Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
"Viva Rio": Rubem Fernandes nimmt Friedenspreis entgegen

Auszeichnungen "Viva Rio": Rubem Fernandes nimmt Friedenspreis entgegen

In den oft tristen Favelas von Rio fühlt sich Rubem César Fernandes heimischer als im klassizistischen Wiesbadener Stadtschloss. Der brasilianische Aktivist und Intellektuelle kommt sich am Donnerstag unwirklich vor als er im feudal ausgestatteten Musikzimmer des Landtags den Hessischen Friedenspreis entgegennimmt.

Voriger Artikel
Verkehrsausschuss lehnt Anhörung zu Terminal 3 am Fughafen ab
Nächster Artikel
Schwarz-Grün lehnt Anhörung zu Terminal 3 im Landtag ab

Rubem Cesar Fernandes erhält den mit 25 000 Euro dotierten Preis. Foto:B.Roessler

Wiesbaden. Lateinamerika habe aber schon immer etwas für "magischen Realismus" übriggehabt, sagt er zur Kulisse in seiner Dankesrede. 25 000 Euro ist der angesehene Preis wert, den Hessen seit 1994 vergibt.

Etwas Magisches ist mit Hilfe von Fernandes auch in Rio de Janeiro passiert. In einer der einst mörderischsten Metropolen der Welt ist die Gewalt in den vergangenen 20 Jahren deutlich zurückgegangen. 1993 hatte Fernandes mit anderen Bürgern aus der Mitte der Gesellschaft die Organisation "Viva Rio" gegründet, um gegen die Kleinkriege der Drogenbanden in den Armenvierteln vorzugehen. Es gelang, fast 500 000 Kleinwaffen aus Privatbesitz einzusammeln. Kooperiert werden musste dabei auch mit der oft korrupten Polizei, die in Rio einen schlechten Ruf hat.

Heute ist "Viva Rio" eine große Organisation mit 5000 Angestellten, die sich weit über die Favelas von Rio hinaus im Gesundheits- und Umweltbereich engagiert. "Wir vermissen manchmal sogar die Gewalt", sagt Fernandes scherzhaft zur Neuausrichtung seiner Organisation. Der 71-Jährige, der sich als UNO-Experte inzwischen international einen Namen gemacht hat, hat dabei keinerlei Berührungsängste. Er arbeitet auch mit großen Beteiligungsfirmen und der Börse zusammen, wenn etwas für seine sozialen Projekte abfällt.

Mit der Auszeichnung von Fernandes geht der Preis erstmals an jemanden, der sich mit der Gewalt in Städten auseinandersetzt. Fernandes habe mit seiner Organisation vielen Menschen eine neue Perspektive gegeben, würdigt Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) den Preisträger. Rio sei als Stadt immer "Traum und Alptraum" zugleich.

Fernandes hätte für seine Projekte gerne auch mehr deutsche Beteiligung, wie er in Wiesbaden sagt. Trotz der jüngsten Fußballschmach der Brasilianer gegen Deutschland. "Wir sind in der Lage, nach Niederlagen wiederaufzustehen", sagt er augenzwinkernd. Schließlich sei auch sein Land im Finale für Deutschland gewesen. Er verschweigt dabei lieber, dass es gegen Brasiliens Fußball-Erzfeind Argentinien ging.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Politik

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr