Navigation:
Ticket-Shop Anzeigen- und Abo-Service

Kriminalität

"Enkeltrick"-Betrüger immer unterwegs

"Enkeltrick"-Betrüger telefonieren im Minutentakt ältere Menschen ab, um an Geld zu kommen. Meist sind aus dem Ausland gesteuerte Banden am Werk. Sie treten in Wellen auf. Versucht wird die Masche immer irgendwo.
«Enkeltrickser» können Opfer um ihre gesamten Ersparnisse bringen.

«Enkeltrickser» können Opfer um ihre gesamten Ersparnisse bringen.

© J. Stratenschulte/Archiv

Darmstadt. "Enkeltrick"-Betrüger können Opfer um ihre gesamten Ersparnisse bringen. "Wir hatten schon Fälle, da waren plötzlich 50 000 Euro weg", sagte André Sturmeit von der Polizei in Frankfurt. In Hessen wurden laut Landeskriminalamt (LKA) im vergangenen Jahr 642 Fälle angezeigt, davor 735. Fast 90 Prozent der Fälle flogen noch rechtzeitig auf und gingen ins Leere. Anders gerechnet fiel aber auch wiederum etwa alle vier Tage ein Opfer herein - und die Beute war mitunter höher als bei einem Banküberfall.

"Oft sind es reisende Täter, die aus dem Ausland gesteuert werden", berichtete Sturmeit. "An die Hintermänner kommt man aber schwer ran." Seit 2013 wird "Enkeltrick" in der Kriminalstatistik gesondert erfasst. "Das ist ein Thema, das immer wichtiger wird", meinte LKA-Sprecher Christoph Schulte in Wiesbaden. Die Polizei warnt immer wieder vor dieser fiesen Masche. "Die haben wir das ganze Jahr, in Wellenbewegung", sagte Torsten Werner vom Polizeipräsidium Nordhessen.

"Enkeltrick"-Betrüger suchen sich allein stehende, ältere Opfer aus. Am Telefon meldet sich ein Anrufer oft mit Worten wie "Rate mal, wer hier spricht", wartet kurz ab, für wen er gehalten wird und gibt sich dann als diese Person aus. Er brauche dringend Geld für ein Haus, ein Auto oder wegen eines Verkehrsunfalls. Ein Freund komme mal eben schnell vorbei und hole es ab. Erst kürzlich waren die Betrüger im Süden von Hessen unterwegs. Sie telefonierten im Minutentakt ältere Menschen in Heppenheim ab.

"Hier wird die Hilfsbereitschaft älterer Menschen schamlos ausgenutzt", sagte der Vorsitzende der Hilfsorganisation Weißer Ring in Hessen, Horst Cerny. "Die Tätergruppen haben Mafia-Struktur." Die Opfer, die hereinfielen, bekämen aus der Verwandtschaft dann auch noch Vorwürfe zu hören.

Simone Stock von einer Beratungsstelle der Polizei in Südhessen informiert bei Veranstaltungen über den "Enkeltrick". "Die Täter suchen sich aus dem Telefonbuch altmodische Namen heraus", erzählte die Polizeihauptkommissarin. "Dann wissen sie, dass es ältere Frauen sind" - und mit großer Wahrscheinlichkeit alleine leben, da der Eintrag eines Mannes fehlt.

Vielen am Telefon sei es peinlich, wenn sie einen Angehörigen an der Stimme nicht erkennen können, wollten auch nicht als dement gelten, wenn ihnen der Name des Verwandten nicht einfällt. Im Fall eines geringsten Zweifels sollte am besten die Polizei über Notruf 110 angerufen werden.

Laut Ferdinand Derigs vom Polizeipräsidium in Darmstadt verhalten sich die Täter wandlungsfähig wie jemand "von einer Schauspielschule. Die können auf alles reagieren". Das Telefonat beginne wie ein Ratespiel. "Die Rolle, die der Anrufer vom Opfer kriegt, die nimmt er auch ein und spielt weiter."

Oft werde dem Opfer auch ein Taxi geschickt, um fehlende Summen von der Bank abholen zu können. Die Opfer könnten dann leicht im Auge behalten und ein Kontakt zu Angehörigen verhindert werden. "Kaum zu Hause angekommen, steht der Freund auch schon da und holt das Geld ab", sagte Stock.

Die südhessische Polizei hat für Sparkassen eine Checkliste mit Fragen ausgearbeitet, die beantwortet werden sollten, wenn ein älterer Kunde plötzlich mehr Geld abheben will. "Damit hatten wir schon Erfolg", bilanzierte Stock. Dieses Projekt soll ausgeweitet werden.

Eine Bank kann die letzte Rettung sein. Erst kürzlich bewahrte allem Anschein nach ein aufmerksamer Angestellter in Kassel eine 93-Jährige davor, ihre gesamten Ersparnisse an Betrüger zu verlieren. Ein Anrufer hatte die "Enkeltrick"-Variante nur leicht variiert, sich als Mitarbeiter einer "Zentralbank" ausgegeben und der Frau vorgegaukelt, ihr Geld sei nicht mehr sicher. Die Bank konnte sie beruhigen. Der Täter wurde in einem weiteren Telefonat mit dem Opfer offenbar misstrauisch - und ließ die Masche lieber wieder sein.

dpa


Nächster Artikel
Nächster Artikel
Vorheriger Artikel
Voriger Artikel

Anzeige




Jubiläum




Wünsche




Terra-Tech




Sport-Tabellen




Spielerkader




zur Galerie

Fußballfotos vom Wochenende

Sonderveröffentlichungen




Spielplatz-Serie




LWL-Shop




Mit der OP durch das Gartenjahr




Blende 2016




Heimatprämie sichern!




Instagram

Schüler lesen die OP




Kommentare




OP kostenlos lesen




Der Online-Shop der OP




Städtewetter
Ihre Stadt/Ihr Ort
Tagestemperatur
°
Tiefsttemperatur
°
Regenprognose
%
Windstärke
km/h
Pollenflug
Ihre Wettervorschau
zur Galerie

Willkommen im Leben:

Die Transfers im Landkreis




Die OP-Serien

Eine Vergleichsstudie zwischen Marburg und Osnabrück hat die Wirksamkeit von Karies-Präventionsprogrammen in Marburger Schulen bewiesen. Foto: dpa Kariesprophylaxe

Marburger Schüler haben die besseren Zähne

Marburg nimmt beim Kampf gegen Karies eine Vorreiterposition ein. Dies beweist eine Studie von Professor Klaus Pieper, Leiter der Abteilung Kinderzahnheilkunde der Marburger Zahnklinik. mehrKostenpflichtiger Inhalt



90 regionale Rezepte: Das Besser-Esser-Buch


Das Besser Esser Buch mit 70 regionalen Rezepten.

Die Grill-App der Oberhessischen Presse


Rostkost: Rezepte und Grilltechnik




  • Sie befinden sich hier: Kriminalität – "Enkeltrick"-Betrüger immer unterwegs – op-marburg.de