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Schulen

Behörde: Odenwaldschule muss Tempo machen

Der vorerst geretteten Odenwaldschule muss ein schneller Befreiungsschlag gelingen, sonst verlieren die Aufsichtsbehörden endgültig die Geduld. Spätestens Anfang 2015 müsse klar sein, ob das Reforminternat in Südhessen finanziell besser dastehe.
Finanzieller Aufschwung für die Odenwaldschule.

Finanzieller Aufschwung für die Odenwaldschule.

© Boris Roessler/Archiv

Heppenheim. "Sonst müssen wir überlegen, ob das zweite Halbjahr 2014/2015 dazu genutzt wird, die Odenwaldschule abzuwickeln und die Schüler auf andere Schulen zu verteilen", sagte der stellvertretende Landrat des Kreises Bergstraße, Matthias Schimpf (Grüne), am Freitag in Heppenheim. Der Landkreis ist eine Aufsichtsbehörde des Internats.

Die Schule müsse es vor allem schaffen, die seit 2003 sinkende Zahl der Schüler wieder spürbar zu erhöhen. Mit 143 Schülern gebe es jetzt etwa 50 weniger als noch 2013/2014. Die verlangte strikte Trennung von Schule und Internat zur Vermeidung von sexuellem Missbrauch müsse durchgezogen werden.

An der Odenwaldschule waren 2010 lange zurückliegende Übergriffe von Lehrern auf Schüler bekanntgeworden. Offiziell gab es mindestens 132 Opfer. Nachdem dieses Jahr neue Vorwürfe aufgekommen waren, entschloss sich das hessische Sozialministerium zu einer Betriebsprüfung. Die Genehmigung für die Schule wurde geändert, Auflagen wurden erteilt und die neue Erlaubnis wegen der Geldprobleme der Privatschule auf das neue Schuljahr 2014/15 begrenzt.

Bei aller Konsequenz machte Schimpf auch deutlich, dass die Aufsichtsbehörde bei der Besetzung der insgesamt drei freien Stellen an der Spitze des Internats, der Schule und der Geschäftsführung mit sich reden lasse, wenn die Qualität der Bewerber stimmt. Sollte die bis zum 1. Dezember 2014 gesetzte Frist um einen Monat verpasst werden, "stehen wir nicht auf mit der Axt und hauen die Odenwaldschule ab."

Die Entscheidung für die Betriebsgenehmigung war laut Schimpf denkbar knapp. Mit ausschlaggebend gewesen sei die Bürgschaft eines früheren Schülers von 600 000 Euro, obwohl sie einen Tag nach Ablauf einer Frist einging. Vor allem wegen des großen Engagements von Eltern sei trotz des bereits an diesem Montag (25. August) beginnenden Unterrichts an der Privatschule "bis 5 vor 12" gewartet worden.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern hat der Jahrzehnte zurückliegende Missbrauch in Heppenheim noch Nachwirkungen. Vor dem Start ins neue Schuljahr zog Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) das an alle Lehrer als Leseempfehlung versandte Buch "Schule kann gelingen" zurück. Auf der letzten Seite stehe eine Danksagung an den ehemaligen Leiter der Odenwaldschule, Gerold Becker, teilte ein Sprecher am Freitag in Schwerin mit.

Dem verstorbenen Gerold Becker kam eine führende Rolle bei den Jahrzehnte zurückliegenden Missbrauchsfällen an dem Internat zu. Das Buch mit der Danksagung war im Auftrag von Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsministerium nachgedruckt und kurz vor den Sommerferien quasi als Urlaubslektüre an 12 000 Lehrer verteilt worden.

Die rund 26 400 Euro teure Rückholaktion von insgesamt 14 000 Büchern geht auf ein Versehen des Verlags zurück. Dieser habe vor dem Nachdruck dem Ministerium eine ältere Druckdatei des Buchs geschickt, in dem die Danksagung noch enthalten war, sagte eine Sprecherin des Fischer-Verlags. Das Ministerium hatte den Nachdruck auf Basis einer aktuelleren Ausgabe für den Buchhandel - bereits ohne Danksagung - in Auftrag gegeben und daher jetzt die falsch übermittelte digitale Textfahne von 2004 nicht noch einmal bis zur letzten Seite überprüft.

Das Buch der Autorin Enja Riegel ist seit 2004 auf dem Markt. Nach Bekanntwerden des Missbrauchsskandals sei der Dank an Becker aber gestrichen worden. "Das Ministerium trifft keine Schuld, der Verlag übernimmt die volle Verantwortung", sagte Sprecherin Heidi Borhau der Nachrichtenagentur dpa.

dpa


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