Volltextsuche über das Angebot:

28 ° / 17 ° Regenschauer

Navigation:
Das Glück kommt selten von allein

Vortrag Das Glück kommt selten von allein

Auf die Suche nach dem Glück begaben sich Donnerstagabend mehr als40 Besucher im Foyer desBiedenkopfer Rathauses.

Voriger Artikel
Attac plant Widerstand gegen Freihandelsabkommen
Nächster Artikel
Laute und umstrittene Bereicherung: Straßenmusikanten in Hessen

Ursula Cyriax hielt den Vortrag zum Thema „Glück und Zufriedenheit Herausforderungen in heiterer Gelassenheit bewältigen“ und motivierte zur Mitmach-Übung. Fotos: Silke Pfeifer-Sternke

Biedenkopf. Glücklichsein lässt sich erlernen. An Universitäten und Schulen steht das Fach „Glück“ gar auf dem Lehrplan, Glücksforscher befassen sich aber intensiv mit dem Thema. Was es bedeutet, den Augenblick zu genießen, erläuterte die aus Biedenkopf stammende und in Berlin lebende Künstlerin Ursula Cyriax während eines Vortrags zum Thema „Glück“. In einem Filmausschnitt lacht ein Baby lauthals über das Zerreißen eines Blattes Papier. Das Lachen ist ansteckend. Die Besucher im Saal lachen herzlich mit.

Warum aber sind Erwachsene nicht mehr so glücklich wie Kinder? „Die Sorge um das tägliche Brot belastet uns“, sagt Cyriax. Paradoxerweise übe das Leiden eine große Faszination aus. „Warum sonst kauen wir immer wieder quälende Situationen durch, die lange erledigt sind?“ Statt sich zu freuen, dass die schmerzvolle Erfahrung vorbei ist, klebe man am vergangenen Leid, das den Augenblick beschwere. Dieses Verhaltensmuster zu durchbrechen, ist ein Grundprinzip der Glücksforschung.

Wer glücklicher durchs Leben gehen will, der sollte positive Schlüsselerlebnisse haben, seine Persönlichkeit stärken und seine Einstellung ändern. Allerdings, so gibt Cyriax zu bedenken, „gute Absichten allein machen niemanden glücklicher“. Jeder müsse den entsprechenden Hebel finden.

„Genauso wie ein Fitness-Trainer uns nicht fit machen kann, das müssen wir schon selbst tun“, erklärt Cyriax. Und für die Kraft der Willenstärke stellt sie eine Mitmach-Übung vor. Die Teilnehmer stehen von ihren Stühlen auf und zeigen mit ihren Daumen geradeaus. Denn drehen sie sich mit ausgestrecktem Arm und Blick auf den Daumen so weit wie es der Oberkörper zulässt. Der Punkt wird im Gedächtnis abgespeichert. Dann schließen die Teilnehmer die Augen und sollen sich vorstellen, dass sie über diesen Punkt hinaus ihren Körper drehen können. Tatsächlich es funktioniert. Eine einfache, effektive und für viele überzeugende Übung von der Kraft der Vorstellung.

Komplizierter wird es, als ein Filmausschnitt läuft, bei dem sich die Zuschauer die Veränderungen in dem Raum merken müssen. Die Aufmerksamkeit soll trainiert werden. Die Betrachter rufen 13 in den Raum. „Es sind 23“, sagt Cyriax und zeigt die Auflösung. Bei einem weiteren Beispiel sollen die Teilnehmer die Ballwechsel einer Mannschaft zahlen. Auf die Frage „Was habt ihr gesehen“, antwortet nur eine Teilnehmerin: einen Bären. Als der Film erneut läuft, richten alle die Aufmerksamkeit auf das Besondere und tatsächlich läuft ein Mensch im Bärenkostüm durchs Bild.

„Glücklichsein hänge ganz wesentlich davon ab, wie viel Aufmerksamkeit wir einer Sache schenken“, erklärt Cyriax. Eine Beförderung mache zum Beispiel nur glücklich, solange sie Aufmerksamkeit bekommt. Schnell trete der Gewöhnungseffekt ein. „Wir können unser Potenzial besser ausschöpfen, um ein glückliches und zufriedenes Leben zu führen“, sagt die Glückstrainerin.

Als Beispiel für ein ­Umdenken nannte Pia Hötzl den ­alltäglichen Ärger beim Autofahren, wenn man „geschnitten“ und einem dann noch der Parkplatz „geklaut“ wird. Statt sich zu ärgern könnte man sich darüber freuen, dem anderen den Vortritt gelassen zu haben; sicherlich habe er es eiliger. Deshalb könnte man gelassen sagen: „Ich schenke dir den Parkplatz statt zu fluchen wie ein Rohrspatz.“

Dass das Glückstraining durchaus effektiv ist, hat Cyriax bereits bewiesen. Zusammen mit dem Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft fanden 24 Doppelstunden Glückstraining statt. Von den 33 jugendlichen Teilnehmern haben 29 eine Lehr- oder Arbeitsstelle erhalten oder einen Platz an einer weiterführenden Schule. An die Geschichte des Gelingens erinnert auch Herrmann Hesses Gedicht „Stufen“ auf der Biedenkopfer Gangtreppe (die OP berichtete).

von Silke Pfeifer-Sternke

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Politik

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr