Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 5 ° wolkig

Navigation:
Grüne sind scharf auf den Wechsel

Parteitag der Grünen Grüne sind scharf auf den Wechsel

Die Grünen haben ihr Spitzenpersonal für einen giftigen Wahlkampf gegen schwarz-gelb gestellt. Mit der 30-jährigen Marburger Landtagsabgeordnete Angela Dorn geben sie sich jung und weiblich.

Voriger Artikel
Angela Dorn ist Spitzenkandidatin
Nächster Artikel
Angela Dorn führt Grüne in den Wahlkampf

Die Marburger Landtagsabgeordnete Angela Dorn (l) und der Co-Vorsitzende der hessischen Grünen, Tarek Al-Wazir (r) am Samstag beim Parteitag in Gießen. Die Mitglieder wählten sie als Spitzenkandidaten bei der Landtagswahl, die am 22. September stattfindet

Quelle: Frank Rumpenhorst

Gießen. Der Zeitpunkt für den Personal-Parteitag der Grünen war geradezu ideal. Gerade in dieser Woche hatte eine Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen ergeben, dass die Grünen auf 16 Prozent der Wählerstimmen kommen würden, wenn nicht erst am 22. September, sondern jetzt Landtagswahl in Hessen wäre. Zusammen mit der SPD (33 Prozent in der Umfrage) könnte man die derzeitige schwarz-gelbe Regierung nach fast 15 Jahren ablösen. Der perfekte Zeitpunkt also, um die Parteifreunde für einen Wahlkampf zu motivieren in dem es zwei ausgemachte Feinde gibt: CDU und FDP. In ihren fünf-minütigen Bewerbungsreden ließen die Spitzenkandidaten Dorn und Al-Wazir durchblicken: Der schwarz-gelben Regierung wird es an den Kragen gehen - zumindest rhetorisch.

„Brauchtumsverein CDU“

Als „Brauchtumsverein“ und „museumsreif“ bezeichnete Angela Dorn Bouffier & Co.. Sie redete sich in Rage, berichtete über die Sorge dass ihre zwei Kinder in einer Welt aufwachsen könnten, in der Atomkraft wieder von Kohlekraft abgelöst wird, „Schwarz-gelb verhindert den Umstieg bei der Energieversorgung, das ist doch verantwortungslos“, rief die Umweltpolitikerin ihren Parteifreunden zu. Ihre Stimme überschlug sich mehrfach. Vor Aufregung? „Nein, Politik macht mich wütend und ich hoffe, dass ich mir das auch noch lange behalten kann“, sagte Angela Dorn. „Ich will authentisch für das Eintreten, was ich als richtig erachte.“

Gelassener und staatsmännisch gab sich Fraktionschef Tarek Al-Wazir, der nach Umfragen beliebteste Politiker in Hessen und das Aushängeschild seiner Partei. In seiner kurzen Rede kritisierte Al-Wazir den teilweise aus Steuermitteln finanzierten Flughafen Kassel-Calden als ein Projekt, „über das das ganze Land lacht“. Der Grünen-Chef forderte außerdem ein „echtes Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr“ am Frankfurter Flughafen. Der Landesregierung warf Al-Wazir vor, bei der verkürzten Gymnasialzeit G8 „Chaos anzurichten“ und forderte eine Bildungs- und Betreuungsgarantie für Grundschüler.

Die Frauenpartei?

Die Grünen sind bemüht sich das Gesicht einer zukunftsgewandten, aufgeschlossene Partei zu geben, die für Gleichberechtigung eintritt. Gelästert wurde vor allem über die FDP, die es nicht schafft drei der ersten zehn Listenplätze an eine Frau zu vergeben. Bei den Grünen wird quotiert: Am Ende sind es fünf Frauen, fünf Männer. Tarek Al-Wazir wird vor den Fernsehkameras nicht müde seine neue Partnerin an der Wahlkampfspitze zu loben: Angela Dorn sei zwar jung, aber kommunalpolitisch sehr erfahren und hätte jetzt auch schon einige Jahre Landtag hinter sich. „Als Diplom-Psychologin hat sie eine gute Menschenkenntnis, und ich habe sie auch in den vergangenen Jahren schon oft um Rat gefragt. Jetzt wird die Zusammenarbeit noch enger“, so Al-Wazir. Er wäre in einer Partei wie den Grünen, als er anfing Verantwortung zu übernehmen, froh über ein Wahlergebnis gewesen, wie Dorn es erzielt hat.

CDU-Generalsekretär Peter Beuth sah das am Sonntag ganz anders: Dorn könne mit ihren knapp 82 Prozent „die eigene Basis nicht überzeugen“. Die FDP-Sprecherin Jasmin Gruner nannte die neue Grünen-Spitzenkandidatin Dorn sogar „Alibifrau“. Eigentlich zögen die Männer in der Partei die Strippen.

Und tatsächlich fragen sich politische Beobachter in Wiesbaden, welche Frau die Grünen in die Regierungsverantwortung bringen, wenn sie die Wahl gewinnen sollten. Die Grünen halten hohe Stücke auf ihre partei- interne Frauenquote. Das hieße aber auch, dass sie mindestens eine Ministerin stellen müssten, wenn sie ihr Umfrageergebnis bis September halten können.

Bisher waren vor allem Al-Wazir und der bildungspolitische Sprecher Mathias Wagner (Listenplatz 4) die Vordenker der Partei. Mindestens drei Ministerposten gäbe es aber zu vergeben. Ein Dritter Mann? Ausgeschlossen bei einer Partei, die sogar bei Plenums-Fragen zu den Kandidaten-Bewerbungen nur dann zwei zulässt, wenn mindestens eine von einer Frau gestellt wurde. Die Nachwuchspolitikerin Angela Dorn ist nun - auch mangels Altenernativen - die Spitzenkandidatin der Grünen für den Landtag. Sie sagt, sie wolle gestalten, wenn die Grünen regieren. In welcher Form, dass lässt sie offen. Und auch auf Spekulationen welches Ministerium ihr liegen könnte, geht sie nicht ein. Es wäre ein rasanter Aufstieg.

Die Liste der Grünen:
Die Grünen haben in Gießen ihre Wahlliste für die Landtagswahl 2013 beschlossen: 1.) Angela Dorn, Mitglied des Landtags (Kreisverband Marburg-Biedenkopf) 2.) Tarek Al-Wazir, MdL (Offenbach) 3.) Ursula Hammann, MdL (Groß-Gerau) 4.) Mathias Wagner, MdL (Wiesbaden) 5.) Sigrid Erfurth, MdL (Werra-Meißner) 6.) Frank Kaufmann, MdL (Offenbach) 7.) Mürvet Öztürk, MdL (Lahn-Dill) 8.) Jürgen Frömmrich, MdL (Waldeck-Frankenberg) 9.) Martina Feldmayer, MdL (Frankfurt) 10.) Marcus Bocklet, MdL (Frankfurt). Insgesamt wurde eine Liste mit 22 Grünen aufgestellt. Der Andrang auch auf die hinteren Plätze war groß, da die Grünen nach derzeitigen Umfragen 20 oder mehr Sitze im Landtag erhalten könnten. (dpa)

Im Blickpunkt: Zwischen zwei Welten

Angela Dorn Die Diplom-Pychologin Angela Dorn ist Direktkandidatin im Wahlkreis 13 im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Sie ist verheiratet, hat zwei kleine Töchter und lebt abwechselnd in Marburg und Wiesbaden. Sie hat als Therapeutin in der forensischen Psychiatrie Haina gearbeitet. Dorn ist seit 2006 Stadtverordnete in Marburg und seit 2009 Mitglied des Hessischen Landtags. 2008-2009 war sie Vorsitzende der Grünen Jugend Hessen. Dorn ist energiepolitische Sprecherin der Grünen in Hessen.

von Tim Gabel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Angela Dorn führt Grüne in den Wahlkampf

Die Marburger Landtagsabgeordnete Angela Dorn stellt gemeinsam mit Fraktionschef Tarek Al-Wazir das Spitzenduo der Hessen-Grünen für den Landtagswahlkampf 2013.

mehr
Grüne sind scharf auf den Wechsel

Die Grünen haben ihr Spitzenpersonal für einen giftigen Wahlkampf gegen schwarz-gelb gestellt. Mit der 30-jährigen Marburger Landtagsabgeordnete Angela Dorn geben sie sich jung und weiblich.

mehr
Angela Dorn ist Spitzenkandidatin

Die Marburgerin Angela Dorn wurde am Samstag auf der Landesmitgliederversammlung in Gießen auf den Spitzenplatz der Landesliste der Hessen-Grünen für die Landtagswahl gewählt.

mehr

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr