Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Chefin des umstrittenen Flughafens Kassel-Calden muss gehen

Luftverkehr Chefin des umstrittenen Flughafens Kassel-Calden muss gehen

Ein knappes Jahr nach der Eröffnung hat die Abberufung der Geschäftsführerin den Flughafen Kassel-Calden in neue Turbulenzen gestürzt. Der Vertrag mit Maria Anna Muller werde aufgelöst, teilte der Aufsichtsratschef des defizitären Regional-Airports, Hessens Finanzminister Thomas Schäfer (CDU), am Samstag überraschend mit.

Voriger Artikel
SPD: Personalentscheidung löst Probleme in Kassel-Calden nicht
Nächster Artikel
Verband BUND demonstriert in sieben Städten gegen Kohle und Atom

Flughafen Kassel-Calden: Maria Anna Muller muss gehen.

Quelle: Uwe Zucchi/Archiv

Kassel/Wiesbaden. Grund dafür seien nicht erfüllte Erwartungen und der wachsende Erfolgsdruck von außen. Die im Land mit der Union regierenden Grünen verlangten, die Weichen müssten jetzt neu gestellt werden. Die SPD-Opposition forderte ein neues Betriebskonzept.

Der Anfang April vergangenen Jahres eröffnete Flughafen steht wegen hoher Kosten und geringen Passagierzuspruchs schon lange in der Kritik. Kassel-Calden sollte ursprünglich 151 Millionen Euro kosten, es wurden dann 271 Millionen Euro. Gesellschafter sind das Land Hessen, das den Flughafen fast allein bezahlt hat, sowie die Stadt und der Landkreis Kassel und die Gemeinde Calden.

Im Winterflugplan standen keine Ferienflieger im Programm. Die nächsten Abflüge sind für April geplant. Im November hatte die Fluggesellschaft Turkish Airlines Linienflüge zwischen Kassel und Istanbul angekündigt. Wann die Verbindung allerdings aufgenommen wird, steht noch nicht fest.

Auf einer Aufsichtsratssitzung am kommenden Mittwoch soll die einvernehmliche Vertragsauflösung formalisiert werden. Der Flughafen müsse jetzt in "medial ruhigeres Fahrwasser" geleitet werden, um ihn zum Erfolg zu führen, erklärte Schäfer. "Ich hätte daher gerne meine Aufgabe hier fortgesetzt", versicherte Muller, die 18 Monate im Amt war. Ihr Rückzug könne aber dazu beitragen, "die Diskussionen um den Sinn des Flughafens und seine weitere Betriebstätigkeit wieder in eine rationale Dimension zu überführen".

Geplant waren für 2013 rund 100 000 Passagiere. Da sich aber eine Fluggesellschaft wegen Insolvenz zurückzog, wurde nur noch mit knapp der Hälfte des geplanten Aufkommens gerechnet. Für das Jahr 2013 war erneut ein Defizit zwischen sechs und sieben Millionen Euro erwartet worden.

Die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, Karin Müller, verlangte einen "zukunftsfähigen Kurs", um das Defizit um zehn Prozent pro Jahr zu senken. Darauf hat sich Schwarz-Grün im Koalitionsvertrag verständigt. 2017 soll außerdem der Flughafen nochmals auf den Prüfstand. Die Grünen hatten den Flughafen vor Eintritt in die Regierung stets als Millionengrab ohne Zukunft kritisiert.

Wie die Grünen verwies auch die SPD-Opposition darauf, dass der Austausch von Köpfen nicht genüge. "Wir brauchen dringend einen Wechsel beim Betriebskonzept", verlangte der parlamentarische Geschäftsführer der Landtagsfraktion, Günter Rudolph. Außerdem müsse die nordhessische Wirtschaft an Kassel-Calden beteiligt werden. Die SPD gehörte anders als die Grünen stets zu den Befürwortern des Flughafens.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wirtschaft

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr