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Die SPD kämpft mit der Ehefrau

Wahlkampf - TSG gegen Bouffier Die SPD kämpft mit der Ehefrau

Das neue Selbstbewusstsein der Genossen fünf Monate vor der Landtagswahl ist spürbar. Nur ein paar Personalien sind noch offen.

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Ende kommender Woche will Thorsten Schäfer-Gümbel seine 20-köpfige Arbeitsgruppe präsentieren. Archivfoto: Boris Roessler

Quelle: Boris Roessler

Wiesbaden. Patron Pascal vom Wiesbadener Restaurant Chez Mamie servierte Häppchen, Scampis und kühlen Wein. Derweil stieg unter den versammelten Journalisten die Spannung. Die Hessen-SPD hatte gerufen, um „ein neues Produkt“ ihrer Wahlkampfstrategie vorzustellen. Präsentiert wurde wenig später eine 16-seitige Wahlkampfbroschüre, die in 1,5-Millionen-Auflage demnächst in den Briefkästen der Wähler landen wird. Auf dem Titelblatt der lächelnde Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel und der zentrale Wahlkampfslogan der hessischen Genossen: „Gerechtigkeit macht stark.“

Stark fühlen sich die Sozialdemokraten jetzt schon. Von Umfragen bestätigt, die die SPD seit der Landtagswahl 2009 in stetiger Aufwärtsentwicklung mit einem Zugewinn von insgesamt gut neun Prozentpunkten sehen, verschont von innerparteilichen Richtungskämpfen, und mit einem Spitzenkandidaten ausgestattet, der im Verlauf der vergangenen fünf Jahre zur Führungspersönlichkeit heranreifte.

Da sitzt bei Thorsten Schäfer-Gümbel zwar noch immer nicht jede Formulierung druckreif („Die Entscheidungsdichte verdichtet sich für uns weiter“), aber der Mann ist in Sachen Popularität bei den Menschen in Hessen auf dem besten Weg zum Duell auf Augenhöhe mit Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), dessen Job der SPD-Mann so gerne hätte. Dass diese Zuspitzung auf den direkten Vergleich der beiden Spitzenkandidaten ein zentraler Punkt der Strategie ist, machte Generalsekretär Michael Roth deutlich: „Darauf läuft alles hinaus.“ Zwei Millionen Euro will die Hessen-SPD für den Wahlkampf insgesamt bereitstellen.

Abkehr von der Tradition

Auf dem möglichen Weg zum Erfolg müssen freilich noch einige wichtige Personalentscheidungen getroffen werden. Wer gedacht hatte, Schäfer-Gümbel würde neben der Broschüre auch gleich seine mit Spannung erwartete Arbeitsgruppe präsentieren, die ein 100-Tage-Programm für den Fall der Regierungsübernahme ausarbeiten soll, der wurde enttäuscht. Die Angelegenheit scheint schwieriger zu sein als angenommen, zumal der Kandidat dort „rund 20 Frauen und Männer, aber nicht nur Mitglieder der SPD“ in einer Art Kompetenzteam zusammenführen will. Diese Vorstellung der Mannschaft soll nun in der kommenden Woche erfolgen.

Eine wichtige Wahlkampfhelferin stellte Schäfer-Gümbel an diesem Abend immerhin doch noch vor: Ehefrau Annette. „Meine Frau wird im Wahlkampf so häufig wie möglich an meiner Seite sein“, kündigte der Bouffier-Herausforderer an - eine klare Abkehr von der Tradition bisheriger hessischer Wahlkämpfe. Gleichzeitig bat Schäfer-Gümbel die Medien darum, die drei Kinder des Paares von der Publicity-Kampagne auszunehmen: „Sie sollen im Schutz der Privatsphäre bleiben.“

Keine Zweifel an den Grünen

Was die SPD neben dem Vertrauen in die eigene Stärke jetzt noch braucht, ist ein durchschlagskräftiger Partner. Sozialdemokraten lassen trotz provozierender Fragen derzeit keinen Zweifel daran, dass dieses allein die Grünen sein werden. Als geradezu störend erwies sich dabei in einer aktuellen Stunde zu den jüngsten Umfragen im Landtag die Versicherung von Linken-Fraktionschefin Janine Wissler, an der Unterstützung der Linkspartei werde es nicht fehlen, wenn SPD und Grüne den „Politikwechsel“ aus eigener Kraft nicht zustande brächten. Die Freude bei den Angesprochenen über so viel eindeutige Solidarität blieb gedämpft.

Jetzt heißt es also „Gerechtigkeit macht stark“, ein Slogan den garantiert noch kein anderer erkoren habe, wie Generalsekretär Roth in Anspielung auf das bereits von einer Leiharbeitsfirma verwendete Motto der Bundespartei („Das Wir entscheidet“) verkündete. Doch da hat er sich wohl leider vertan. Am Freitag berichtete CDU-Generalsekretär Peter Beuth davon, dass auf diese Parole schon seit Jahren ein Pensionisten-Verein der oberösterreichischen Sozialdemokraten hört.

von Georg Haupt

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