin D-Versorgung.

dpa


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