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Forschung

Expertin: Kindliche Mehrsprachigkeit hat zu viele Gegner

Akzentfrei zwei, drei, vier Sprachen zugleich lernen, geht das? Kinder können das, glauben Sprachwissenschaftler. Manche Erzieher und Ärzte befürchten dagegen Probleme. Wer hat recht?
Ein Flüchtlingskind lernt im Unterricht Deutsch als Fremdsprache.

Ein Flüchtlingskind lernt im Unterricht Deutsch als Fremdsprache.

© Arno Burgi/Archiv

Koblenz. Kindliche Mehrsprachigkeit hat nach Ansicht einer Expertin immer noch zu viele Gegner. "Nach wie vor gibt es Erzieher, Lehrer und Kinderärzte, die Eltern mit ausländischen Wurzeln davon abraten, ihr Kind mit mehreren Sprachen aufwachsen zu lassen", erklärte Britta Hufeisen, Professorin für Mehrsprachigkeit, am Rande einer Tagung der Gesellschaft für Angewandte Linguistik (GAL) in Koblenz.

"Das Vorurteil hält sich, dass mehrsprachige Kinder sonst durcheinander kommen. Aber das sieht die Forschung nicht so. Diese Kinder können höchstens etwas später sprechen lernen und anfangs die Sprachen mischen", sagte die Expertin von der Technischen Universität (TU) Darmstadt der Deutschen Presse-Agentur. "Außerdem sprechen auch einsprachig aufwachsende Kinder keineswegs immer nur korrekt und fehlerfrei." Immigranten zu raten, mit ihren Kindern nur deutsch zu reden, bringe schon deshalb oft nichts, weil sie häufig selbst diese Sprache nicht oder nur unzureichend beherrschten. "Das ist dann eine Katastrophe", kritisierte Hufeisen. Es gebe auch deutsche Familien im Ausland, die nur die einheimische Sprache verwendeten. "Aber wenn die Eltern zum Beispiel nicht auch Kosewörter wie "Schatzi" und "Mausi" perfekt auf englisch oder französisch einflechten, dann fehlt ein wichtiger emotionaler Aspekt. Das können sie später sehr bereuen." Die Leiterin des TU-Sprachenzentrums in Darmstadt ergänzte, die Forschung zeige, dass zweisprachige Kinder in der Regel leichter eine dritte Sprache lernen könnten. "Wenn sie schon von klein auf wissen, dass "Tisch" auch "table" (englisch) heißen kann, sind sie automatisch offener für die Wörter einer weiteren Fremdsprache." Wichtig sei, dass mit diesen Kinder genügend in ihren Sprachen geredet werde. "Das muss nichts mit der Bildung der Eltern zu tun haben. Eine Migrantin mit Volksschulabschluss kann ihr Kind sprachlich mehr fördern als eine hoch gebildete Mutter, die beim Spaziergang mit dem Buggy nur auf ihr Smartphone starrt", sagte Hufeisen. Allmählich werde die zunehmende Mehrsprachigkeit von Kindern auch im Schulwesen aufgegriffen. "Es gibt immer mehr Schulbücher, die in ihrem Vokabelverzeichnis auch auf andere Sprachen verweisen oder kleine Übungen haben mit der Frage: "Denk mal nach, kennst du dieses Wort auch aus anderen Sprachen?""

dpa


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