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Neuer Erscheinungstag

Sonnabend ist „Spiegel“-Tag

Nach dem Abgang des glücklosen Chefredakteurs 
Wolfgang Büchner soll in Hamburg Ruhe einkehren. 
Doch Baustellen gibt es weiterhin viele.
Seit heute erscheint das Magazin sonnabends.
„Unter Zeitdruck waren wir immer gut“: Das Verlagsgebäude des „Spiegels“ an der Ericusspitze in der Hafencity von Hamburg.

„Unter Zeitdruck waren wir immer gut“: Das Verlagsgebäude des „Spiegels“ an der Ericusspitze in der Hafencity von Hamburg.

© Marcus Brandt

Hamburg. Der Satz gewinnt in diesen Tagen an zusätzlicher Bedeutung: „Keine Angst vor der Wahrheit.“ So wirbt „Der Spiegel“ von Sonnabend an - und verweist zugleich darauf, dass das Magazin seinen Erscheinungstag von Montag auf Sonnabend umstellt. Schon bisher sollen 59 Prozent der Leser den „Spiegel“ erst sonnabends gelesen haben. Diesem Umstand kommt der Verlag nun entgegen und verkürzt obendrein den Zeitraum zwischen Redaktionsschluss (nun am Donnerstagabend) und Erscheinen um einen ganzen Tag. Den digitalen „Spiegel“ gibt es dann ab sofort freitags um 18 Uhr. Nebenbei sparen die neuen Druckverträge Millionen von Euro.

Interimschefredakteur Klaus Brinkbäumer gesteht ein, dass der Slogan auch ohne den nicht vorhersehbaren Bezug auf das Attentat in Paris ein wenig pathetisch klingt. Aber „er steht für exakt das, was den ,Spiegel‘ und unsere Haltung ausmacht: Unabhängigkeit und Furchtlosigkeit. Und das ist die Haltung und Erwartung unserer Leser.“

Ohne klare Führung

Der 47-Jährige, der seit 1993 beim „Spiegel“ arbeitet, ist seit dem Abgang des glücklos agierenden Wolfgang Büchner interimistisch einer von zwei Chefredakteuren des Magazins. Noch steckt Brinkbäumer in Vertragsverhandlungen. Die Gespräche werden durch die Tatsache gelähmt, dass Geschäftsführer Ove Saffe - der sein Schicksal allzu eng an Büchners gekettet hatte - das Haus spätestens im Sommer ebenfalls verlassen wird. Die Nachfolge ist ungeregelt. Absehbar ist jedoch, dass Brinkbäumer neuer Chefredakteur wird. Gleichzeitig wird er Herausgeber von „Spiegel Online“. In Stichfragen wäre er damit dem aktuellen „SpOn“-Chefredakteur Florian Harms übergeordnet. Das beugt Blockaden vor, wie sie zwischen einem gleichberechtigten Duo entstehen könnten. Gemeinsam sind sie schon jetzt dabei, eine sinnvolle Strategie zu entwickeln, um Print und Online aufeinander abzustimmen und digitale Angebote zu konzipieren, für die der Nutzer zahlen muss. Die schrumpfenden Printerlöse und veränderten Informationsgewohnheiten erfordern das, um die Finanzierbarkeit von unabhängigem Journalismus zu gewährleisten.

In dieser Phase einschneidender Veränderungen ist es nicht glücklich, dass der „Spiegel“ ohne klare Führung ist. Immerhin: Brinkbäumer äußert sich im Gespräch mit dieser Zeitung zum ersten Mal überhaupt zu dem, was den „Spiegel“ in seinen Augen künftig wieder ausmachen soll: „Wir werden unsere investigativen und unsere erzählerischen Kompetenzen ausspielen“, sagt Brinkbäumer und nennt als Beispiel aus dem aktuellen Heft „die Rekonstruktion des Abschusses von Flug MH17, eine Recherche in Kooperation mit internationalen Kollegen, und natürlich - als Nagelprobe gleich in der ersten Woche, in der wir sonnabends erscheinen - die Titelgeschichte zu dem Attentat in Paris: ein Gesamtpaket, das alle Aspekte dieses Ereignisses spiegelt“. Brinkbäumer, der Autor vieler Titelgeschichten war, die unter Zeitdruck entstanden sind - die über das Erdbeben in Haiti vor fünf Jahren schrieb er auf dem Blackberry -, sagt, gerade „in solchen Situationen, bei komplexen Vorgängen und unter Zeitdruck, waren wir immer gut, und das werden wir wieder pflegen“.

Viel Zeit hat Brinkbäumer nicht

Viel Zeit für konzeptionelle Änderungen hatte Brinkbäumer nicht. Zwar steht der Beschluss des Verlags, den Erscheinungstag vorzuziehen, seit über einem Jahr fest - Büchner erntete dafür, allerdings auch das einzige Mal, Applaus von der Redaktion. Inhaltliche Überlegungen folgten allerdings keine. Brinkbäumer sagt dazu: „Wir haben uns in den Wochen der Vorbereitung darauf konzentriert, die ersten Sonnabend-Hefte journalistisch so exzellent wie nur möglich zu gestalten. Für strukturelle Veränderungen war die Zeit der Vorbereitung zu knapp, die Ergebnisse wären nicht ausgegoren gewesen. Im Frühling werden wir soweit sein.“

Burdas „Focus“ ist dem großen Konkurrenten bereits gefolgt und erscheint seit dem Jahreswechsel am Sonnabend, nun mit einem eigenen Ressort „Leben & Genießen“. Auch die „Süddeutsche Zeitung“ hat ihre Wochenendausgabe aufgemotzt und widmet sich Stilthemen. Beide wollen damit dem Wochenend-Wohlgefühl der Leser (und Anzeigenkunden) begegnen. Ist zu erwarten, dass der „Spiegel“ ebenfalls „leichter“ wird? Brinkbäumer: „Die Befürchtung, der ,Spiegel‘ werde weicher, ist unbegründet. Wir werden nicht zum Kuschelblatt, sondern eher akzentuierter werden.“ Allerdings will er mehr Lesernähe erreichen, „indem wir über die Auswirkungen von Politik berichten und weniger das Gefühl vermitteln, aus dem Elfenbeinturm zu senden“.

Und noch eine Änderung gibt es: Der unter Büchner eingeführte Leitartikel wird beibehalten, er wird jedoch nicht mehr anonym als „Meinung der Redaktion“, sondern mit Autorenzeile erscheinen. „Das war ein großer Wunsch der Redaktion und Thema in jeder zweiten Heftkritik“, sagt Brinkbäumer. Der Vorteil: „Der Leitartikel dürfte künftig pointierter und einen Hauch weniger staatstragend geschrieben werden.“

Anzeichen gibt es immerhin, dass sich die Redaktion nach den Unruhen und Machtkämpfen, die sie sich mit Büchner geliefert hat, wieder auf ihre eigentliche Aufgabe konzentriert. Einige seiner Vorhaben sind bereits gekappt. So wurde am Donnerstag der Vertrag von Wirtschaftschef Armin Mahler verlängert. Ihn hatte Büchner gänzlich loswerden wollen. Und auch der von ihm als Vizechef abgesetzte Martin Doerry ist wieder aktiv. Er unterstützt derzeit die Arbeit der Chefredaktion, allerdings nur vorübergehend, sagt Brinkbäumer, der seine Stellvertreterriege noch zusammenstellen muss.

Der Kampf ums Wochenende

Vom neuen „Spiegel“-Erscheinungstag Sonnabend – mit dem auch eine Preiserhöhung um 20 Cent auf 4,60 Euro einhergeht – erhofft sich der Spiegel-Verlag Impulse für die Auflage. Sie beträgt beim „Spiegel“ aktuell 878 000 Exemplare pro Woche, davon werden 261 000 am Kiosk, 411 000 im Abo und 50 000 digital verkauft. Ob diese Strategie allerdings funktioniert, wenn mit „Süddeutscher Zeitung“, „Focus“ und „Spiegel“ nun immer mehr große Medienmarken auf den Sonnabend setzen und sich auch andere Tageszeitungen um opulente Wochenendbeilagen bemühen und tags darauf die üppigen Sonntagszeitungen von „Welt“ und „FAZ“ erscheinen, kann im Moment niemand vorhersagen. Nicht wenige in der Branche fürchten, dass der Kampf um die Wochenendleser zu einer Kannibalisierung der Angebote führen könnte. Dass also das Überangebot dazu führt, dass insgesamt weniger Magazine und Zeitungen gekauft werden.

Das Zeitbudget von Lesern ist begrenzt. Und mancher könnte sich – statt zum Beispiel montags den „Spiegel“, sonnabends eine große Tageszeitung und sonntags die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ zu kaufen – für eine der drei Optionen entscheiden. Tatsächlich rührt der Mythos vom nach Muße strebenden Wochenendleser auch von Anzeigentraditionen. Sonnabends sind die Auflagen historisch bedingt nicht nur wegen der höheren Nachfrage nach Lesestoff, sondern auch wegen der jahrzehntelang üppigen Anzeigenteile zu Jobs, Immobilien oder Autos höher. meme

Von Ulrike Simon


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