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Evangelische Landeskirchen in Hessen buhlen um Theologie-Studenten

Kirchen Evangelische Landeskirchen in Hessen buhlen um Theologie-Studenten

Wegen Personalproblemen und großem Bedarf an evangelischen Pfarrern bieten sich Theologie-Studenten gute Berufsaussichten in den hessischen Landeskirchen. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) und die Evangelische Landeskirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) suchen wegen bevorstehender Pensionierungswellen händeringend Pastoren und werben um Nachwuchs.

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Pfarrer Stefan Bürger und zwei Theologiestudenten.

Quelle: Jörn Perske/Archiv

Kassel. Mittlerweile hat sich die Suche nach Interessenten für das Pfarramt in den Landeskirchen in Deutschland zum Konkurrenzkampf entwickelt. Auch die katholische Kirche sucht nach potenziellen Priestern.

Die Evangelische Landeskirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) sucht nach den Geistlichen von morgen. Zu Jahresbeginn seien bereits neun Pfarrstellen unbesetzt gewesen. Im Jahresverlauf stehen 20 Ruheständlern 15 Berufsanfänger gegenüber. "Ab dem Jahr 2021 erwarten wir, dass jährlich 40 bis 50 Pfarrer in den Ruhestand gehen", sagte die Sprecherin der EKKW, Petra Schwermann, in Kassel. Hinzu kommt eine rückläufige Zahl von Theologie-Studierenden, die Interesse an einer Pfarrstelle bei der EKKW bekunden. Vor 20 Jahren seien es noch 230 Interessenten gewesen. In den vergangenen beiden Jahren waren es den Angaben zufolge um die 100 - und aktuell nur noch 89.

Bei der im Vergleich zur EKKW größeren Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) ist die Entwicklung zwar positiver. Von den Jahren 2012 (252 Interessenten) über 2013 (262) bis heute (270) habe die Zahl der Interessenten zugenommen. Aber Rebecca Müller vom Ausbildungsreferat der EKHN sagte auch: "Wir haben ein Personalproblem. Wir brauchen noch mehr Bewerber." Die aktuelle Zahl der Bewerber reiche nicht aus, der Pensionierungswelle genug entgegen zu setzen. "Wir werden viele Stellen frei haben." Studienabsolventen hätten gute Berufsaussichten bei der EKHN.

Um Theologie-Studenten für die EKHN zu begeistern, sei im November 2013 extra eine Art "Werbestelle" geschaffen worden. "Denn es ist unter den Landeskirchen in Deutschland ein richtiger Wettbewerb um gute Bewerber entstanden", sagte Müller. Die EKHN biete attraktive Anreize: "Das Rhein-Main-Gebiet als strukturstarke Region ist ein gutes Argument." Zudem genieße die EKHN einen "liberalen, offenen Ruf".

Der Beruf des Pfarrers sei ohnehin sehr attraktiv, sagte Müller. "Die Aufgaben sind sehr vielfältig. Durch die freie Zeiteinteilung ist man auch sehr flexibel", sagte die Ausbildungsreferentin. Auch die großen Gestaltungsmöglichkeiten seien für viele interessant: "Man arbeitet wie ein Selbstständiger, ist aber durch die Verbeamtung abgesichert."

Auch die übergeordnete Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) spricht von guten Zukunftsperspektiven für Nachwuchs-Theologen. Die Studierendenzahlen entwickelten sich positiv. Im Vergleich zu den Jahren 2011 und 2012 mit 15 000 Studenten sei die Zahl derzeit für das Pfarr- und Lehramt auf rund 16 000 gestiegen.

Auch nur auf das Pfarramt bezogen, sei die Nachfrage gewachsen. 2013/2014 seien es 6200 Studenten an den Fakultäten gewesen, 2011/2012 im Vergleich dazu nur 5400. "Es geht wieder aufwärts. Anders als auf katholischer Seite ist unsere Entwicklung sehr positiv", sagte eine Sprecherin der EKD in Hannover zur Entwicklung. Aber sie sei noch nicht ausreichend: "Von 2017 an gehen in vielen Landeskirchen Pfarrer in den Ruhestand. Diese Lücke können wir nach aktuellem Stand noch nicht schließen."

Prekär ist die Personalsituation auch für das Priesteramt in der katholischen Kirche. Die Zahl der Priester in Deutschland sinkt seit Jahren. 2012 gab es gut 14 600 Priester in den Bistümern, 1995 waren es noch rund 18 600. Das entspricht einem Rückgang von mehr als 20 Prozent. Aktuellere Zahlen lagen der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn nicht vor.

Der Nachwuchs ist rar: Immer weniger junge Männer treten in Priesterseminare ein. 2012 waren es 128, 22 weniger als im Jahr zuvor. Seit mehr als zehn Jahren verändert sich die Struktur der 27 deutschen Bistümer. Pfarreien werden zusammengelegt, Priester sind dadurch für mehr Gläubige zuständig.

dpa

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