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Pierre Vogel tritt in Offenbach auf: Weniger Teilnehmer als erwartet

Extremismus Pierre Vogel tritt in Offenbach auf: Weniger Teilnehmer als erwartet

Der umstrittene Salafisten-Prediger Pierre Vogel ist am Samstag begleitet von einem großen Polizeiaufgebot in Offenbach aufgetreten. An der Kundgebung nahmen nach Polizeiangaben bis zu 200 Menschen teil.

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Hunderte Menschen protestierten gegen Vogels Predigt.

Quelle: Ingo Wagner/Archiv

Offenbach. Ein Bündnis aus Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und muslimischen Vereinen protestierte dagegen. Unter ihre Demo mischten sich auch Anhänger der rechten Szene. Es blieb aber friedlich.

Zu dem Auftritt des Konvertiten und Ex-Boxers Vogel waren ursprünglich bis zu 500 Menschen erwartet worden. Als er drei Stunden zu spät ankam, waren bereits zahlreiche Teilnehmer wieder gegangen. An der Gegendemo beteiligten sich nach Polizeiangaben rund 300 Menschen, die Veranstalter selbst sprachen von 400. Sie hielten Schilder mit Aufschriften wie "Salafisten sind Rassisten" oder "Pierre hat 'nen Vogel" in die Luft. "Wir sind hier, weil wir zeigen wollen, dass in unserer Mitte kein Platz für Intoleranz ist", sagte Omar El Manfalouty vom Bündnis "Bunt statt Braun".

Zwischen ihren lauten Buhrufen war auch der Gesang der deutschen Nationalhymne zu hören. Manche Teilnehmer schwenkten Deutschlandfahnen. Nach Angaben von Stadtsprecher Matthias Müller gehörten sie der rechten Fußballszene an. "Das hilft der Sache natürlich nicht", sagte er. Die übrigen Demonstranten hätten aber bewiesen, dass die Salafisten keinen Platz in der Stadt hätten. "Sicher hätten wir uns gewünscht, dass Vogel überhaupt nicht auftritt", fügte er hinzu. Die Stadt habe aber keine Rechtsgrundlage gesehen, ein entsprechendes Versammlungsverbot auszusprechen.

Von seinen Anhängern wurde Vogel wie ein Popstar gefeiert. Viele machten Aufnahmen mit ihren Handys. Er selbst bezeichnete sich in seiner Rede selbstironisch als "Hassprediger auf Tour". Darin ging er auf die Scharia ein, die islamische Rechtsprechung: "Wir brauchen einen Maßstab", sagte er. "Prinzipiell ist dieser Maßstab die Scharia."

In Deutschland werde vielen Muslimen ein falscher Islam beigebracht. "Wir haben keinen Kuschelgott, wir haben einen wahrhaftigen Gott. Er hat das Recht, Dir zu sagen, was Du tun sollst", sagte Vogel. Der 35-Jährige forderte die Nicht-Muslime unter den Teilnehmern auf, zum Islam zu konvertieren. Ein Mann und eine Frau kamen dem an Ort und Stelle nach.

Nach Einschätzung des Landesamtes für Verfassungsschutz versuchen Salafisten in Hessen, mit solchen Aktionen Anhänger zu gewinnen. Sie verteilen Korane und werben junge Muslime für den Bürgerkrieg in Syrien an. Die Sicherheitsbehörden schätzen die Zahl der Salafisten in dem Bundesland auf etwa 1200.

Der Polizei sind allein in Frankfurt rund 350 gewaltbereite Salafisten bekannt. Aus dem Rhein-Main-Gebiet sind sogar Schüler nach Syrien ausgereist, um im Bürgerkrieg zu kämpfen. Für Aufregung hatte vor kurzem die Schließung eines Jugendhauses in Frankfurt gesorgt. Salafisten hatten eine Mitarbeiterin bedroht. Nach sechs Wochen öffnete die Einrichtung wieder.

dpa

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