Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 2 ° Regenschauer

Navigation:
Wirtschaftsprüfer: Mehr Großstädte in Schuldenspirale

Kommunen Wirtschaftsprüfer: Mehr Großstädte in Schuldenspirale

Die Steuereinnahmen sprudeln, Zinsen für Kredite sind extrem niedrig. Dennoch geraten immer mehr große Städte tief ins Minus - und das schon in der Zeit vor der Flüchtlingskrise. Besonders betroffen sind etwa Kommunen in Rheinland-Pfalz, Saarbrücken und Offenbach.

Voriger Artikel
Neuer Bürgermeister für Ginsheim-Gustavsburg gewählt
Nächster Artikel
Deutlich weniger Abschiebungen im November

Laut der E&Y GmbH ist Saarbrücken die am stärksten verschuldete Großstadt.

Quelle: Peer Grimm/Archiv

Berlin. Deutsche Großstädte geraten trotz steigender Steuereinnahmen immer stärker in die Schuldenfalle. Dabei sind die zu erwartenden hohen Ausgaben durch höhere Flüchtlingszahlen noch nicht eingerechnet. Nach einer Übersicht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young stieg die Gesamtverschuldung der 72 Städte mit mehr als 100 000 Einwohnern im vergangenen Jahr um 3,2 Prozent auf 82,8 Milliarden Euro. Besonders betroffen sind etwa Saarbrücken, Offenbach und Städte in Rheinland-Pfalz.

Der Anstieg insgesamt sei stärker ausgefallen als im Vorjahr - trotz guter Konjunkturlage, wachsender Steuereinnahmen, günstiger Finanzierungskosten sowie kommunaler Rettungsschirme in acht Bundesländern, heißt es in der am Montag vorgelegten Studie. Darin warnt Ernst & Young vor neuen Belastungen.

Der Analyse zufolge entfielen auf jeden Großstadtbewohner im Schnitt kommunale Schulden in Höhe von 4299 Euro - gegenüber 4174 Euro im Jahr davor. Die Zahl der Großstädte, die sehr stark in der Kreide stehen mit Pro-Kopf-Schulden von mindestens 6 000 Euro, sei 2014 auf 16 gestiegen. Im Jahr 2012 waren es den Angaben zufolge noch 13. Mehr als jede zweite Großstadt sei mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von über 4000 Euro belastet. Die Stadtstaaten wurden in der Analyse nicht mit berücksichtigt.

Steigende Flüchtlingszahlen dürften die Verschuldung einiger stark betroffener Städte weiter in die Höhe treiben, heißt es zudem. Aktuell führe die Unterbringung und Betreuung der Flüchtlinge zu erheblichen Kosten, die den Kommunen nur teilweise ersetzt würden. Noch profitierten die Städte erheblich von den niedrigen Zinsen, was für eine gewisse Entlastung sorge.

"Allerdings wird sich das Blatt wenden, wenn die Zinsen wieder steigen", warnt der Ernst-&-Young-Experte Bernhard Lorentz.​ Dann drohten den Städten sehr schnell erhebliche Probleme, weil inzwischen ein großer Teil der Schulden aus kurzfristigen Liquiditätskrediten bestehe.

Besonders betroffen von hoher Verschuldung sind laut Ernst & Young die Städte in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Die vier rheinland-pfälzischen Großstädte wiesen im Schnitt eine Pro-Kopf-Verschuldung von 7063 Euro auf, bei den 28 NRW-Städten seien es 5081 Euro. Die acht bayerischen Großstädte dagegen kämen auf je 3470 Euro, bei den sechs niedersächsischen Großstädten liege die Verschuldung bei 2206 Euro je Einwohner.

Die durchschnittliche Pro-Kopf-Verschuldung der ostdeutschen Großstädte sei deutlich niedriger als die der westdeutschen Großstädte. Während die ostdeutschen Großstädte ihre Pro-Kopf-Schulden seit 2012 um 0,3 Prozent reduziert hätten, sei die der West-Großstädte um 3,3 Prozent gestiegen.

Die am stärksten verschuldete Großstadt ist laut Ernst & Young Saarbrücken mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 11 568 Euro, gefolgt von Oberhausen mit 9556 Euro und Offenbach am Main mit 8785 Euro. Die am wenigsten verschulden Großstädte sind Braunschweig mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 452 Euro, Jena (724 Euro) sowie Düsseldorf (1137 Euro).

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Politik

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr