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Sicherheitslücken in Bundestagswahl-Software

Wahlen Sicherheitslücken in Bundestagswahl-Software

Bei der Bundestagswahl werden die Stimmen auf Papier abgegeben. Doch bei der Übermittlung der Ergebnisse an die Wahlleiter kommen Computer zum Einsatz. Eine weit verbreitete Software ist aber offenbar nur ungenügend abgesichert, wie ein Darmstädter Informatiker herausfand.

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Plenarsaal des Bundestages in Berlin. Rainer Jensen/Archiv

Quelle: Rainer Jensen

Wiesbaden/Berlin. Sicherheitsforscher haben gravierende Mängel in einer Software gefunden, mit der in etlichen Kommunen die Wahlergebnisse der Bundestagswahl zusammengetragen und an den Landeswahlleiter übermittelt werden. Nach den Untersuchungen eines Informatikers aus Darmstadt und des Chaos Computer Clubs (CCC) klaffen in dem Programm "PC Wahl" des Anbieters Vote IT etliche Sicherheitslücken, wie "Zeit Online" und die Wochenzeitung "Die Zeit" am Donnerstag berichteten.

So sei die Übertragung der korrekten Wahldaten aus den Gemeinden an den Wahlleiter weder durch eine Verschlüsselung noch durch eine wirksame Authentifizierung abgesichert gewesen. Der CCC veröffentlichte am Donnerstag eine ausführliche Analyse der Wahlsoftware auf der Programmier-Plattform Github.

Ein Sprecher des Bundeswahlleiters sprach von einem "ernsten Problem", das schon vor Wochen bekannt geworden sei. Der Hersteller habe in der Zwischenzeit etliche Updates der Software nachgeliefert, um Lücken zu schließen. Die Landeswahlleiter seien nun aufgefordert worden, die Übermittlung der korrekten Wahldaten zusätzlich abzusichern. Die Ermittlung des vorläufigen amtlichen Wahlergebnisses sei von den Sicherheitslücken aber nie betroffenen gewesen, weil dort andere Übertragungswege gewählt würden.

Nach der Analyse des Chaos Computer Clubs war es zwischenzeitlich auch möglich, den Kommunen eine infizierte Version des Programms PC-Wahl unterzuschieben, weil die Zugangsdaten für einen geschützten Support-Bereich für die Gemeinden im Netz aufzufinden gewesen seien. Dieses Loch sei aber inzwischen gestopft worden.

Das Programm selbst sei aber so schlecht, dass es "nie hätte eingesetzt werden dürfen", sagte CCC-Sprecher Linus Neumann der "Zeit". In der Software werde "keine richtige Verschlüsselung, sondern nur eine Maskierung" verwendet. Jeder, der Zugriff auf das Programm habe und die Verschlüsselung brechen könne, bekomme damit auch Zugriff auf die Passwörter und könnte so manipulierte Wahldaten weiterschicken.

Volker Berninger, der Entwickler von PC-Wahl, bestritt in dem "Zeit"-Artikel die Behauptung der Forscher, die Bundestagswahl könne manipuliert werden. "Bei dem schlimmsten Szenario würde jemand damit Verwirrung stiften. Dann würden zwar irgendwelche falschen Ergebnisse im Internet stehen, aber auf dem Papier wären noch immer die richtigen vorhanden. Das gibt Ärger und Verwirrung, hat aber keine Relevanz."

Nach Darstellung des CCC wurde der Hersteller erstmals im Juni kontaktiert. Seitdem seien Schwachstellen auf den Servern des Anbieters beseitigt worden. Auch für die Software habe es mehrere Updates gegeben, bestätigte der CCC. Sämtliche Gegenmaßnahmen hätten sich allerdings "bereits bei oberflächlicher Überprüfung als ungeeignet zur Beseitigung der gemeldeten Schwachstellen" erwiesen.

Der Club forderte, die Beschleunigung der Vorgänge bei einer Wahl dürfe nicht wichtiger sein als Sicherheit, Korrektheit und Nachvollziehbarkeit. Außerdem müssten die Wähler selbst alle Resultate überprüfen können. Alle Software-Komponenten, die bei der Auswertung der Wahl verwendet werden, müssten öffentlich einsehbar und nicht geheim sein.

Der Landeswahlleiter von Hessen räumte in einem Schreiben an die Kreiswahlleiter ein, dass "ein Versuch einer Einflussnahme oder Störung der Wahldatenübermittlung nicht ausgeschlossen werden kann". Er ordnete an, dass die Wahlhelfer am 24. September sämtliche übermittelte Ergebnisse nach dem Versenden auf der Webseite des Statistischen Landesamtes überprüfen sollen, wo sie aufgelistet werden. Bei jeder Auffälligkeit sollen sich die Wahlhelfer telefonisch melden.

Der Landeswahlleiter teilte am Abend in Wiesbaden ergänzend mit, dass das Land Hessen für die Ermittlung der Ergebnisse der Bundestagswahl ausschließlich das vom Hessischen Statistischen Landesamt betriebene WahlWeb Hessen verwende, das alle Sicherheits-Standards erfülle. Ein Bezug zu dem kritisierten Programm besteht den Angaben zufolge nur dadurch, dass mit dem Programm die Wahlbezirksergebnisse in das WahlWeb hochgeladen werden können.

Ob aufgrund der nun veröffentlichten Analyse des CCC weiterer Handlungsbedarf bestehe, müsse zunächst der Hersteller oder der Vertrieb der Software prüfen, erklärte der Landeswahlleiter Hessen. Der Hersteller habe bereits Schritte zur Abhilfe der kritisierten Mängel getroffen und die kommunalen Wahlleiter darüber informiert.

Eine echte Manipulation der Wahlergebnisse durch eine Analyse-Software wie PC-Wahl gilt unter Experten als einigermaßen unwahrscheinlich. Wenn das Ergebnis eines Wahlkreises oder sogar eines Bundeslandes angezweifelt wird, können die Stimmzettel neu ausgezählt werden. Bei digitalen Wahlcomputern, die beispielsweise in den Niederlanden zum Einsatz kommen, haben Fachleute immer wieder auf die Gefahr einer echten Wahlmanipulation hingewiesen.

dpa

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