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Warum es über Hessen geknallt hat

Bundeswehr-Jets Warum es über Hessen geknallt hat

Wenn der Funkkontakt zu einem Flugzeug abbricht, rücken Bundeswehrjets aus. Am Wochenende passierte das im deutschen Luftraum gleich zwei Mal.

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Ein Flugzeug von Korean Air fliegt am Sonntag (15. Juli) am Himmel über Maichingen (Landkreis Böblingen, Baden-Württemberg). Wegen eines unterbrochenen Funkkontakts haben zwei Bundeswehrjets diese koreanische Passagiermaschine zum Stuttgarter Flughafen begleitet und zum Landen gebracht.

Quelle: SDMG/SDMG/dpa

Marburg. Knallgeräusche von zwei Überschalljets haben am Freitag in Hessen viele Menschen schockiert. Auch im Landkreis waren die Überschallknalle sehr deutlich zu hören. Ähnlich ging es einen Tag später Menschen im Großraum Stuttgart. Denn gleich zwei Mal waren am Wochenende Bundeswehrjets aufgestiegen, weil Passagiermaschinen keinen Funkkontakt mehr hatten.

Am Freitagabend hatte eine ägyptische Passagiermaschine­ Überschallflüge zweier Bundeswehrjets in der Grenzregion von Hessen und Bayern ausgelöst. Die Besatzung des Fliegers hatte offenbar eine falsche
Frequenz eingestellt. Sie meldete sich wieder, ehe die Abfangjäger aufgeschlossen hatten. Sie mussten daher nicht mehr eingreifen.  

Ebenfalls wegen unterbrochenen Funkkontakts zwangen zwei Eurofighter am Samstagabend eine Passagiermaschine­ der Korean Air am Stuttgarter­ Flughafen zum Landen. Die Boeing 777 war auf dem Weg nach Zürich, als der Funkkontakt abbrach, wie eine Sprecherin des Flughafens sagte. Nachdem das Flugzeug gelandet war, wurde festgestellt, dass das Funkgerät defekt war. Die 211 Passagiere mussten die Nacht auf Feldbetten im Flughafen verbringen.

„Der häufigste Grund, dass die Luftwaffe angefragt wird, ist, dass kein Funkkontakt hergestellt werden kann“, sagt ein Sprecher der Luftwaffe. Etwa ein bis zwei Mal im Monat rücken sogenannte Abfangjäger ihm zufolge bundesweit aus, weil der Funkkontakt unterbrochen ist. Dass sie eine Maschine tatsächlich zum Landen zwingen – so wie am Samstagabend in Stuttgart – sei aber „eine Besonderheit“.

„Wenn mehr unterwegs sind, passiert auch mehr“

Die Boeing 777 der Korean Air war mit 211 Passagieren auf dem Weg von Seoul nach Zürich, als der Funkkontakt abbrach. Daraufhin stiegen die Eurofighter auf. Nachdem das Flugzeug gelandet war, wurde der Polizei zufolge festgestellt, dass das Funkgerät defekt war. „Hier war das eine Premiere“, sagt die Stuttgarter Flughafen-Sprecherin Beate Schleicher. Sie erinnere sich nur an einen Fall mit unterbrochenem Funkkontakt – und der liege viele Jahre zurück.
Erst am Vorabend hatte eine ägyptische Passagiermaschine Überschallflüge zweier Bundeswehrjets in der Grenzregion von Hessen und Bayern ausgelöst. Der Grund war ebenfalls harmlos: Die Besatzung hatte nach ersten Erkenntnissen eine falsche Funkfrequenz eingestellt.

„Die beiden Fälle haben nichts miteinander zu tun“, erklärt der Experte der Luftwaffe. Warum sich die Einsätze der Abfangjäger aber gerade jetzt häufen? „Es hängt damit zusammen, dass Ferienzeit ist“, sagt er. „Das ist wie auf der Autobahn: Wenn da mehr unterwegs sind, passiert auch mehr.“

Der Ernstfall ist äußerst selten

Wann die Abfangjäger dann tatsächlich aufsteigen, sei abhängig vom Einzelfall. „Es wird nicht sofort eskaliert.“ Wann die Jets starten, hänge von mehreren Kriterien ab – eines davon sei die Flugroute der betreffenden Maschine. Überfliege sie „sensible Punkte“ wie ein Atomkraftwerk oder Großstädte, werde eher eingegriffen. „Dann sind die Nerven nicht ganz so stark.“ Erst im März dieses Jahres wurden fünf Kernkraftwerke in Schleswig-Holstein und Niedersachsen kurzzeitig geräumt, weil kein Funkkontakt zu einem Flugzeug hergestellt werden konnte. Abfangjäger stiegen auf und begleiteten das Flugzeug. Nach Angaben der Luftwaffe war der Funkkontakt zu dem Flugzeug schon über Ungarn abgebrochen.

Die Maschine wurde von tschechischen Abfangjägern begleitet und beim Einfliegen in den deutschen Luftraum von zwei Eurofightern der Luftwaffe übernommen. In solchen Fällen werde per Sichtkontakt geprüft, ob es eine ungewöhnliche Situation an Bord gebe, sagte ein Sprecher damals.

Der Ernstfall ist tatsächlich selten: Nach Zahlen des Verteidigungsministeriums von Ende 2016 stiegen Eurofighter in den vergangenen fünf Jahren sechs Mal wegen Terrorverdachts auf. Immer gab es Entwarnung.

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