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Scheinstudenten nur noch Einzelfälle

Studium Scheinstudenten nur noch Einzelfälle

Ein Semesterticket für Bus und Bahn, eine günstigere Krankenversicherung, weniger Eintritt in Theater und Museen: Studenten genießen viele finanzielle Vorteile.

Frankfurt. Prüfungsstress und überfüllte Hörsäle sind oft die Kehrseite der Medaille. Mit Letzterem haben sogenannte Scheinstudenten kein Problem. Sie schreiben sich nur an einer Hochschule ein, um von den Vergünstigungen zu profitieren, studieren aber nicht ernsthaft. Ein Problem für die Universitäten?

„Es gibt Studenten, die lediglich auf dem Papier eingeschrieben sind“, sagt die Sprecherin der Universität Gießen, Lisa Dittrich. Allerdings habe die Uni keine Möglichkeit, die Zahl der Scheinstudenten zu erfassen oder gegen sie vorzugehen. „Die Regelstudienzeit ist ja keine Pflichtvorgabe“, erklärt Dittrich. Gründe für ein Überschreiten könnten etwa Praktika oder längere Auslandsaufenthalte sein.

Ähnlich sieht das auch Sebastian Mense, Sprecher der Universität Kassel. „Natürlich gibt es Studenten, die 20 Semester und mehr studieren. Ich warne aber davor, daraus den Schluss zu ziehen, das wären alles Scheinstudenten.“ Die Uni Kassel gehe davon aus, dass jeder, der sich einschreibt, auch ein ernsthaftes Interesse am Studium habe.

Olaf Kaltenborn, Sprecher der Universität Frankfurt, glaubt, dass sich das Phänomen Scheinstudium durch die Umstellung auf Bachelor und Master entschärft hat. „Die Dichte der Prüfungen hat stark zugenommen.“

Bei den Diplom- und Magisterstudiengängen sei es dagegen noch möglich gewesen, bis kurz vor dem Examen keine einzige Prüfung abzulegen. „Viele Fachbereiche kontrollieren mittlerweile die Zeitfristen der Studienordnung“, erklärt der Leiter der Studienberatung, Marco Blasczyk. Die Wirtschaftswissenschaften etwa gäben den Studenten maximal neun Semester Zeit bis zum Bachelor. Bei einem Semesterbeitrag von 327,50 Euro lohne sich ein Scheinstudium zudem kaum noch. Eine reguläre Monatskarte kostet in Frankfurt 81 Euro, pro Semester also 486 Euro.

Auch bei der Technischen Universität Darmstadt glaubt man, dass in Zeiten von Bachelor und Master nur noch wenige Studenten zum Schein studieren. „Wir sehen jetzt sehr genau, wie weit jeder Student im Studienverlauf ist“, sagt Sprecher Christian Siemens. Scheinstudenten seien Einzelfälle.

Von Einzelfällen spricht auch der Referent für Hochschulzulassung der Universität Marburg, Kurt Bunke. Solange ein Student seinen Prüfungsanspruch nicht verwirke, seien der Uni zudem die Hände gebunden. „Manche Fächer schreiben vor, dass Studenten bis zum dritten Semester eine bestimmte Anzahl an Leistungspunkten erreichen müssen - sonst fliegen sie raus.“ Um herauszufinden, wie viele Studenten nur zum Schein eingeschrieben seien, müsse man eine empirische Befragung vornehmen. „Ich weiß nicht, ob sich das lohnen würde“, sagt Bunke.

Im hessischen Wissenschaftsministerium kennt man das Problem mit den Scheinstudenten, sieht aber wenig Möglichkeiten, dagegen vorzugehen. „Im Hochschulgesetz ist zwar die Möglichkeit der Exmatrikulation vorgesehen.

Die Hochschulen müssten dann aber beweisen, dass der Betreffende nur zum Schein eingeschrieben ist“, erklärt Ministeriumssprecher Ulrich Adolphs. Es sei fast unmöglich, diesen Nachweis zu erbringen. „Die Unis können ja nicht jedem Studenten einen Aufpasser an die Seite stellen.“

Nach Ansicht des Allgemeinen Studierenden Ausschusses (AStA) der Uni Gießen sind Scheinstudenten kein großes Problem. „Durch längeres Studieren wird niemandem ein Studienplatz geklaut“, sagt Lucas Proehl vom AStA Gießen.

Auch würden keine zusätzlichen Kosten entstehen. „Es ist beispielsweise nicht möglich, Hartz IV zu beziehen und gleichzeitig als Scheinstudent eingeschrieben zu sein.“

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