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Jorge González

„Es geht um Haltung“

Er war der heimliche Star von „Germany’s Next Topmodel“: Catwalk-Paradiesvogel Jorge González spricht im Interview über High Heels, Heidi Klum und Conchita Wurst.
Er war der heimliche Star von „Germany’s Next Topmodel“: Als Laufstegtrainer brachte Jorge González Heidi Klums Modelküken das Gehen auf Stöckelschuhen bei.

Er war der heimliche Star von „Germany’s Next Topmodel“: Als Laufstegtrainer brachte Jorge González Heidi Klums Modelküken das Gehen auf Stöckelschuhen bei.

© dpa

Hannover. ¡Hola! Jorge, können Sie aus jeder grauen Maus eine Königin machen?
Ich kenne keine Maus. Diese Bezeichnung gefällt mir nicht für eine Frau. Zu mir kommen Frauen mit unterschiedlich großem Selbstbewusstsein, die Input, Motivation suchen. Vielleicht, weil sie neue berufliche Ziele haben oder andere Facetten von sich zeigen wollen, aber sich nicht trauen. Ich will ihnen das Wissen vermitteln, wie man Selbstbewusstsein, Lebensfreude und Ausstrahlung erweckt und verstärkt. Jede Frau hat das drin, sie muss es nur entdecken. Ich will keinen Menschen verändern, ich will nur helfen, sich zu verbessern.

Nun bekommen Sie bei Vox eine eigene Coaching-Doku. Worum geht’s denn da?
Im Prinzip ist die Show „Chicas Walk Academy“ eine Schule, die ich in Hamburg gegründet habe. Für mich war das immer schon ein Traum. In der Academy geht es um aufrechte Haltung - äußerlich, aber auch innerlich. Diese Balance will ich schaffen, dafür gebe ich Kurse. In diesen Kursen können die Chicas mit mir Haltung und Körpergefühl trainieren. Vox hat das Projekt so interessant gefunden, dass sie sagen: Wir begleiten die „Chicas Walk Academy“, von der Suche nach einer passenden Location bis zu den Kursen.

Sie selber laufen viel auf Stöckelschuhen. Warum? Als Mann könnten Sie doch auch bequeme, flache Schuhe tragen…
Aber wer sagt denn, dass hohe Schuhe unbequem sind? Ich sage nicht, dass Frauen immer auf High Heels laufen sollten. Ich sage: Die Frau sollte es lernen, damit sie es kann, wenn sie es braucht. High Heels sind für mich mein Werkzeug, ich nutze sie für meinen Job - wenn ich als der mediale Jorge raus in die Welt gehe. Privat trage ich normale Schuhe, zum Beispiel griechische Sandaletten, Cowboyboots, Turnschuhe.

Wie viele Paar High Heels besitzen Sie?
Oh mein Gott, ich habe zu Hause 350 Paar oder mehr, ich zähle das wirklich nicht mehr ...

In Ihrem eigenen Styling spielen Sie mit den Grenzen zwischen männlich und weiblich - so ähnlich macht das auch die Eurovision-Song-Contest-Siegerin Conchita Wurst. Was halten Sie von ihr?
Ich finde sie super! Ich freue mich sehr, dass sie den ESC gewonnen hat, weil sie Talent hat. Und: Ich mag Leute, die individuell und authentisch sind und sich trauen, das zu zeigen, das finde ich ganz toll an Conchita Wurst. Sie will so sein, sie will sich so präsentieren, und sie hat ­den Mut und die Courage dazu, gepaart mit einer guten Portion Gesangstalent. Ein bisschen wie David Bowie in den Siebzigern. Jedes Stück, das sie trägt, ist wie Kunst. Ich liebe Mode, und ich liebe es, mich selber authentisch und individuell zu präsentieren. Da ist meine Omi mein Vorbild. Sie bemerkte als Erste, dass ich homosexuell bin und sagte nur: „Du bist gut, so wie du bist“

Sie wurden als Laufstegtrainer in Heidi Klums Show „Germany’s Next Topmodel“ bekannt. In der aktuellen Staffel waren Sie nicht mehr dabei. Wie ist heute Ihr Verhältnis zu Heidi Klum?
Sehr gut. Ich war im Mai Gast beim Finale von „GNTM“, wir haben viel Champagner getrunken, viel gesprochen. Ich habe sie bei den Emmy Awards in Los Angeles getroffen. Bei uns ist alles gut. Ich habe Pro7 verlassen, weil ich ganz andere, neue Projekte wollte, die dort zu dem Zeitpunkt nicht zu realisieren waren. Heidi ist eine Power-Businessfrau, sie hat das sehr gut verstanden, da ist kein Problem zwischen uns.

Was verrät denn der Gang über einen Menschen? Erkennen Sie gleich, woran Sie sind, wenn jemand auf Sie zukommt?
Nicht gleich alles, aber natürlich kann man vieles erkennen. Mit der Körpersprache geben die Leute so viele Signale. Sie ist eine wichtige Art der Kommunikation, und man kann sie lesen.

Ist jemand mit Trippelschritten zwangsläufig ein schüchterner Typ?
So einfach ist es nicht, es kommt ja auch auf die Situation an. Aber wenn eine Frau High Heels trägt, verändert sich ihre Haltung, verändert sich die Körpersprache komplett. Dann bekommt sie das Gefühl, lange Beine zu kriegen, sie fühlt sich sexy. Deshalb sagen wir: Das sind die Waffen der Frauen.

Steht in Ihrer Academy ausschließlich Catwalktraining auf dem Kursplan?
Wir machen Walktraining, wir machen alles, was mit Tanz und Rhythmusgefühl zu tun hat. Und wir geben viele Tipps für Haare, Make-up. Die Chicas können ihren eigenen Style entdecken, ohne sich zu verstellen. Ich wünsche mir, die Chicas damit in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken. Ein schönes Styling macht eine andere äußerliche Haltung, und das beeinflusst die innere Haltung - die Emotionen sind besser, wenn Sie sich etwas Schönes anziehen. Meiner Meinung nach hat jeder etwas Schönes. Wenn du es entdecken willst, findest du es.

Zur Person

Er war der heimliche Star von „Germany’s Next Topmodel“: Als Laufstegtrainer brachte Jorge González Heidi Klums Modelküken das Gehen auf Stöckelschuhen bei. Der ­46-Jährige saß danach in der Jury der RTL-Tanzsendung „Let’s Dance“, hat seine Autobiografie veröffentlicht und diverse Modekollektionen auf den Markt gebracht. In „Chicas Walk ­Academy by Jorge González“ (ab Dienstag, 20.15 Uhr, Vox) werden Rat suchende Frauen neu gestylt und beraten. González kam 1967 auf Kuba zur Welt und verließ seine Heimat mit 17, weil er dort wegen seiner Homosexualität Nachteile befürchtete. Er studierte Nuklearökologie in der heutigen Slowakei, jobbte als Model und machte sich schließlich in Hamburg als Choreograf und Stylist selbstständig. Er lebt mit seinem Partner in Hamburg.

Interview: Cornelia Wystrichowski


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