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Schlangestehen für Satiremagazin "Charlie Hebdo" auch in Hessen

Terrorismus Schlangestehen für Satiremagazin "Charlie Hebdo" auch in Hessen

Großer Andrang, aber nur wenige Exemplare: Die erste Ausgabe des französischen Satiremagazin "Charlie Hebdo" nach dem Terroranschlag von Paris ist am Wochenende auch in Hessen in Minutenschnelle vergriffen gewesen.

Frankfurt/Hanau. Im Frankfurter Hauptbahnhof versuchten Hunderte Interessenten am Samstag bei Öffnung der Bahnhofsbuchhandlung um 5.00 Uhr, eines von nur 38 Exemplaren zu ergattern. "Wir wollten die Kunden zunächst einzeln in den Laden schleusen, aber wir konnten die Tür nicht lange halten", sagte ein Mitarbeiter. Was sich dann abspielte, habe er so noch nie erlebt: Streit und Gerangel um eine Zeitschrift.

Die Mitarbeiter der Bahnhofsbuchhandlung mussten auch später noch Hunderte Interessenten wegschicken - wie etwa Dieter Müller. "Es war zu erwarten, aber ich bin trotzdem enttäuscht, dass ich kein Exemplar bekommen habe", sagte der Frankfurter. "Ich wollte mit dem Kauf meine Solidarität bekunden." Auch andere Motive könnten bei manchen Käufern eine Rolle gespielt haben: Auf der Internet-Verkaufsplattform Ebay wechselten nur wenige Stunden nach dem Run auf "Charlie Hebdo" die ersten Exemplare den Besitzer - für bis zu 100 Euro.

Unterdessen setzten in Hanau bei einer Kundgebung rund 600 Menschen erneut ein Zeichen für Frieden und Freiheit, wie die Polizei in Offenbach mitteilte. Zu dem Bekenntnis unter dem Motto "Nous sommes Charlie" hatte Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) aufgerufen. Auch in Gießen versammelten sich laut Polizei 600 Menschen zu einer Kundgebung für ein friedliches Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Religionszugehörigkeit. In Rodgau hatte die islamische Gemeinde zu einer Mahnwache aufgerufen.

Das Interesse an "Charlie Hebdo" ist nach der Terror-Attacke von Paris vergangene Woche immens gestiegen. Statt mit rund 60 000 Exemplaren wurde das Magazin erstmals in Millionenauflage gedruckt. Deutschlandweit gab es aber nur eine Mini-Auflage vor allem für Hauptbahnhöfe, Flughäfen und Großstadt-Kioske.

Mehrere Zeitschriftenläden mit internationaler Presse in Frankfurt bekamen nach eigenen Angaben kein einziges Exemplar der Erstlieferung. Ob deutsche Zeitschriftenhandlungen bei einem möglichen Nachdruck der Auflage mit Exemplaren bedacht werden, war nach Angaben eines Frankfurter Händlers vom Sonntag zunächst noch unklar.

Die Redaktion des Magazins war vor gut einer Woche Ziel eines Anschlags. Zwölf Menschen wurden getötet, der Großteil davon Mitarbeiter der Zeitschrift. Teils sehr derbe frühere Mohammed-Karikaturen von "Charlie Hebdo" gelten als Hintergrund des Angriffs mutmaßlich islamistischer Terroristen.

dpa

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