Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 6 ° Regenschauer

Navigation:
Sie wollen alle nur spielen

Musikmesse in Frankfurt Sie wollen alle nur spielen

Weniger Aussteller, weniger Stars, dafür mehr Konzentration auf Saiten, Tasten, Mundstücke und Notenpulte: Die Musikmesse ist nüchterner geworden, hat für Musiker jedoch kaum etwas von ihrer Faszination eingebüßt.

Voriger Artikel
Holpriger Start und Flug ins Ungewisse
Nächster Artikel
Der Täter war in Wahrheit das Opfer

Ein Schlagzeuger beeindruckt die Zuhörer mit seiner Drumdemo. Damit die Piano-Präsentation und das Blasorchester nebenan nicht gestört werden, wird der Schlagzeug-Sound auf Kopfhörer übertragen.

Quelle: Carsten Beckmann

Frankfurt. Die wollen doch nur spielen. Der in Würden ergraute Oberstudienrat aus Südhessen, der sich mit geschlossenen Augen an einem 50000-Euro-Flügel auf eine große Bühne träumt, während er Chopin aus den Fingern schüttelt. Der 19-jährige Drummer Yannick, der daheim im Dillkreis bisweilen auch die E-Gitarre seines Vaters aus dem Koffer nimmt, um ein bisschen Krach zu machen. Oder die adrett herausgeputzte Musikstudentin, die ganz tief Luft holt, um einem Bassfagott einen tieffrequenten Ton zu entlocken, der - na, sagen wir: etwas unanständig klingt.

Branche unter Druck

Alle wollen sie nur spielen, und das freut nach wie vor eine ganze Branche, in der allerdings mittlerweile der gleiche Kostendruck herrscht, sich die gleichen Konzentrationsprozesse und Wettbewerbsverwerfungen ereignen wie in der gesamten Konsumgüterindustrie. Deutlich sichtbar ist die Zahl der Aussteller auf der Frankfurter Musikmesse 2013 im Vergleich zu den Vorjahren zurückgegangen - viele kleinere Hersteller aus dem In- und Ausland können sich die Reise in die Mainmetropole schlicht nicht leisten, während große Unternehmen im Dialog mit dem Einzelhandel vermehrt auf ihre eigenen Hausmessen setzen.

Wieder einmal dreht sich alles um Saiten, Tasten, Boxen und alles was sonst noch Töne von sich gibt. Die Musikmesse in Frankfurt ist der Treff für alle Musikinteressierten.

Zur Bildergalerie

Wer sein Portfolio in Frankfurt präsentiert, tut dies in diesem Jahr betont professionell und verhalten - die Glamourauftritte autogrammschreibender Rockposer leistet sich heute kaum jemand mehr. Eher setzen die Hersteller auf den Stall ihrer Endorser - Menschen wie Bass-Schwergewicht Frank Itt, der ganz nüchtern sagt: „Wir sind nicht zum Spaß hier, sondern arbeiten für die Firma, die uns unsere Instrumente zur Verfügung stellt - und die sind nun mal ziemlich geil.“

Spaß hat Itt trotzdem sichtbar, als er mit seinen Jazzrock-Kumpels Wolfgang Haffner, Ralf Gustke und Robbee Mariano den alten Funk-Reißer „Pick up the Pieces“ ins Festivalzelt drückt - zur Freude der Fans und zu Ehren der Marke mit den drei Stimmgabeln.

Im Großzelt zwischen den Messehallen gibt’s zwischen zackigen Kurzauftritten der Bundeswehr-Bigband und Metalhexereien von Victor Smolski noch bis Samstagabend ein gut durchgemixtes Unterhaltungsprogramm. Doch ebenso spannend ist es in Frankfurt für die Messebesucher, sich durch die Hallen treiben zu lassen und überall dort ein paar Minuten stehenzubleiben, wo meist eher namenlose Profis zeigen, was sich aus den zur Schau gestellten Instrumenten herausholen lässt. Viel revolutionär Neues gibt’s in diesem Jahr höchstens im Detail zu bestaunen, in der Masse handelt es sich um Updates und Variationen bekannter Modelle: Große Gitarrenhersteller wie Fender etwa durchstöbern in immer kürzerer Taktung ihren Modellbaukasten, um Käuferschichten anzusprechen, die sowohl nach Individuallität suchen als auch nach den Qualitätsmerkmalen bekannter Features.

Suche im Internet

Die Legion der Fernostproduzenten setzt weiter auf Preisdumping beim Versuch, für ganz kleines Geld ganz nach teuren Vorbildern aussehende Instrumente zu bauen. Damit schielen die Chinesen insbesondere auf die Käufergruppe junger Musikeleven, die meist im Internet nach ihrer ersten Brettgitarre, dem ersten amtlich aussehenden Verstärker oder dem ersten bühnentauglichen Drumset suchen.

nHeute öffnet die Musikmesse Frankfurt um 14 Uhr für Nicht-Fachbesucher ihre Pforten. Das Halbtagesticket kostet für Erwachsene 10 Euro und die Hälfte für Kinder von 6 bis 14 Jahren. Am Samstag öffnet die Messe um 9 Uhr, an diesem Tag kostet das Ticket für Erwachsene 30 Euro, 6-14-Jährige zahlen 8 Euro. An beiden Tagen schließt die Musikmesse um 18 Uhr.

von Carsten Beckmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr