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Bei Amazon stehen Zeichen auf Streik

Tarifstreit Bei Amazon stehen Zeichen auf Streik

Im Tarifkonflikt beim Internet-Versandhändler Amazon hat SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück den Beschäftigten am größten deutschen Standort in Bad Hersfeld den Rücken gestärkt.

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SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück gibt nach seinem Besuch im Logistik-Center des Internethändlers Amazon in Bad Hersfeld ein Statement ab.

Quelle: Uwe Zucchi

Bad Hersfeld. „Ich bin ein Befürworter, dass es zu Tarifverträgen kommt, in denen das Spielfeld gemeinsam geregelt wird“, sagte Steinbrück am Montag zum Auftakt einer zweitägigen Wahlkampftour durch Hessen. Er habe den Eindruck, dass die Tarifpartnerschaft oder die Tarifautonomie im Fall Amazon angemahnt werden dürfe.

Am Amazon-Standort Bad Hersfeld stehen die Zeichen nach einer Urabstimmung auf Streik. Verdi verlangt von dem Unternehmen, den Tarifvertrag für den Einzel- und Versandhandel anzuerkennen. Amazon hingegen orientiert sich an der Bezahlung der Logistikbranche. Die Fronten scheinen in dem Tarifstreit verhärtet.

Leiharbeiter sollten genauso bezahlt werden wie die Stammbelegschaft, sagte Steinbrück. „Es ist sehr saisonal bedingt, in welchen Ausmaß hier Leiharbeiter beschäftigt werden“, befand er.

Das Problem am Standort Bad Hersfeld sei weniger das Ausmaß der Leiharbeit, sondern die Menge der befristeten Verträge. Diese Verträge verbreiteten eine „enorme Unsicherheit“ und würden als Druck wahrgenommen. Auf Dauer sei man am Markt nur erfolgreich, wenn insbesondere die Sozialpartnerschaft stimmig sei.

Die Gewerkschaftsmitglieder in Bad Hersfeld hatten sich zu 97,6 Prozent für einen Arbeitskampf ausgesprochen, berichtete die Gewerkschaft Verdi vom Ergebnis der Urabstimmung aus der vergangenen Woche. Damit werde ein Streik bei Amazon in Bad Hersfeld immer wahrscheinlicher, sagte Verdi-Verhandlungsführer Bernhard Schiederig Montagfrüh.

Anfang April hatten schon die Amazon-Leute in Leipzig für einen Streik gestimmt, aber noch keinen Termin für einen Ausstand festgelegt. Verdi verlangt von dem Unternehmen, den Tarifvertrag für den Einzel- und Versandhandel anzuerkennen. Für die einzelnen Beschäftigten würde das laut Gewerkschaft bis zu 9000 Euro brutto im Jahr ausmachen.

An den beiden Amazon-Standorten in Bad Hersfeld arbeiten rund 3300 Menschen.

Das amerikanische Unternehmen orientiert sich an der Bezahlung in der Logistikbranche. „Unsere Mitarbeiter liegen mit ihrem Einkommen am oberen Ende dessen, was in der Logistikindustrie üblich ist“, hatte zuletzt eine Amazon-Sprecherin die Personalpolitik verteidigt. Bei dem Standort in Bad Hersfeld handle es sich um ein reines Versandzentrum. „Unsere Mitarbeiter dort leisten logistische Tätigkeiten - Kommissionierung, Verpackung und Versendung von Waren.“ Deshalb laufe die Verdi-Argumentation ins Leere.

(dpa)

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