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Im neuen Heim will der Limburger Bischof ein guter Gastgeber sein

Kirchen Im neuen Heim will der Limburger Bischof ein guter Gastgeber sein

Das Jahr 2012 ist nicht gut gelaufen für den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst, doch auf einer seiner Baustellen ist ein Ende absehbar. Kurz vor oder nach dem Jahreswechsel wird der katholische Oberhirte seine neue Residenz auf dem Domberg beziehen.

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Die aufwendige Neubebauung sorgte für Diskussionen.

Quelle: Boris Roessler

Limburg. "Im Moment ist es Chaos", sagt er. Aber schon stehen seine Sessel in der etwa 100 Quadratmeter großen Privatwohnung, die den kleinsten Teil des Gebäudes ausmacht. Mit manchen seiner Bücher, die fünf Jahre lang in Umzugskisten verpackt waren, hat er ein Wiedersehen gefeiert.

Die neue, angeblich viel zu große und teure Residenz hat Tebartz-van Elst (53) negative Schlagzeilen eingetragen wegen Verschwendung - genauso wie ein Erster-Klasse-Flug nach Indien, als er Hilfseinrichtungen für die Ärmsten der Armen besuchte. Den Luxus-Flug sieht der Bischof mittlerweile als Fehler ein. Doch bei dem ursprünglich auf 5,5 Millionen Euro bezifferten Bischofssitz sind die Dinge komplizierter.

Schon vor seinem Amtsantritt 2008 plante das Bistum, auf dem Domberg neu zu bauen mit Wohn- und - noch wichtiger - Arbeitsräumen und Kapelle für den Bischof. Der Bauplatz: 1000 Quadratmeter Brache mit felsigem Untergrund zwischen zwei uralten Mauern. Zwei denkmalgeschützte Gebäude, ein Küsterhaus im Jugendstil und die Alte Vikarie mit Fachwerk aus dem 15. Jahrhundert, sollten saniert und in das Ensemble einbezogen werden. Ein Konferenzraum im Untergeschoss musste um die Reste eines Wehrturms herum gebaut werden.

Gerade bei der Sanierung der alten Gebäude fingen die Kosten an zu laufen. "Die 5,5 Millionen Euro werden wir nicht halten können", sagte Diözesanbaumeister Tilmann Staudt am Montag bei einer Begehung des fast fertigen Baus mit Journalisten. Bislang sei etwa eine Million Euro Mehrkosten absehbar - Ende offen.

Das Küsterhaus hat statt 500 000 Euro doppelt so viel gekostet. Bei der Alten Vikarie, in der Tebartz-van Elst ab kommenden Sommer arbeiten soll, sind die veranschlagten zwei Millionen Euro schon verbaut. Die etwa 600 Jahre alten Eichenbalken im Fachwerk sind morsch und müssen durch gleichaltrige ersetzt werden.

Dagegen sind die Kosten für einen neuen zweigeschossigen Flachbau als Verbindungsteil im Rahmen geblieben. Auch die Kapelle habe wie geplant 300 000 Euro gekostet, sagt Staudt. Der Neubau beherbergt Arbeits- und Konferenzräume rund um einen hellen kleinen Innenhof. Eine "maßvolle, ruhige, qualitätvolle Lösung" wollte Architekt Michael Frielinghaus finden. "Wir haben uns beschränkt auf ein Material, einen Kalkstein aus dem Fränkischen." Der Eindruck: das Gebäude ist edel, aber nicht luxuriös.

Auch Tebartz-van Elst hofft auf dem Rundgang zu beweisen, dass der Bau "nicht Protz und Prunk ist". Ein Bischofssitz müsse zwei Dinge zusammenbringen, das Gebet und die Begegnung von Menschen. Und er verspricht sein Heim zu öffnen, wenn es denn endgültig fertig ist: "Gastfreundschaft ist eine Tugend, die einem Bischof gut ansteht."

An anderen Baustellen muss er weiter bauen: Das Bistum mit seinen 650 000 Katholiken zwischen Westerwald und Frankfurt ist unruhig. Ein Kreis von Priestern hat dem als konservativ geltenden Bischof seinen autoritären Führungsstil vorgeworfen. Mittlerweile ist man im Gespräch. "Es war ein Jahr mit vielen Herausforderungen", sagt Tebartz-van Elst im Rückblick. "Ich habe gesehen, wie wichtig Kommunikation ist."

dpa

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