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Reaktionen auf den Tod von Grass

„Trommle für ihn, kleiner Oskar“

Der Tod von Günter Grass hat überall Betroffenheit ausgelöst. Viele Menschen haben das Werk des am Montag gestorbenen Literaturnobelpreisträgers gewürdigt.

Sie bleibt: Die Bank im Garten des Wohnhauses von Günter Grass in Behlendorf (Schleswig-Holstein). Viele Menschen haben das Werk des Montag gestorbenen Literaturnobelpreisträgers gewürdigt.

© dpa

Bundespräsident Joachim Gauck hat Grass als großen Autor und streitbaren politischen Geist gewürdigt. In einem Kondolenzschreiben betonte Gauck: "In seinen Romanen, Erzählungen und in seiner Lyrik finden sich die großen Hoffnungen und Irrtümer, die Ängste und Sehnsüchte ganzer Generationen." Grass sei zeitlebens ein eigenwilliger politischer Geist gewesen, der Auseinandersetzungen und Kritik nicht fürchtete und politische Debatten über Jahrzehnte wesentlich beeinflusste. "Sein Werk ist ein beeindruckender Spiegel unseres Landes und ein bleibender Teil seines literarischen und künstlerischen Erbes", betonte Gauck nach Angaben des Präsidialamtes.

Bundestagspräsident Nobert Lammert hat Grass als Schriftsteller und wichtige politische Instanz gewürdigt. "Mit Günter Grass verlieren wir nicht nur einen der bedeutendsten Literaten deutscher Sprache, sondern auch einen engagierten Staatsbürger, der immer wieder öffentlich Stellung bezogen hat. Er scheute keine noch so heftige Kontroverse, im Gegenteil, er suchte sie, wo er sie für notwendig erachtete. Das machte ihn zu einer Instanz in der politischen Debatte, die zuweilen störte und manchmal auch verstörte."

Klaus Staeck, Präsident der Berliner Akademie der Künste, hat betroffen auf den Tod von Literaturnobelpreisträger Günter Grass reagiert. "Mit Günter Grass verliert die Welt der Literatur einen wortmächtigen Autor und unsere Republik einen ihrer streitbarsten Mitbürger", erklärte Staeck. "Wenn er die Demokratie in Gefahr sah, ging er keiner notwendigen Auseinandersetzung aus dem Wege", so der Akademiepräsident. "Ich persönlich verliere in ihm einen Freund mit Haltung, auf den man sich sowohl politisch, als auch ganz praktisch stets verlassen konnte."

Der ungarische Literaturnobelpreisträger Imre Kertesz (85) trauert um seinen Freund und Kollegen Günter Grass. "Wir haben uns nicht mit dem selben Thema beschäftigt, aber wir waren Freunde und haben uns gegenseitig geschätzt", ließ der schwer kranke Kertesz ("Galeerentagebuch") am Montag in Budapest über seine Frau Magda mitteilen.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hat den verstorbenen Literaturnobelpreisträger Günter Grass als Wegbegleiter, engen Freund und Ratgeber der deutschen Sozialdemokratie gewürdigt. "Mit ihm verlieren wir einen der bedeutendsten Schriftsteller der deutschen Nachkriegsgeschichte und einen engagierten Autor und Kämpfer für Demokratie und Frieden", erklärte Gabriel am Montag in Berlin. Grass hatte immer wieder Wahlkampf für die SPD gemacht und vor allem mit Willy Brandt einen engagierten Austausch gepflegt.

Der Schriftsteller und Politologe Johano Strasser hat den Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass als hochmoralischen politischen Menschen gewürdigt. Es sei nun aber wichtig, Grass vor allem als Schriftsteller im Gedächtnis zu behalten, sagte der langjährige Generalsekretär und Präsident des deutschen PEN-Zentrums. Spätestens nach der Lektüre des Romans "Die Blechtrommel" habe er Grass als großen Schriftsteller wahrgenommen, so Strasser.

Der Regisseur Jürgen Flimm, Intendant der Berliner Staatsoper, hat Günter Grass als großen Schriftsteller und Dichter gewürdigt, sein Tod sei ein großer Verlust für die Bundesrepublik. "Es geht auch eine polemische Stimme verloren, die überspitzen konnte, sehr oft zum Ärgernis einiger Menschen", sagte Flimm. "Ich werde vor allem seine Freundschaft und seine raue Aussprache vermissen", sagte der Regisseur.

Deutschland habe Günter Grass zuletzt "verzerrt" wahrgenommen, sagte der Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Heinrich Detering. "Grass wurde in Deutschland in den letzten Jahren zunehmend als Verfasser politischer Statements wahrgenommen und nicht als der überragende Künstler, der er war", sagte er nach dem Tod des Autors. "Sicher war er daran nicht ganz unschuldig. Wir alle wissen, dass er eine große Freude daran hatte, gezielt zu provozieren. Aber er wollte immer Diskussionen anstoßen, nicht abschließen."

Joachim Lux, Intendant des Hamburger Thalia Theaters: "Mit dem Tod von Siegfried Lenz und Günter Grass innerhalb kurzer Zeit geht eine ganze Epoche endgültig zu Ende - literarisch und auch politisch."

dpa/sbü


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