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Partikeltherapie in Marburg kommt im Oktober 2015

Krankenhäuser Partikeltherapie in Marburg kommt im Oktober 2015

Der jahrelange Streit über die Partikeltherapie in Marburg ist beendet: Ab Oktober 2015 sollen die ersten Patienten mit der neuartigen Strahlenkanone behandelt werden.

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Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU).

Quelle: Fredrik von Erichsen/Archiv

Wiesbaden. Alle Verträge für den Betrieb der Anlage seien unterzeichnet und beurkundet worden, sagte der hessische Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) am Mittwoch in Wiesbaden. Die Rhön Klinikum AG, Betreiber des privatisierten Uniklinikums Gießen-Marburg (UKMG), wendete damit eine Klage des Landes ab.

Es sei "ein guter Tag für alle an Krebs erkrankten Menschen", sagte Rhön-Vorstand Martin Menger. Sein Konzern gründete ein Gemeinschaftsunternehmen mit der Uniklinik Heidelberg, die ausgehend von Erfahrungen mit der eigenen Partikeltherapie nun auch die Anlage in Marburg betreiben soll. Ziel der Marburger-Ionenstrahl-Therapie-Betriebsgesellschaft (MIT) ist es, in sieben Jahren 1000 Krebspatienten jährlich zu behandeln.

Rhön hatte sich beim Kauf der Unikliniken in Gießen und Marburg verpflichtet, die Partikeltherapie einzurichten. Doch dann legte der Konzern die Pläne auf Eis, weil die Behandlung angeblich nicht lohnend sei. Ab 2014 kassierte das Land deshalb 3,75 Millionen Euro Vertragsstrafe und drohte mit einer Klage auf Schadenersatz.

Den Ausweg schafft ein kompliziertes Geflecht aus 28 Verträgen. Sie seien am Montag in einem achtstündigen Notartermin beurkundet worden, sagte Rhein. Unter anderem kauft Rhön die schon verkaufte Anlage von Siemens für einen nicht genannten Preis zurück. Das Land Hessen erlässt Rhön mögliche Konventionalstrafen je nach Fortschritt des Projekts, ab 2021 soll endgültig auf Klage verzichtet werden.

Die Universitäten von Marburg und Heidelberg und ihre Unikliniken schlossen mit der MIT einen Forschungsvertrag. Marburg könne damit in der "Königsklasse der Universitätsmedizin" arbeiten, sagte Uni-Präsidentin Prof. Katharina Krause.

Menger äußerste sich zurückhaltend zu den ökonomischen Aussichten der MIT. Er werde seinen Gremien aber keinen Geschäftsplan vorlegen, der nicht funktioniert, sagte er. Ursprünglich war in Marburg mit 2000 Patienten im Jahr geplant worden. Dann sah es so aus, als könnten nur 600 behandelt werden, sagte Gunter Weiß, der bisherige Geschäftsführer der Partikeltherapie. Nun habe Siemens Erfahrung mit einer Schwesteranlage in Shanghai gesammelt, so dass 1000 Patienten im Jahr möglich seien.

Der neue Betreiber will die Marburger Gerätschaften auf den Stand der Heidelberger Anlage bringen, deshalb könne erst im Oktober 2015 gestartet werden. An der MIT hält Rhön 24,9 Prozent, Heidelberg 75,1 Prozent. In der Landespolitik begrüßten CDU, Grüne und FDP die Einigung. SPD und Linkspartei erklärten, die Regierung habe sich über den Tisch ziehen lassen.

dpa

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