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Staatssekretär Machnig koordiniert politische Opel-Gespräche

Auto Staatssekretär Machnig koordiniert politische Opel-Gespräche

Der vom französischen Staat gestützte PSA-Konzern will den Autobauer Opel übernehmen. Lange hat die deutsche Politik davon nichts geahnt und will nun retten, was zu retten ist.

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Matthias Machnig (SPD) spricht in einer Pressekonferenz.

Quelle: Robert Schlesinger/Archiv

Rüsselsheim/Berlin. Im Übernahmepoker um den verlustreichen Autohersteller Opel haben sich Bund und Länder sortiert. Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig (SPD) soll die Gespräche mit der Opel-Mutter General Motors, den Gewerkschaften, dem französischen Bieter PSA Peugeot-Citroën und dem französischen Staat koordinieren, wie am Donnerstag aus Bund-Länder-Kreisen bekannt wurde. Die GM-Tochter Opel hat in den Ländern Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen Werke mit zusammen rund 19 000 Mitarbeitern.

Machnig kennt Opel aus seiner Zeit als Wirtschaftsminister in Thüringen mit dem Werk Eisenach. Erste Kontakte zu GM und PSA gab es bereits. So berieten Unternehmensvertreter auch mit dem Wirtschaftsberater von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Lars-Hendrik Röller, über die Opel-Zukunft. Machnig sagte dem "Handelsblatt": "Bund und Länder wollen eng zusammenarbeiten und gemeinsam mit den

 

Arbeitnehmervertretern und Gewerkschaften für den Erhalt der

 

Standorte, der Arbeitsplätze, des Entwicklungszentrums und der

 

betrieblichen Vereinbarungen arbeiten."

GM erwägt, das Unternehmen nach fast 90 Jahren an den französischen PSA-Konzern zu verkaufen, an dem der französische Staat 14 Prozent der Anteile hält. Nach Informationen des "Handelsblatt" sind die Verhandlungen schon sehr weit fortgeschritten und könnten innerhalb eines halben Jahres abgeschlossen sein.

Im Fall einer Übernahme erwarten Experten eine schnelle Integration in den Entwicklungs- und Produktionsverbund von PSA, was zu massiven Arbeitsplatzverlusten führe könnte. Der frühere Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz sagte der Deutschen Presse-Agentur, er sehe bei einem möglichen Verkauf von Opel an PSA für die nächsten beiden Jahre keine großen Beschäftigungsprobleme. "Das zähe Ringen um Einfluss und Arbeitsplätze wird dann losgehen, wenn die Unternehmen zusammengeführt werden, um Kosteneinsparungen zu generieren. Dann wird es für die Werke in Kaiserslautern und Eisenach schwierig und ganze Konstruktionsbereiche werden neu zusammengestellt." Opel werde als Juniorpartner gekauft und nach dem zurückliegenden Restrukturierungsprogramm bei PSA würden sicher das Management und die französischen Gewerkschaften für Arbeitsplätze in Frankreich an einem Strang ziehen. Zuvor hatte Franz der "Automobilwoche" gesagt, er sehe die Werke in Kaiserslautern (Motoren) und Eisenach (Fertigung) in Gefahr.

Schlimmer könnte es die GM-Werke in Großbritannien treffen, meint der britische Fusionsexperte John Colley von der Warwick Business School. PSA-Chef Carlos Tavares habe kaum eine andere Wahl, als die beiden Opel/Vauxhall-Produktionsstätten Ellesmere Port und Luton dicht zu machen, weil das den Konzern viel billiger kommen werde als Werkschließungen in Deutschland. Die GM-Fabriken in Osteuropa profitierten von den niedrigeren Lohnkosten und seien näher am Markt als die Werke auf der Insel. Das sei möglicherweise der erste Preis, den man für den Brexit zahlen müsse.

Die IG Metall hat sich bislang nur sporadisch geäußert und beim "Feuerwehr"-Besuch der GM-Chefin Mary Barra in Rüsselsheim intern die Lage sondiert. Der Opel-Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug will die Belegschaft gemeinsam mit dem IG-Metall- Bezirkssekretär Jörg Köhlinger am Freitag über die Lage ins Bild setzen.

Als Faustpfand verweist die Gewerkschaft auf einen Tarifvertrag zur Standortsicherung, der aktuell bis Ende 2018 für alle Werke betriebsbedingte Kündigungen ausschließt. Als Gegenleistung muss Opel die Tariferhöhungen aus dem Flächentarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie immer erst verzögert auszahlen. Die erstmals 2013 abgeschlossene Vereinbarung sollte den damaligen Sanierungskurs stützen und war zwischenzeitlich verlängert worden, weil Opel immer noch nicht aus der Verlustzone gefahren war. Sollte das Unternehmen die Konstruktion nach Ablauf verlassen wollen, würden sofort die aktuellen Tarifgehälter fällig, erläuterte ein Sprecher.

Nach den aktuellsten Zulassungszahlen der Herstellerverbands Acea würden Opel und PSA mit einem gemeinsamen Marktanteil von 16,7 Prozent in der EU zum zweitgrößten Hersteller hinter Volkwagen. Aktuell konnten aber die möglichen Partner nicht so schnell wachsen wie der Markt, der zu Jahresbeginn ein Gesamtplus von 10,2 Prozent auf 1,2 Millionen Fahrzeuge erreichte. Die Deutschen legten nur um 5,1 Prozent zu. PSA schlug sich mit 6,8 Prozent Zuwachs etwas besser, verloren aber ebenso wie Opel 0,3 Prozentpunkte Marktanteil.

dpa

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