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Kriminalität

Fahnder erhalten mehr Zeugenhinweise zu möglichem Serienmord

Dutzende Zeugen haben sich im Fall des mutmaßlichen Serienmörders Manfred S. bei der Polizei gemeldet - doch vor allem zwei Hinweise lassen die Ermittler aufhorchen. Ist der entscheidende Tipp dabei?
Die Präsidentin des LKA, Sabine Thurau (l), und Frank Herrmann.

Die Präsidentin des LKA, Sabine Thurau (l), und Frank Herrmann.

© Frank Rumpenhorst

Wiesbaden/Berlin. Im Fall des mutmaßlichen Serienmörders Manfred S. hat die Polizei am Wochenende weitere Zeugenhinweise bekommen. Bis zum Sonntagmorgen waren es bereits mehr als 50, wie ein Sprecher der zuständigen Sonderkommission mitteilte. "Darunter sind auch zwei, die uns Hoffnung machen." Nach Angaben des hessischen Landeskriminalamtes (LKA) in Wiesbaden werden die Informationen nun ausgewertet und analysiert.

Die Ermittler setzten auch Hoffnungen auf einen Fernsehbeitrag, der am Sonntagabend ausgestrahlt wurde. Das Fernsehmagazin "Spiegel TV" brachte den Ermittlern einige neue Hinweise. "Etwas Bahnbrechendes ist aber nicht dabei", sagte der leitende Ermittler Frank Herrmann in der Nacht zum Montag.

Die Polizei bringt den 2014 verstorbenen Manfred S. aus Schwalbach am Taunus mit bis zu zehn Tötungsdelikten in Verbindung, darunter auch mit dem Mord an dem Jungen Tristan aus Frankfurt-Höchst im Jahr 1998. Als ziemlich sicher gilt, dass S. die Prostituierte Britta D. tötete. Die Tochter hatte deren zerstückelte Leiche in einem Fass in der Garage des Vaters entdeckt, als sie nach dessen Tod aufräumte. Die Frau war vermutlich seit zehn Jahren tot.

Fast alle Menschen behalten ihre sexuellen Neigungen und Vorlieben nach Einschätzung des Sexualpsychologen Christoph Joseph Ahlers weitgehend für sich. "Wir wissen von der Sexualpräferenz der Menschen in unserer Umgebung herzlich wenig, sogar von der unserer Partnerin oder unseres Partners", sagte der Mitbegründer und wissenschaftliche Leiter des Instituts für Sexualpsychologie in Berlin. "Viele Menschen mit ungewöhnlichen oder abweichenden Sexualpräferenzen leben in Fassaden-Ehen."

Der Sexualwissenschaftler hält es daher nicht für überraschend, dass die vermutlich sadistischen sexuellen Neigungen des mutmaßlichen Serienmörders aus dem Raum Frankfurt nicht aufgefallen sind. Allerdings: "Nicht die sexuelle Präferenz entscheidet, ob jemand zum Täter wird, sondern die Persönlichkeit."

Eine leichte Ausprägung von sexuellem Sadismus hätten viele Menschen. "Da geht es um Dominanz und Unterwerfung, um "Shades of Grey", Fessel- und Rollenspielchen", erklärte Ahlers. Es gebe auch Leute, für die das ein "richtiges sexuelles Reizmuster" sei, das sie brauchten, um sexuell erregt zu werden. Wenn aber aus destruktiven Fantasien verletzende Handlungen würden, lasse sich sexueller Sadismus nicht mehr einvernehmlich ausleben.

Bis zu einem Viertel aller Männer hätten Untersuchungen zufolge Vorstellungen und Fantasien, bei denen es um Macht, Dominanz, Ausgeliefertsein und Unterwerfung eines anderen gehe. "Damit stellt sexueller Sadismus nach Voyeurismus und Fetischismus die dritthäufigste abweichende Sexualfantasie dar", sagte der Experte.

Am ehesten Männer, die mangelndes Selbstwertgefühl mit solchen Fantasien kompensierten, könnten zu Tätern werden. "Vor allem wenn eine akute Bedrohung oder eine chronische Kränkung des Selbstwertgefühls vorliegt, kann es zu Impulsdurchbrüchen bis hin zu Tötungsdelikten kommen", sagte Ahlers.

dpa


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