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Der Täter war in Wahrheit das Opfer

Justiz-Tragödie Der Täter war in Wahrheit das Opfer

Ein Lehrer sitzt fünf Jahre als verurteilter Vergewaltiger unschuldig im Gefängnis, sein Leben wird zerstört. Nun muss sich die Frau, die ihn einst beschuldigt hat, vor Gericht verantworten.

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Das Darmstädter Landgericht soll nun Recht sprechen. Für das Opfer kommt die Wiedergutmachung zu spät. Foto: Peter Steffen

Quelle: Peter Steffen

Darmstadt. Er saß bis zum letzten Tag in Haft, weil er die Vergewaltigung nie zugab und ihm deshalb die Chance auf eine Strafverkürzung genommen wurde. Ein Jahr nach seinem Freispruch durch ein anderes Gericht starb der Mann dann im vergangenen Juni im Alter von 53 Jahren an Herzversagen. Kommenden Donnerstag nun beginnt am Darmstädter Landgericht der Prozess gegen die Frau, deren falsche Anschuldigung den Mann einst ins Gefängnis brachte. Vor dem gleichen Gericht hatte die Lehrerin ihren Kollegen 2002 beschuldigt und am Vorwurf der Vergewaltigung eisern festgehalten. Nachdem der Lehrer die Haft verbüßt hatte, stellte das Landgericht Kassel 2011 in einem spektakulären neuen Prozess fest, dass die Geschichte der Frau frei erfunden war. Bisher vermutetes Motiv: Blindes Karrierestreben an der damaligen Schule in Reichelsheim im Odenwald. Die Frau habe die Position ihres Kollegen haben wollen.

Die heute 48-Jährige - laut Staatsanwaltschaft lebt sie auf freiem Fuß in Niedersachsen - muss sich vor einer anderen Strafkammer verantworten als damals der Lehrer. Der Vorwurf: Freiheitsberaubung. Es droht eine Freiheitsstrafe zwischen einem Jahr und zehn Jahren. Der Vorwurf der falschen Verdächtigung gilt als verjährt.

Die Frau zerstörte nach Meinung vieler das Leben des Mannes. Auch nach dem Freispruch in Kassel im Juli 2011 fand der Lehrer nicht mehr in sein altes Leben zurück, fand keinen Job mehr, lebte von Hartz IV. Fast genau ein Jahr nach dem Freispruch starb er Ende Juni 2012.

Die Suche nach der ganzen Wahrheit könnte in Darmstadt schwierig werden. „Der Hauptbelastungszeuge lebt ja nicht mehr“, beschreibt der Sprecher der Staatsanwaltschaft Darmstadt, Sebastian Zwiebel, die ­Lage. Ob die Angeklagte sich äußern will, ist noch unklar.

Seit dem Freispruch des Lehrers gilt die Glaubwürdigkeit der Frau als stark angekratzt. Das Landgericht Kassel bezeichnete sie in dem Urteil als Erfinderin „der aberwitzigsten Geschichten“. Bei dem jetzigen Verfahren dürfte auch der Prozess der Darmstädter Strafkammer eine Rolle spielen, die beim ersten Urteil gegen den Lehrer in ihrem Urteil so daneben lag. Der Vorsitzende Richter der Kammer, die 2002 der Frau glaubte, soll als Zeuge gehört werden.

von Joachim Baier

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