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Edward Snowden mit Kasseler Bürgerpreis geehrt

Auszeichnungen Edward Snowden mit Kasseler Bürgerpreis geehrt

Er hat auf weltweite Datenspeicherung aufmerksam gemacht und eine Diskussion ausgelöst, was Staaten dürfen und was nicht - dafür ist Edward Snowden mit dem Kasseler Bürgerpreis geehrt worden. Der Preis wird zunächst in Kassel verwahrt - bis zu einem bestimmten Tag.

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Edward Snowden.

Quelle: Justin Lane/Archiv

Kassel. Für seinen Mut zu einer weitreichenden Gewissensentscheidung ist der Whistleblower Edward Snowden mit dem Kasseler Bürgerpreis "Das Glas der Vernunft" ausgezeichnet worden. Der 33-Jährige erhielt die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung am Sonntag in Abwesenheit.

Snowden sagte in einer Video-Liveschaltung an mehrere Hundert Gäste in Kassel: "Wenn wir es zulassen, dass Präferenzen weniger Staatsvertreter Verfassungsgrundätze ersetzen, dann sind wir keine Bürger, sondern Untertanen. Das Gesetz ersetzt nicht das Gewissen." Da Snowden die Auszeichnung nicht entgegennahm, kommt sie ins Kasseler Stadtmuseum, bis er sie dort persönlich abholt.

2013 hatte der Amerikaner interne Dokumente zu Überwachungspraktiken des US-Geheimdiensts NSA an die Öffentlichkeit gebracht und damit weltweit für Aufsehen gesorgt. Er hält sich seit Juni 2013 an einem unbekannten Ort in Russland auf, um der US-Justiz zu entgehen. Die Jury entschied sich für Snowden, weil dieser mit Mut, Kompetenz und Vernunft eine Gewissensentscheidung getroffen und dabei Leben und Sicherheit für eine größere Sache aufs Spiel gesetzt habe. Seit kurzem ist der Kinofilm "Snowden" von Oliver Stone in den Kinos zu sehen.

Der Journalist Heribert Prantl sagte in seiner Festrede, Snowden habe aus seinem Handeln keinen persönlichen Gewinn, diesen hätte die Rechtsstaatlichkeit westlicher Demokratien, wenn sie denn wollten. Aber die USA verfolgen Snowden, als sei er bei der Terrormiliz Islamischer Staat. "Edward Snowden ist ein Flüchtling, wie er im Buche steht. Er sollte Schutz und Hilfe in Deutschland finden."

Der Rechtsprofessor Bernhard Schlink betonte mit Blick auf Datenauswertungen, in einer Demokratie dürfe nicht jeder verdächtig sein, man müsse sich schon verdächtig machen. Auch er forderte die Politik auf, Snowden in Deutschland politisches Asyl zu gewähren, wenn dieser es beantrage.

Die zum 26. Mal vergebene Auszeichnung würdigt Menschen, die sich für die Überwindung ideologischer Schranken sowie für Vernunft und Toleranz einsetzen. 2015 war der israelische Diplomat Avi Primor geehrt worden, 2009 der heutige Bundespräsident Joachim Gauck. Erster Preisträger war 1991 der frühere Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP).

dpa

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