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Bereitschaftsdienst wird reformiert

Ärztlicher Notdienst Bereitschaftsdienst wird reformiert

Je weniger Ärzte es auf dem Land gibt, desto häufiger haben die verbliebenen Bereitschaft. Keine guten Voraussetzungen, um junge Mediziner in strukturschwache Gegenden zu locken. Eine Reform soll Abhilfe schaffen.

Frankfurt. Das Medikament nicht vertragen, ein seltsamer Ausschlag, die „Pille danach“ - kein Fall für den Notarzt, aber vielleicht doch ein Problem, das nicht bis zum nächsten Morgen warten kann. Für solche Fälle gibt es den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Gerade auf dem Land klagen viele Mediziner über die Belastung, die das mit sich bringt. Nun sollen die Bereitschaftsdienste neu geregelt werden. Die Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) will die Reorganisation am 25. Mai beschließen. Ziel ist „eine dauerhafte Verbesserung der ambulanten Versorgung außerhalb der ärztlichen Sprechzeiten bei gleichzeitiger Entlastung der Ärzte durch weniger Nacht- und Wochenenddienste“, heißt es bei der KV.

Bisher ist die Struktur in Hessen der reinste Flickenteppich, erklärt Dieter Conrad, der Vorsitzende des Hausärzteverbandes Hessen. In manchen Gegenden gibt es regionale Notdienstzentralen, in anderen vertreten sich Kollegen reihum gegenseitig. Die Suchmaschine der KV spuckt in Hessen 86 verschiedene Telefonnummern aus.

Dabei gibt es schon seit Februar 2012 eine bundeseinheitliche Rufnummer: die 116117. Die Bundesorganisation der Kassenärztlichen Vereinigungen (KBV) hat das auf den Weg gebracht, in den meisten Bundesländern wurde es bereits umgesetzt. In Hessen funktioniert die 116117 noch nicht überall. „Dort, wo sich Ärzte im kollegialen Dienst vertreten, oft per Mobiltelefon erreichbar sind und manchmal auch kurzfristige Absprachen treffen, kann die einheitliche Rufnummer nicht hinterlegt werden“, erklärt die KV Hessen ratsuchenden Patienten auf ihrer Homepage.

Conrads Praxis liegt im Schwalm-Eder-Kreis. Dort gebe es nur fünf Ärzte, aber wie überall 52 Wochenenden plus Feiertage. „Da können Sie sich ausrechnen, wie oft man Bereitschaft hat. Das will heute keiner mehr machen.“ Er hält eine Reform für überfällig: Derzeit seien die Bereitschaften „in kleinen Gebieten mit wenigen Ärzten“ organisiert. In Zukunft müsse es umgekehrt sein: „Viele Ärzte in größeren Gebieten.“

Nicht alle waren anfangs dieser Meinung. „Die bisherigen Pläne der KV gehen leider in eine falsche Richtung“, befand eine Initiative, die 2011 lautstark ihre Kritik vorbrachte, inzwischen aber weitgehend verstummt ist. Ihre Argumente: Die geplante Zentralisierung zerstöre gewachsene und gut funktionierende Strukturen und führe in manchen Regionen zu Honorareinbußen.

Der Bereitschaftsdienst wird nicht nach Stunden, sondern nach Patientenaufkommen abgerechnet. Kommen viele Patienten - was häufiger in der Stadt der Fall ist - lohnt sich der Dienst finanziell. Kommen wenige - was auf dem Land die Regel ist - verdient man weniger. Mancher Kollege werde nach der Reform tatsächlich weniger Geld bekommen, sagt Hausarzt Conrad, er findet das aber richtig: „Es sollte doch eine gewisse Gerechtigkeit herrschen.“

In dem kleinen Örtchen Rosenthal im Kreis Waldeck-Frankenberg gingen im März mehrere hundert Menschen auf die Straße, um für den Erhalt ihres regionalen Bereitschaftsdienstes zu demonstrieren. Der Sozialverband VdK versteht die Befürchtungen: Je größer die Bezirke werden, desto weiter werden die Wege für den Patienten; desto häufiger gerät er an einen Arzt, den er nicht kennt. Der VdK versteht aber auch, „dass es junge Ärzte abschreckt, wenn sie jedes zweite Wochenende in der Praxis sitzen müssen“.

Wie genau die Neuordnung aussehen könnte, darüber hüllt sich die KV Hessen in Schweigen. Der Vorsitzende der Vertreterversammlung, Klaus-Wolfgang Richter, hatte aber schon im Februar einige Details verraten: Demnach wird Hessen in 50 „Hausbesuchsdienstbezirke“ eingeteilt. In jedem soll es einen zentralen Ansprechpartner geben. Anfragen von Patienten sollen aber hessenweit gesammelt werden - in einer oder zwei zentralen Leitstellen.

von Sandra Trauner

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