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Glücksspiele

Flaute bei Spielbanken kriegt auch die Landeskasse zu spüren

Wenn am Roulettetisch weniger Geld ins Spiel gebracht wird, dann kann das auch ein Konzertveranstalter auf dem Land oder der Sportverein um die Ecke zu spüren bekommen.
Eine Kugel auf einem Roulette-Tisch.

Eine Kugel auf einem Roulette-Tisch.

© Frank May

Frankfurt/Main. Denn die sinkenden Besucherzahlen in den hessischen Spielbanken machen sich auch in der Landeskasse bemerkbar - und daraus fließt natürlich ein Teil des nicht zweckgebundenen Geldes auch für den Sport, die Kultur oder das Soziale. Nach Angaben des hessischen Innenministeriums hat das Land im Jahr 2013 rund 46 Millionen Euro weniger durch Kasinoabgaben eingenommen als noch vor acht Jahren.

"Seit dem Jahr 2006 hat sich der Bruttospielertrag von rund 103 Millionen Euro auf 56 Millionen Euro reduziert", rechnet Ministeriumssprecher Sebastian Poser vor. Diese nicht zweckgebundenen Einnahmen böten dem Land Spielräume, um zum Beispiel den Sport, die Kultur oder soziale Zwecke zu fördern. "Je geringer diese Einnahmen werden, desto weniger Spielräume bestehen", sagte Poser.

Einen direkten Nachteil für Bereiche wie etwa den Denkmalschutz gebe es aber nicht, erklärte Sprecher Mark Kohlbecher vom Wissenschaftsministerium. Dieser speise sich nicht aus den Abgaben der Kasinos. Das Finanzministerium entscheide, wohin das Geld fließe.

Die Abgaben der Erträge richten sich nach der Höhe des Bruttospielertrags. Nach Angaben des Finanzministeriums liegen diese zwischen 50 und 60 Prozent. Die Spielbank Wiesbaden spricht zu Spitzenzeiten von rund 90 Prozent.

Gründe für die Flaute an den Roulette-Tischen gibt es nach Überzeugung der Kasino-Betreiber einige. Die Spielbank Bad Homburg spricht besonders den gesellschaftlichen Wandel an. "Die Menschen, die heute kommen, träumen nicht mehr vom großen Gewinn", erklärte Spielbank-Direktor Lutz Schenkel. Die Ansprüche hätten sich verändert, die Einsätze der Spieler seien kleiner geworden.

Ein weitere Grund sei der illegale Online-Spielemarkt, erklärt der Marketing-Experte der Spielbank Wiesbaden, Peter Westkamp: "Das Internet macht vor Landesgrenzen nicht halt." Die steigende Zahl der Wettbüros sei für die Spielbanken ebenfalls zu einer ernsten Konkurrenz geworden. Auch die strengen Auflagen des 2008 bundesweit eingeführten Glücksspielstaatsvertrages seien schuld an der Krise, war wiederholt in den Spielbanken zu hören. Der Glücksspielvertrag sorgte für Rauchverbote, Ausweiskontrollen und strengere Werbebeschränkungen.

Auch der Kurhessischen Spielbank in Kassel und Bad Wildungen hat der Vertrag schwer zu schaffen gemacht. Es sei es dem Kasseler Kasino aber gelungen, "sich hochzuarbeiten", sagte Geschäftsführer Gerhard Wilhelm. Entgegen dem Trend verzeichnet sein Kasino in Kassel ein Bruttoumsatzplus von etwa vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Für die vergleichsweise guten Zahlen nennt Wilhelm mehrere Gründe: Der Standort an der Kurfürstengalerie mitten in der Innenstadt entspreche eher den Gewohnheiten der Menschen. Dazu gebe es spezielle Veranstaltungen, wie eine "Lady's Night", und moderne Automaten, an denen man miteinander, statt alleine spielen kann. "Die klassischen Automaten sind einfach nicht mehr so angesagt", glaubt er. So hoch wie in Kassel sind die Umsätze in Bad Wildungen zwar nicht, allerdings zeigt sich Wilhelm damit zufrieden.

Ganz anders sieht es in Frankfurt aus, "da war es von Anfang an schlecht und wurde immer schlechter", sagt Wilhelm, der auch Mitgeschäftsführer des Frankfurter Airport Casinos ist. Ende des Jahres wird das Kasino deshalb geschlossen. Allerdings sei das Kasino am Flughafen auch ein spezieller Fall, da es im Transitbereich ohnehin nur wenige potenzielle Kunden gebe.

dpa


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