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Kirche

Bistum Limburg legt Vermögen offen - 8000 Gläubige weniger

Nach dem Finanzskandal um den früheren Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst lässt sich das krisengeschüttelte Bistum in die Bücher schauen und legt erstmals sein Vermögen offen.
Das Luftbild zeigt den Neubau des Bischofssitzes (weiß).

Das Luftbild zeigt den Neubau des Bischofssitzes (weiß).

© Thomas Frey/Archiv

Limburg. Demnach beträgt die Bilanzsumme des Bistums rund 909 Millionen Euro, wie es am Freitag mitteilte. Der Bericht solle die Finanzangelegenheiten transparenter machen. "Das wichtigste Kapital der Kirche ist das Vertrauen der Menschen", sagte Pfarrer Wolfgang Rösch von der Bistumsleitung.

Dass viele Gläubige genau das allem Anschein nach verloren haben, zeigen die aktuellen Kirchenaustrittszahlen: Im vergangenen Jahr kehrte eine Rekordzahl von fast 8000 Menschen dem Bistum den Rücken, rund 3500 mehr als 2012. Deutschlandweit traten rund 178 800 Katholiken aus der Kirche aus, nach 118 000 zuvor. Im Bistum Fulda waren es fast 3000 Austritte, rund tausend mehr als 2012. Das Bistum Mainz zählte rund 7500 Austritte, im Jahr zuvor waren es nur rund 4500 gewesen.

Die Diözese veröffentlichte nicht nur für das Bistum die Zahlen zu Vermögen und finanziellen Verpflichtungen, sondern auch für das Domkapitel, den Bischöflichen Stuhl und eine Schulstiftung, die alle als eigenständige Körperschaften gelten.

Der Finanzbericht umfasst 86 Seiten und listet die verschiedenen Vermögenswerte und Erträge auf. Der allergrößte Teil der Bistums-Bilanz ist nach Angaben von Finanzdezernent Gordon Sobbeck im sogenannten Anlagevermögen gebunden. Dazu zählen etwa Gebäude, Pensionsfonds oder die Beteiligung an einer sozialen Wohnungsgesellschaft.

Die Bilanz des Bischöflichen Stuhls weist nach vorläufigen Zahlen rund 92 Millionen Euro aus. Das Domkapitel kommt auf 4,4 und die Stiftung auf 31 Millionen Euro. Der Bischöfliche Stuhl war im Zusammenhang mit der Kostenexplosion an der neuen Residenz in die Schlagzeilen geraten. Zu seinen Verbindlichkeiten gehören auch Darlehen für den mehr als 30 Millionen Euro teuren Bischofssitz.

Als Konsequenz auf die Kostenexplosion und wegen heftiger Kritik an seiner Amtsführung hatte der Papst Tebartz-van Elst als Limburger Bischof abberufen.

Die Zahl der Kirchenaustritte stehe mit den Ereignissen um Bischof und Residenz im Zusammenhang, sagte Rösch. Das Thema Kirche und Geld sei viel sensibler, als man sich vielleicht vormachen wollten. Die Kirche werde zu Recht an einem höheren moralischen Maßstab gemessen als Aktienunternehmen. "Wir müssen uns dem stellen."

Katholikenvertreterin Ingeborg Schillai, die Präsidentin der Limburger Diözesanversammlung, nannte die Veröffentlichung der Finanzen richtig und wichtig. "Der Weg der Aufarbeitung, der begonnen wurde, wird sichtbar fortgesetzt."

Der Frankfurter Pfarrer Werner Otto nannte die umfassende Offenlegung der Daten alternativlos. "Am Fall Tebartz-van Elst kann man sehen, wie Verschleierung von Vermögen und Ausgaben, aber auch dubiose Entscheidungsstrukturen und fehlende Kontrollen den Missbrauch von Macht begünstigen", erklärte Otto, der Sprecher eines kritischen Kreises von Priestern im Bistum ist.

"Der negative Tebartz-Effekt im zweiten Halbjahr 2013 hat alle positiven Franziskus-Effekte und Bemühungen dialogbereiter Bischöfe zunichtegemacht", sagte Christian Weisner von der Laien-Initiative "Wir sind Kirche". Die Schlagzeilen um den früheren Limburger Bischof, den einige Bischöfe und Kardinäle bis zuletzt gedeckt und verteidigt hätten, habe sicher viele Kirchenmitglieder in ihrem Entschluss bekräftigt, nun aus der Kirchensteuergemeinschaft auszutreten.

dpa


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