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Experten: Gefahr verseuchter Computer wird unterschätzt

Cyberkriminalität wird nach Ansicht von Fachleuten deutlich unterschätzt: 25 bis 60 Prozent der Computer in Deutschland seien Schätzungen zufolge mit schädlichen Programmen verseucht (Bot) und Teil internationaler von Kriminellen ferngesteuerter "Botnetze", sagte Oberstaatsanwalt Rainer Franosch am Freitag bei einer Tagung zum Thema "Cybercrime" in Frankfurt.
Bei der Cybercrime-Tagung wird über die Gefahren des Botnetz informiert.

Bei der Cybercrime-Tagung wird über die Gefahren des Botnetz informiert.

© Boris Roessler

Frankfurt/Main. Der Anteil der infizierten Smartphones ist nach Einschätzung des Experten für IT-Sicherheit, Ralf Wildvang, ungefähr genauso hoch. "Man kann aus Smartphones mittlerweile auch kleine Hackermaschinen machen."

"Die meisten Leute wissen nicht, dass sie Opfer sind", betonte Franosch. Viele infizierten ihre Rechner unbemerkt beim Surfen. Um das Internet sicherer zu machen, sind nach Einschätzung von Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) eine Reihe von Gesetzesänderungen notwendig. 

Nur 2 von 100 Computernutzern, die etwa von ihren Providern darauf hingewiesen würden, dass ihr Rechner möglicherweise Teil eines Botnetzes sei, befolgten die Empfehlungen, dies zu beheben, sagte Kühne-Hörmann. Neun von zehn Unternehmen meldeten Schätzungen zufolge Angriffe auf ihre Rechner nicht, sagte Generalstaatsanwalt Hans-Josef Blumensatt. Vor allem mittelständische Unternehmen sind Kühne-Hörmann zufolge Ziel der Kriminellen. "Die Angriffe sind da größer, wo mehr zu holen ist." Hessen sei daher stärker betroffen als Bundesländer mit weniger Industrie, Wirtschaftskraft und IT-Schwerpunkten. 

Was sind die Gefahren? Onlinebanking könne kontrolliert und Überweisungen verändert werden oder Kinderpornografie unbemerkt auf privaten Rechnern abgelegt werden, sagte Franosch. Über die gekaperten Rechner könnten auch radikale Botschaften gesandt werden. Der eigene PC könne zudem zum Spion werden, Gespräche unbemerkt abhören und Räume mit der Webcam überwachen. Über Botnetze würden auch Internetseiten lahmgelegt, um beispielsweise Schutzgeld von Online-Händlern zu erpressen.

"Trojaner können aus dem Mikrofon im Smartphone Wanzen machen", warnte Wildvang. Wenn ein infiziertes Gerät im Raum liege, könne es berufliche und private Gespräche unbemerkt abhören und filmen. Zugleich ließen sich Bewegungsprofile des Ausspionierten erstellen. Meist gehe es dabei um Industrie- und Wirtschaftsspionage oder Erpressung.

"Nicht nur Computer und Smartphones, fast alles hängt am Internet", warnte Franosch. Autos, Wasserverarbeitungsanlagen, Industriekontrollsysteme und Krankenhaus-Monitore nannte er als Beispiele. "Wenn einige wenige Cyber-Terroristen es schaffen, 10 000 private Rechner zu koppeln und für ihre Attacken zunutzen, dann machen sie unsere heimischen Computer zu ihren Waffen", warnte Kühne-Hörmann.

"Deutschland ist auf der technischen Seite bereits gut gegen Cyberterroristen gerüstet", betonte die Ministerin. "Aber wir hängen im rechtlichen Bereich hinterher, weil Handlungen wie das Betreiben von Botnetzen, Datenhehlerei oder die großflächig angelegte Werbung für den Terrorismus mittels sozialer Netzwerke in Deutschland nicht strafbar ist." Sie forderte von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) eine "digitale Agenda für das Recht".

dpa


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