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Neue Stromtrassen: Kritik aus Nord- und Osthessen bei Anhörung

Energie Neue Stromtrassen: Kritik aus Nord- und Osthessen bei Anhörung

Auf dem Weg zur Energiewende soll die künftige Stromautobahn Suedlink auch durch Hessen führen. Doch über deren Notwendigkeit und den Trassenverlauf sind sich Netzbetreiber und betroffene Kommunen höchst uneinig, wie am Montag eine öffentliche Anhörung im Landtag in Wiesbaden zeigte.

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Eine Hochspannungsleitung von Netzbetreiber Tennet.

Quelle: J. Stratenschulte/dpa

Wiesbaden. Die 600 Kilometer lange Gleichstrom-Leitung soll bis zum Jahr 2022 Windstrom von Schleswig-Holstein über Nord- und Osthessen ins bayerische Grafenrheinfeld bringen. Dafür machen sich auch die Bundesregierung und die Bundesnetzagentur stark.

Zum Widerstand formiert haben sich inzwischen vor allem viele Gemeinden rund um den Habichtswald. Der parteilose Bürgermeister Ralf Pfeiffer aus Bad Emstal sprach von 80 Meter hohen "Monstermasten", die den Naturpark Habichtswald zerstörten. "Die intakte Natur ist für uns ein unschätzbarer Wert."

Sein ebenfalls nicht parteigebundener Wolfhagener Amtskollege Reinhard Schaake bezeichnete es als unverständlich, dass nicht die Trassenführung entlang der A 7 östlich von Kassel gewählt worden sei. Auch die Bürgermeister im Kreis Fulda und die Stadt Schlitz haben inzwischen ein Moratorium für Suedlink verlangt - und nehmen sich damit ein Beispiel an Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), der genau dies für die Ost-Süd-Trasse von Sachsen-Anhalt in sein Bundesland gefordert hat.

Für die Netzbetreiber Tennet (Bayreuth) und TransnetBW (Stuttgart) gibt es dagegen keine Alternative zu Suedlink, wenn in Deutschland die Energiewende gelingen solle. Die 500 Einwände aus Hessen zur Trassenführung sollen jetzt gebündelt werden, um für das Projekt "größtmögliche Akzeptanz" zu erreichen. "Wir stehen am Anfang der Diskussion", versicherte der zuständige Tennet-Manager Christian Schneller.

Für den Ausbau der Stromautobahnen werden in Deutschland Kosten von 22 Milliarden Euro veranschlagt. Von Suedlink wird Hessen als Transitland nicht direkt profitieren. Doch das Bundesland werde nach Abschalten der Atomkraftwerke künftig ähnlich wie Bayern und Baden-Württemberg rund 30 Prozent seiner Energie importieren müssen, prophezeiten die Netzbetreiber, unterstützt von ihren Zulieferern wie Siemens oder Alstom.

Als Kompromiss wird von Bürgerinitiativen die Erdverkabelung vorgeschlagen, vor allem in natursensiblen Räumen. Doch das wird vier- bis zehnmal teurer als Oberleitungen. 100 Kilometer Erdkabel kosten etwa 700 Millionen Euro, rechnet die Energiewirtschaft vor. Gegen Kabel unter der Erde sind wiederum die Bauern. Sie fürchten um die Bewirtschaftung der Böden und die Grundwasserqualität.

Der Widerstand in Hessen gegen neue Stromtrassen geht über Suedlink hinaus: Im Werra-Meißner-Kreis protestiert eine Initiative gegen eine 380-Kilovolt-Wechselstromtrasse, die vom niedersächsischen Wahle nach Mecklar im Kreis Herfeld-Rotenburg führen soll. Betreiber ist wiederum Tennet.

Munition für die Stromtrassen-Gegner lieferte in der Anhörung der Wiesbadener Fachhochschulprofessor Lorenz Jarass. Er hält die neuen Stromnetze für verzichtbar. Es gehe nur um ganz seltene Windspitzen in Norddeutschland, die in den Berechnungen Berücksichtigung fänden. Der Berliner Raumplaner Peter Runkel sprach sich dafür aus, die von Stromtrassen betroffenen Kommunen finanziell zu entschädigen.

dpa

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